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22. Juli 2010, 17:25 Uhr

Das Facebook-Twitter-Magazin

Ein kleines Zusatzprogramm für Apples iPad verbindet soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter mit neuem Layout. Dadurch werden sie so ansprechend gestaltet wie Magazine. Das könnte viele Verlage verärgern.

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Die kostenlose App "Flipboard" verknüpft Blogs mit Twitter und Facebook und bastelt daraus ein digitales Magazin fürs iPad© Flipboard

Apples iPad gilt vielen in der Medienbranche als Heilsbringer. Mit einer bezahlten App hoffen die Verlage, das Abwandern der Leserschaft ins Internet kanalisieren zu können. Außerdem könnte dadurch, so die Hoffnung, eine befürchtete Kannibalisierung durch Online-Inhalte gestoppt werden. Daher versuchen sich Medienhäuser an den kleinen Programmen (Apps), die eine Darstellung ihrer Produkte auf Apples Multimediagerät ermöglicht.

"Elektronische Lesegeräte gehören zu den Hoffnungsträgern der Zeitungsbranche", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Dietmar Wolff kürzlich. Mit der Einführung des iPads habe das Publizieren auf dem elektronischen Display eine neue Dimension erreicht. In den Verlagen werde intensiv an Inhalten, Design und Vermarktungsmodellen gearbeitet.

Mit einer kleinen App könnte ein Startup aus Kalifornien die Träume platzen lassen. Das Flipboard der gleichnamigen Firma setzt voll auf das Social Web. Es bedient sich bei den Twittter- und Facebook-Kontakten der Nutzer und macht diese iPad-fähig.

Optische Reize

Dazu werden die Links aus den sozialen Anwendungen automatisch in ein magazinartiges Layout gepresst. Die sonst eher kryptisch anmutenden Botschaften werden als Nachrichtenseiten mit Videos oder Fotos dargestellt. Das Ergebnis liest sich wie ein ansprechend gemachtes Webmagazin.

Flipboard-Vorstandschef Mike McCue sagte zum Start der Anwendung: "Wir sind überzeugt, dass die zeitlosen Prinzipien von Print das Rauschen in den Sozialen Medien verringern können und ihren optischen Reiz verstärken."

Tatsächlich könnte dieses App die Nutzung sozialer Medien befördern. Denn für viele Anwender sind die oft kryptischen und schwer zu lesenden Kurzmeldungen zu unübersichtlich und wenig nutzerfreundlich. Mit der neuen Darstellungsform dürften Twitter & Co. neue Freunde finden.

Problem für Verlage

Das könnte dann tatsächlich zum Problem für Verlagshäuser werden, die mit ihren eigenen kostenpflichtigen Apps die iPad-Nutzer überzeugen wollen. Viele Anwender lesen lieber die Nachrichten, die ihnen Freunde und Bekannte empfehlen, als die vorgegebenen Stücke der Zeitungen und Zeitschriften.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Applikation kostenlos ist. Geld will Flipboard, das sich für die Startfinanzierung 10,5 Millionen Dollar von mehreren Risikokapitalgebern gesichert hat, durch personalisierte Werbung verdienen. Die soll dann zwischen den Inhalten stehen, die von Verlagen oder Bloggern produziert worden sind - ein Streit um Urheberrechte scheint vorprogrammiert.

Der Erfolg der Flipboard-App war zunächst so groß, dass die Server des Dienstes kapitulierten. Die Anwendung ließ sich zwar herunterladen und installieren. Der Flipboard-Server akzeptierte aber nur eine begrenzte Zahl von Anmeldungen für Twitter und Facebook. Nun gibt es eine Warteschlange für neue Nutzer. Mit der beabsichtigten Integration weiterer Dienste wie dem Fotoportal Flickr oder dem Lokalisierungsdienst Foursquare dürfte die Software für noch mehr Nuzter interessanter werden - und könnte sich schnell zu einem Zankapfel mit den Medienkonzernen entwickeln.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Flipboard: Die Mängel der App fürs iPad"

Gefunden in ... ... der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland"

Von Andreas Albert
 
 
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