Die irre Flucht des Virenjägers

4. Dezember 2012, 17:43 Uhr

Seit drei Wochen flieht der Antivirensoftware-Pionier John McAfee vor der Polizei, weil er seinen Nachbarn erschossen haben soll. Seine Flucht ist ein bizarres Schauspiel im Netz. Von Christoph Fröhlich

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Der Fall sorgte für internationale Schlagzeilen: John McAfee, Gründer des gleichnamigen Herstellers von Antivirensoftware, soll vor drei Wochen seinen Nachbarn im Inselstaat Belize erschossen haben. Ob er tatsächlich der Mörder des 52-jährigen Bauunternehmers Gregory Faull ist, ist bislang nicht bewiesen. McAfee selbst schwört, unschuldig und Opfer einer Verschwörung zu sein, weil er der belizianischen Regierung Geldspenden verweigert habe. Die Polizei hingegen behauptet, das Opfer wurde mit einer Neun-Millimeter-Pistole erschossen, wie sie auch McAfee besaß. Einbruchspuren seien ebenfalls nicht entdeckt worden, das Mordopfer habe den Täter offenbar gekannt, zudem habe es zwischen den Nachbarn offenbar regelmäßig Streit gegeben.

Seitdem befindet sich die Computerlegende auf der Flucht, die nun offenbar geglückt ist: Am Dienstag verkündete der Flüchtige, er sei wohlauf in Guatemala angekommen. Seine Fans sind erleichtert, denn der unbemerkten Ausreise gingen einige Pannen voraus.

Bild mit Folgen

Zwischenzeitlich schien eine Unvorsichtigkeit seine Flucht abrupt zu beenden. Zwei Redakteure des "Vice"-Magazins begleiteten McAfee einige Tage bei der Flucht nach Guatemala und schrieb eine Reportage über seine Erfahrungen. In dem Artikel wurde als Beweis der Echtheit ein Foto veröffentlicht, das "Vice"-Redakteur Rocco Castoro gemeinsam mit dem gut gelaunten 67-jährigen Ex-Programmierer zeigt. Der Blog "MobilePrivacy" nahm das Bild genauer unter die Lupe - und entdeckte zufällig den damaligen Aufenthaltsort in den EXIF-Daten des Bilds, das sind in der Fotodatei hinterlegte Informationen zur Aufnahme.

Demnach wurde das Foto mit einem Smartphone in Guatemala in der Nähe der Grenze zu Belize aufgenommen. Kurz nach Bekanntwerden des Fauxpas hat "Vice" das Bild gegen eine Version ohne Informationen ausgetauscht. McAfee selbst hat zunächst eine Erklärung in seinem Blog veröffentlicht, wonach er selbst die Daten manipuliert habe, um seinen wahren Aufenthaltsort zu verschleiern. Doch wirklich geglaubt hat ihm diese Theorie wohl niemand.

Stattdessen verbreitete sich die Nachricht, McAfee befände sich bereits in der Nähe der Grenze, wie ein Lauffeuer durchs Netz: Seine Fans wünschten ihm viel Glück. Einige, weil sie an seine Unschuld glaubten, andere, um das Spektakel im Netz weiter verfolgen zu können.

Am Dienstag gestand dann auch McAfee das Missgeschick: "Gestern war es chaotisch, weil die Koordinaten meines Aufenthaltortes aus Versehen veröffentlicht wurden", wie er in seinem jüngsten Eintrag schreibt. "Wir haben es trotz dieses Handicaps in Sicherheit geschafft."

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Antivirensoftware-Pionier John McAfee im Mai 2012©

Der falsche John McAfee

Wenige Tage zuvor hatten Gerüchte für Verwirrung gesorgt, denzufolge John McAfee gefasst worden sei. Angeblich habe ein Sprecher des Blogs whoismcafee.com eine anonyme Voicemail-Nachricht erhalten, in der ein unbekannter Mann mitteilte, der Gesuchte sei in der Nähe der mexikanischen Grenze festgenommen worden. Dem widersprach McAfee in einem Blogbeitrag wenige Stunden später: "Ich bin in Sicherheit", teilte er mit, außerdem sei er in Begleitung zweier "Vice"-Redakteure und seiner Freundin Sam. Denn nicht er wurde an der Grenze von Mexiko festgenommen, sondern ein Double mit nordkoreanischem Pass - behauptet zumindest McAfee. Alles sei Teil seines Fluchtplans gewesen.

Allerdings wurde der Beitrag mittlerweile gelöscht, was einigen Fans sauer aufstößt: "Warum löschst du vorherige Beiträge und Kommentare? Jede dieser Aktion nimmt dir deine Glaubwürdigkeit." Ungeachtet dessen hat der flüchtige Softwareentwickler nun eine Pressekonferenz für Mittwoch angekündigt: "Ich musste einige Interviews absagen und entschuldige mich bei allen, die davon betroffen sind." In wenigen Stunden werde er weitere Details zu seinem weiteren Vorgehen posten.

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