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26. Mai 2008, 15:36 Uhr

Internet-Mobbing nimmt zu

Immer mehr Pädagogen werden nach Erkenntnissen des Deutschen Philologenverbandes im Internet durch Schüler diffamiert und bloßgestellt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft präsentierte in einer Studie alarmierende Zahlen und wirft einigen Bundesländern Untätigkeit vor.

Immer häufiger werden Lehrer Opfer von Cyber-Mobbing© Reuters

Vom sogenannten Internet-Mobbing seien an deutschen Schulen rund 60.000 Lehrer betroffen. Der Verband warnte am Montag in einer Mitteilung vor einer stark steigenden Tendenz dieser Computer-Attacken. Nach einer am Montag in Berlin vorgestellten Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind rund 15.000 in der GEW organisierte Lehrer Opfer von "Cyber-Mobbing" und werden im Internet oder mit SMS fortgesetzt belästigt, bedroht oder verleumdet.

Die Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule, Marianne Demmer, warnte aber vor einer Dramatisierung dieses Phänomens. Erforderlich seien ein professioneller Umgang mit dem Problem und eine Unterstützung der Betroffenen. Die repräsentative Studie basiert auf Angaben von rund 500 Lehrern. Acht Prozent davon gaben an, direkt von "Cyber- Mobbing" betroffen zu sein. In der GEW sind 200.000 Lehrer an allgemeinen Schulen sowie Berufsschulen organisiert. Insgesamt gibt es rund 700.000 Lehrer in Deutschland.

Demmer plädierte für einen gemeinsam von Lehrern, Eltern und Schülern erarbeiteten Verhaltenskodex an den Schulen. Dazu gehöre auch, dass während des Unterrichts Handys und Handykameras ausgeschaltet blieben, mit denen oft ohne Wissen des Betroffenen kompromittierende Filmsequenzen aufgenommen und ins Internet gestellt würden. Dies sei ein klarer Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte. Mobiltelefone seien ein gravierendes Problem für einen ungestörten Unterricht, sagte Demmer. Schüler mobbten sich mit SMS oder in Chat- Rooms häufig auch gegenseitig. In einem Drittel der Fälle sind laut der GEW-Untersuchung Schüler die Opfer.

Zahlreiche Bundesländer bislang untätig

Der Lehrerverband kritisierte zahlreiche Bundesländer wegen angeblicher Untätigkeit in diesem sensiblen Bereich. Nur die Behörden in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen hätten bisher ein Netz von Ansprechpartnern und Hilfeleistungen für attackierte Pädagogen installiert. Die diffamierende und oft in persönliche Bereiche gehende Kritik von Schülern an Lehrern werde besonders in Internet- Plattformen, Videobörsen und Chat-Foren verbreitet. Nach Angaben des Verbandsvorsitzenden Heinz-Peter Meidinger seien diese Vorfälle inzwischen "an fast jeder weiterführenden Schule" zu beobachten.

Es sei bisher nicht gelungen, eine wirksame Vorbeugung zu schaffen. "Einem Teil der Schülerschaft ist nicht klar, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist", sagte Meidinger. Demmer mahnte, Medienpädagogik müsse ernst genommen werden. Schüler wüssten oft gar nicht, welche Folgen es habe, wenn E-Mail-Adressen einfach in Chat- Foren eingestellt würden. Meidinger sagte, in den meisten Fällen gehe Internet-Mobbing von einer "verschwindenden Minderheit von Schülern" aus. Gegen deren Aktivitäten würden die meisten Bundesländer ihrer Fürsorgepflicht für Lehrer jedoch nicht nachkommen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
sportartmakler (28.05.2008, 11:35 Uhr)
gebe meinen vorrednern insoweit recht
dass es natürlich solche "pädagogen" gibt, trotzdem geht das natürlich am inhalt des artikels vorbei, getreu dem motto die anderen sind auch böse. eigentlich ist das internetmobbing im vergleich zum direkten kontakt zum schüler, der dir droht und null respekt zollt, demzufolge immer den unterricht störend und andere mit einbeziehend, komplett harmlos.
nicht falsch verstehen, solche arschlöcher gibt es wohl hunder- oder auch tausendfach in dtl, die gewalt durch schüler gibt es jedoch an jeder schule, nicht nur durch éinen "helden".
die schulzeit / szene die ihr hier beschreibt war 1970/80/90. leider ist sie im ansatz nicht mehr vergleichbar und die "pädagogen" die ihren beruf verfehlt haben, sind definitiv zum kleineren problem geworden. früher gab es öfter den dialog zwischen eltern und lehrer auf normaler ebene, heute findet dieser in der form statt dass die eltern völlig entrüstet aufkreuzen und ihre kinder natürlich, auch bei offensichtlichem fehlverhalten, zu 1000% in schutz nehmen und das natürlich auch extra laut verkünden, damit es der dumme, sch nicht im recht befinde letzte lehrer auch versteht. oder sie kommen halt gar nicht, was will der schon. das sind die allgemeinen zustände, natürlich werden die meisten kommentatoren sich und ihre kinder davon freisprechen wollen, machen irgendwie alle, und trotzdem ist es wie es ist. bin kein lehrer, habe aber genügend in der familie und auch schon den ein oder anderen eklat mit erlebt.
gmathol (28.05.2008, 06:41 Uhr)
Nicht ausschliesslich Mobbing.
Frueher musste man es hinnehmen wenn man als Schueler ungerecht behandelt oder sogar vom "Lehrer" verpruegelt wurde. Da gab es noch die Rohrstockstrafe und Ohrfeigen wie ein Hammerschlag wurden ausgeteilt. Wir haben uns damals 1968 solch einen Kerl vorknoepfen muessen, da man uns nicht geglaubt hat.
Heute gibt es verfuegbare Technologien wie Kamera, Mobiltelephone und andere Aufnahmegeraete und nun wird es einigen dieser "Kinderschaender" die sich Paedagogen nennen mulmig.
Wir haben immer Lehrer respektiert die sich anstaendig und kenntnisreich darstellten.
guinness.1 (27.05.2008, 20:46 Uhr)
Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen..
...wir hatten in unserer Schule auch mehrere Lehrer, denen es sichtlich Spaß machte, immer dieselben Schüler zu diffamieren.
Als wir dann von einigem besonders üblen Diffamierungen eines bestimmten Lehrers in unserer Abiturzeitung berichteten, haben einige Lehrer unsere Abiturfeier boykottiert und sich mit diesem üblen Typen auch noch solidarisiert.
Ich finde es gut, wenn Schüler im Internet über solche Diffamierungen berichten und andere Schüler warnen.
wurzelkitt (27.05.2008, 13:20 Uhr)
Unterrichts-Mobbing
Viele Schüler wurden und werden nach Erkenntnissen des Deutschen Philologenverbandes im Unterricht durch Lehrer diffamiert und bloßgestellt. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft präsentierte in einer Studie alarmierende Zahlen und wirft einigen Bundesländern Untätigkeit vor.
Es sei bisher nicht gelungen, eine wirksame Vorbeugung zu schaffen. "Einem Teil der Lehrerschaft ist nicht klar, dass die Schule kein rechtsfreier Raum ist", sagte Meidinger.
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