Mega-Comeback für Kim Schmitz

22. Juni 2012, 19:24 Uhr

Er verdiente Millionen und liebte das Bling-Bling. Nach seiner spektakulären Festnahme wurde Kim Schmitz zum Sündenbock der Medienindustrie. Jetzt kündigt er ein furioses Comeback an. Von Christoph Fröhlich

Kim Schmitz, Dotcom, Twitter, Megaupload, Prozess,

Der neue Dienst von Self-Made-Internetmillionär Kim Schmitz soll auf den Namen Megabox hören.©

Er lebte unter falschem Namen, machte Millionen mit dubiosen Internetgeschäften, jetzt sitzt er auf der Anklagebank. Der selbsternannte Hacker Kim Schmitz schuf mit dem Mega-Imperium - allen voran der Filehosting-Dienst Megaupload - eine der größten Plattformen für illegale Inhalte im Web. Im Januar 2012 dann der große Absturz: Die Polizei stürmte sein Anwesen in Neuseeland, steckte ihn in U-Haft, nahm ihm sein Geld und sperrte den Internetzugang. Es sah nicht gut aus für Kim Schmitz alias Kim Dotcom alias Kimble. Doch aufgeben? Das kommt für den voluminösen Internetmillionär nicht in Frage. Nach monatelangen Auseinandersetzungen mit der US-Justiz kündigt Schmitz jetzt sein langerwartetes Comeback an. Und wie immer tut er es nicht auf die dezente Art.

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Bescheidenheit war noch nie die Stärke von Kim Dotcom: Das Cover seiner nächsten Single ziert zwar nur ein Heli, dafür aber zwei Yachten und ein fetten Royce©

Stehaufmännchen Kim Schmitz

Seit fast sechs Monaten zofft sich die US-Justiz jetzt mit Schmitz. Und je länger das Verfahren läuft, desto mehr zeigt sich: Die Chancen für Kimble stehen gut, relativ unbeschadet aus der Sache herauszukommen. Laut richterlichem Beschluss durfte er wieder in seine gemietete Villa auf der Nordinsel Neuseelands zurückkehren, zudem erhält Schmitz Einblick in die Akten, die das FBI über ihn angelegt hat. Auch ein mehr als üppiges Taschengeld von 37.000 Euro im Monat wurde dem gebürtigen Deutschen zugesprochen, an die USA wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit demnächst nicht ausgeliefert werden. Für Schmitz ist die Sache klar: Er ist wieder auf der Gewinnerseite des Lebens. Via Twitter verkündete er nun an seine mehr als 5000 Follower: "Kim Dotcom will be back", darunter ein Foto aus der glanzvollen Zeit der Megaupload-Ära.

Ob sich hinter dem Profil der echte Schmitz verbirgt, ist nicht eindeutig belegt. Vieles spricht aber dafür: Er verweist in dem Twitter-Account auf die Webseite Kim.com, die er sich schon im Jahr 1995 auf den Namen Kim Vestor registrierte. Zudem verlinkt er auf zahlreiche Instagram-Bilder, die ihn oder sein persönliches Umfeld zeigen. Mal zeigt er sich beim Fernsehen mit seinen Kindern, ein anderes Mal beim Tennisspielen mit Kollegen seines Mega-Imperiums.

Überhaupt scheint Schmitz Spaß am Twittern gefunden zu haben: Er zeigt gefräßige Schwäne, präsentiert sich als Comicfigur im US-Army-Stil und fotografiert sein Tonstudio, indem er seine neue Single plant. Das Cover ist bereits fertig, es zeigt fette Yachten, einen Heli und einen Rolls Royce. Das Kennzeichen: God ("Gott"). Der Titel der Single: "Good Life" ("Gutes Leben"). Das Bild zeigt: Kim Schmitz ist zurück, und er wird es mächtig krachen lassen. Bescheidenheit war noch nie sein Ding. Beobachtet man das neue Netzleben von Mister Dotcom, zeigt er wenig Reue. Im Gegenteil: Er lässt die US-Justiz wie Idioten aussehen und feiert sich als strahlenden Sieger. Ein Foto zeigt ihn mit angsterfüllten Augen, weil ein schwarzer Helikopter neben seiner Villa landet. Darunter schreibt er: "Oh nein, nicht nochmal. Ein weiterer FBI-Sturm auf das Dotcom-Anwesen? ;-)"

Familie Dotcom

Glaubt man seinen Postings, legt Schmitz erneut die Axt an die Musikindustrie: Demnach werkelt er an einem Cloud-Dienst namens "Megabox", an dem er schon vor der Festnahme arbeitete. Die Plattform soll es Künstlern in Do-it-yourself-Manier ermöglichen, direkten Kontakt mit ihren Hörern aufzunehmen. 90 Prozent der Einnahmen sollten den Musikschaffenden zugutekommen, die restlichen zehn Prozent in die Tasche des Kieler Jung wandern. Die Labels würden - wie sollte es anders sein - bei Schmitz' Portal leer ausgehen. Und diesmal sei alles völlig legal, verspricht der kolossale IT-Mann. Das Projekt befand sich im Dezember 2011 bereits in einer Testphase mit rund einer Million Nutzern, doch der Sturm auf die Dotcom-Villa verhinderte den Start der Plattform. Der Dienst orientierte sich optisch an dem großen Vorbild iTunes, sollte aber perfekt in das Megaupload-System integriert werden. Auch das ist typisch Kim Schmitz: Er legt sich immer mit den Größten an, nur um sie dann doch vom Platz zu fegen. Wenn nötig, sogar die gesamte US-Justiz.

Seine Fans feiern seine Rückkehr frenetisch: An nur einem Tag gewann Kim Dotcom mehrere Tausend neue Follower. So schreibt der User David J. Engel: "Legenden mögen schlafen, aber sie sterben nie." Auch Apple-Mitgründer Steve Wozniak besuchte vor wenigen Tagen das Schwergewicht und sprach ihm Mut zu.

In seiner bisher letzten Nachricht an seine Fans gibt sich der füllige Netzstar kämpferisch und liebevoll zugleich: "Sie nahmen mir meine Freiheit, mein Geld, mein Geschäft, meine Autos, mein Internet. Aber sie können mir nicht das nehmen, was ich am meisten liebe." Darunter hängt er ein Bild seiner Frau Mona. Sie schenkte dem 38-jährigen Internetmillionär Ende März Zwillingsmädchen - und arbeitet bereits an einem eigenen Cloud-Dienst für das Familienunternehmen Dotcom.

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