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23. August 2010, 11:01 Uhr

Mobilfunker wollen Flatrates abschaffen

Eine Studie zeigt, wie sich die Handybranche die Zukunft vorstellt: Die Flatrate könnte bald ausgedient haben - und Apps dürften zur wichtigsten Umsatzquelle der Mobilfunkanbieter werden. Von Arndt Ohler und Stanley Pignal

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Die Nutzung von Smartphones sorgt für ein hohes Datenaufkommen. Die Netzbetreiber arbeiten an neuen Tarifen© Shannon Stapleton/Reuters

Festpreisangebote im Mobilfunk dürften weltweit an Bedeutung verlieren: Etwa die Hälfte der in einer Studie befragten Mobilfunkmanager bewerten die Entwicklung neuer Tarifmodelle als eine der wichtigsten Herausforderungen. 55 Prozent der Manager halten die früher üblichen, volumenabhängigen Preise für eine Antwort auf den Datenhunger der Multifunktionshandys von Apple, Motorola oder Samsung.

In einer Umfrage der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, durchgeführt von Economist Intelligence Unit, wurden nach Unternehmensangaben im Juni weltweit knapp 400 Manager aus der Mobilfunkbranche befragt. "Die Umfrage belegt, dass Mobilfunkanbieter weltweit planen, ihre Tarifstrategien neu zu gestalten", sagte Thomas Tschentscher, Mobilfunkspezialist bei der Kanzlei.

Zugleich erwarten die Telekom-Manager, dass sich ihr Geschäftsmodell deutlich ändert: 37 Prozent der Befragten erwarten, dass innerhalb der kommenden drei Jahre Downloads von Zusatzprogrammen, so genannte Apps, zur wichtigsten Einnahmequelle werden. Herkömmliche Sprachübertragung landete lediglich auf Platz zwei. "Die Mobilfunkanbieter kehren wieder zu dem Konzept zurück, dass Content der King ist", sagte Natasha Good von Freshfields Bruckhaus Deringer.

Festpreistarife, bei denen Kunden gegen eine bestimmte Gebühr beliebig viele Daten auf ihr Handy laden können, werden zu einer Belastung für die Mobilfunkbetreiber. Früher besaßen nur wenige Kunden ein Mobiltelefon, das auch Daten verarbeiten konnte; das Datenvolumen in den Netzen der Mobilfunker war überschaubar.

60 Millionen neue Datenfresser

Jetzt ist weltweit bereits jedes fünfte verkaufte Handy ein ans Internet angeschlossenes Smartphone. Im zweiten Quartal 2010 gingen damit über 60 Millionen neue Datenfresser an Kunden in aller Welt. Der Datenverbrauch wächst, die Wirtschaftlichkeit der Festpreisangebote sinkt.

Zusätzlich angeheizt werden die Überlegungen der Netzbetreiber durch den kommenden Mobilfunkstandard LTE. Die Technik verspricht höhere Übertragungsgeschwindigkeiten, was den Datenverbrauch erhöhen dürfte. Experten erwarten, dass einige Anbieter die Einführung von LTE als Anlass für einen Umbau ihres Tarifsystems nutzen werden.

Erste Anbieter haben die Notbremse gezogen. Das US-Mobilfunkunternehmen AT&T bietet seit Juni Tarife mit einer Obergrenze an. Für 25 Dollar können Nutzer monatlich zwei Gigabyte Daten verbrauchen. Danach müssen sie zuzahlen.

AT&T hat deshalb nun sein Herz für Wenig-Surfer entdeckt. Sie würden so gerechter behandelt, weil sie nicht für den Datenkonsum der anderen mitzahlen müssten. Laut AT&T verbrauchen 65 Prozent der Kunden monatlich weniger als 200 Megabyte. Bei den Amerikanern kommen etwa zwei Prozent auf ein Volumen von mehr als zwei Gigabyte.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Microsoft: Windows Phone 7 ist die letze Chance im Mobilfunkmarkt Erfolg zu haben"

Gefunden in ... ... der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland"

Von Arndt Ohler und Stanley Pignal
 
 
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