Der unsichtbare Riese

14. Februar 2010, 19:18 Uhr

Auf dem Mobile World Congress dreht sich alles um Handys und die Zukunft der Kommunikation. Doch eine Technik wird kaum diskutiert - trotz 500 Millionen Nutzern. Was macht eigentlich Skype? Von Ralf Sander

Skype, Voice over IP, Mobiltelefonie, Mobile World Congress, Apps, iPhone, Handy, Voip

Skype hat eine halbe Milliarde Nutzer weltweit©

Skype ist so etwas wie das Gegenteil von Hype. Viele nutzen den Dienst, der kostenloses Telefonieren und Videokonferenzen über das Internet ermöglicht. Doch kaum jemand spricht mehr darüber. Soziale Netzwerke wie Facebook und StudiVZ boomen und bekommen jede Menge Aufmerksamkeit, von Fans und Gegnern gleichermaßen. Und die eigentlich längst etablierte Technik des Telefonierens ist immer noch ein beliebtes Gesprächsthema, vor allem wenn neue Handys im Spiel sind, bevorzugt mit einem Apfel drauf. Am Montag beginnt in Barcelona mit dem Mobile World Congress die wichtigste Messe für mobile Kommunikationstechnik. Wir werden neue Geräte und Gadgets bestaunen, über schönes Design und neue Features diskutieren können. Um dann, ohne uns einen weiteren Gedanken zu machen, die Schwester in Übersee anzurufen, kostenlos, über das Internet. Skype ist erst sieben Jahre alt und schon so uncool wie Festnetztelefonie. Und gleichzeitig viel beliebter. Grund genug zu fragen: Was macht Skype eigentlich gerade?

Unterhalb des Aufmerksamkeitsradars der meisten Medien hat Skype seit seiner Gründung 2003 eine riesige Nutzerbasis aufgebaut: Die Nachrichtenagentur Bloomberg schätzt rund 548 Millionen User weltweit. Skype-Chef Josh Silverman sagt, pro Tag kämen 300.000 neue dazu. Damit hat die Firma, die Internettelefonie salonfähig gemacht hat, mehr Nutzer als Facebook, Myspace und Twitter zusammen. Und das, obwohl die Einstiegshürden viel höher sind als bei den neueren sozialen Netzwerken: Es muss ein Programm heruntergeladen und installiert werden, Mikrofon, Lautsprecher und eine Webcam sollten vorhanden sein. Und anmelden muss man sich auch noch. Sind diese Hürden überklettert, bekommt man allerdings ein Produkt mit unschlagbarem Preis-Leistungsverhältnis: kostenloses Telefonieren zwischen Skype-Teilnehmern, unabhängig davon, wo sich diese gerade aufhalten. Dazu kommen günstige Preise für Anrufe ins Fest- und Mobilnetz und für SMS. Damit verdient die Firma ihr Geld, rund 165 Millionen US-Dollar im Jahr 2009. Besonders bei den internationalen Telefongesprächen hat sich die Firma zu einer Macht entwickelt: Im Jahr 2009 verzeichnete laut der Marktforschungsfirma TeleGeography Skype einen Anstieg um 63 Prozent und wickelt zurzeit zwölf Prozent aller internationalen Gespräche ab. "Skype ist mit Abstand der größte Anbieter von Ländergrenzen überschreitender Telekommunikation weltweit", sagt TeleGeograph-Analyst Stephen Becket.

Umbau im Unternehmen

Dass von Skype abgesehen von der Einführung von Videotelefonie in High Definition nicht viel Innovatives zu vernehmen war, mag mit Veränderungen im Unternehmen selbst zusammenhängen. 2005 hatten die beiden Skype-Gründer Niklas Zennström und Janus Friis ihre Firma an das Onlineauktionshaus Ebay verkauft, das nie so richtig wusste, was es mit den Internettelefonierern überhaupt anfangen sollte. Im November 2009 verkaufte Ebay die Mehrheit am Unternehmen an eine Investorengruppe um Marc Andreessen, den Erfinder des Netscape-Browsers. Kurz darauf wurde ein Rechtsstreit zwischen den beiden Gründern und Ebay von den neuen Besitzern beigelegt, Zennström und Friis sind nun wieder mit 14 Prozent an Skype beteiligt. Nach dem Ende diese Streitigkeiten erwarten viele Analysten, dass Skype einen Gang zulegt.

Wird Skype das soziale Netzwerk der Zukunft?

Während Finanzexperten besonders interessiert beobachten, ob sich da mittelfristig vielleicht ein Börsengang anbahnt, machen sich Web-2.0-Theoretiker darüber Gedanken, ob Skype das mächtigste soziale Netzwerk werden könnte. Videokonferenzen, Telefonie, Anrufbeantworter, das Verschicken von SMS und Instant Messaging beherrscht Skype bereits. Was wäre, wenn noch Funktionen von Facebook und Twitter dazukämen? Oder, wie es der US-Technikjournalist Jeremy Wagstaff formuliert: "Ein ganzes Ökosystem von Dienstleistungen, das sich auf der Oberfläche von Skype entwickelt." Als Beispiele nennt Wagstaff Übersetzungs- und Bildungsangebote. Außerdem, spinnt Wagstaff weiter, könne sich Skype "zum Herz der sozialen Medien" machen, wenn es sich mit Facebook, Twitter & Co. verzahne. Aufgrund seiner riesigen Benutzerzahl könnte jeder Schritt in Richtung der sozialer Netzwerke spürbare Folgen für die bisherigen Platzhirsche haben. "Das Wertvollste an Skype ist die halbe Milliarde vernetzter Nutzer", sagt Risikokapitalist Bill Gossman.

Wann wir erleben, ob Skype diesen Weg beschreitet, ist noch offen. Deutlicher sichtbar sind einige weniger gravierende Entwicklungen. Zum einen versucht Skype in der Unterhaltungselektronik Fuß zu fassen. Auf der diesjährigen Consumer Electronics Show in Las Vegas waren Flachfernseher mit integrierter Webcam und Skype-Software zu sehen, was hochauflösende Videotelefonie ermöglicht. Zielgruppe sind dabei weniger Menschen, die auf dem Sofa über das TV-Gerät mit ihren Lieben schwätzen wollen. Interessant sind diese Geräte besonders für kleine und mittlere Unternehmen, die sich keine teuren Videokonferenzsysteme leisten können.

Worauf viele Skype-Nutzer allerdings wirklich warten, sind Fortschritte bei Voice over IP (VoIP) über das Handy. Viele Mobilfunkanbieter blocken diese Dienste in ihren Netzen, weil sie fürchten, ihre Gesprächsminuten an Skype und andere zu verlieren, die die Datenverbindung des Smartphones zur Sprachübertragungen nutzen. Die Verhandlungen zwischen Mobilfunkern und VoIP-Anbietern verlaufen zäh, und irgendwann könnte der Streit auch bei den Regulierungsbehörden in Brüssel ankommen.

Dass Apples iPhone bisher nur über Wlan und nicht über UMTS den Einsatz von Skype zuließ, hatte allerdings technische Gründe. Die sind seit Ende Januar beseitigt, Apple hat sein Softwareentwickler-Paket und die damit zusammenhängenden Lizenzvereinbarungen entsprechend angepasst. Skype - und andere VoIP-Anbieter mit Sicherheit auch - hat die entsprechende App bereits fertig, zögert aber noch mit der Veröffentlichung. Neuigkeiten spart man sich gerne für Events wie den Mobile World Congress in Barcelona auf. Damit auch alle darüber reden können.

Lesen Sie auch bei unserem Partner pcwelt.de: Gratis telefonieren im Internet

Zum Thema
KOMMENTARE (5 von 5)
 
madmax2011 (15.02.2010, 11:41 Uhr)
Es geht auch heute schon ohne Installation und mit 3G
"Es muss ein Programm heruntergeladen und installiert werden..... Und anmelden muss man sich auch noch." Das geht auch einfacher mit Friendcaller: www.Friendcaller.com, keine Installation erforderlich, der Gesprächspartner braucht sich nicht zu registrieren. Und eine FriendCaller iPhone app mit der man auch über 3G telefonieren kann gibt es auch. http://itunes.apple.com/de/app/friendcaller-3-pro/id320369555?mt=8
freelunch (15.02.2010, 10:00 Uhr)
umsonst hat auch Folgen
skype ueber handy fuer lau: dann soll doch bitte skype auch die kosten fuer loehne, pensionen, lizenzen und investitionen in die mobilfunk und festnetze uerbernehmen.
und bruessel kann gleich auch den stern zwingen meine werbung umsonst zu veroeffentlichen.
there should be no free lunches:maximalpreise,speziell wenn zero, haben irgedwann immer unterversorgung/keine investitionen mehr, zur folge
ostik (15.02.2010, 03:46 Uhr)
...als skype nutzer der 1. stunde...
....kann ich nur die vorteile des systems anpreisen: (nahezu) KOSTENLOSER kontakt mit familie/freunden etc., weltweit, in einer immer besser werdenden gespraechsqualitaet. -- ich halte seit jahren kontakt mit freunden in russland, china, australien und seit meinem wegzug aus deutschland (in die usa) auch mit der familie und freunden dort. einige der freunde 'weigern' sich, bzw. sehen sich inkompetent/ausser stande skype zu installieren, deshalb erwarb ich vor ca. 2 wochen ein gespraechsguthaben und kann dieses nun nutzen um jene faulpelze auf ihren handies zu (fuer mich) sagenhaft guenstigen tarifen anzurufen. -- selbst hierzulande gelang es mir die 'werbetrommel' zu ruehren und nachbarn, freunde und bekannte mit deren freunden und familien sich weltweit zu vernetzen. -- irgendwie bin ich stolz darauf kein e-bay mitglied zu sein/werden und finde es gleichzeitig schade, dass meine (e-bay suechtige) schwester wegzog und sich standhaft weigert skype zu installieren.... ... ironie des schicksals ???

immerhin kann ich auch sie per skype super billig anrufen und ihr von dem berichten was mir unsere eltern (70+ jahre alt) auf ooVoo und/oder skype erzaehlt haben. -- das ist leider das was skype fehlt: die video-mail funktion die 'ooVoo' bietet. (dafuer bleibt der 'chat' in ooVoo im gegensatz zu skype) nicht erhalten
dauert bestimmt nicht mehr lange bis skype die video-mail funktion im angebot hat; bis dahin zahle ich gerne 0.246usct/min fuer gespraeche ins deutsche handy-netz um weiterhin mit allen in kontakt zu bleiben. --apropos: man kann sich sowohl in skype, als auch in ooVoo, fotos/musik/dateien jedweder art schicken....eine wirklich geniale funktion ....

;-)
Dito (15.02.2010, 01:12 Uhr)
Oha, es riecht ja mächtig nach
Schleichwerbung !

Da hat wohl Ebay jemanden bestochen.
brigitteramsau (15.02.2010, 00:00 Uhr)
Mit einem WiFi Ip-Phone...
...kann man mit Skype in der Gross-Stadt ueber die zahlreich verfuegbaren WiFi Verbindungen (offene Router) sogar wie mit einem Mobil-Telephon voellig umsonst von Skype zu Skype telefonieren, ansonsten kostet es auch nur 2 cent die Minute.
Digital
Extra: Leben im Internet der Dinge Extra Leben im Internet der Dinge
Vergleichsrechner
Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Unser kostenloser DSL-Vergleich zeigt Ihnen die DSL-Tarife, die am besten zu Ihnen passen. Zum Tarifvergleich
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity