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"Falsches" Klo benutzt? 1000 Dollar Strafe

Während in Deutschland der Ruf nach Unisex-Toiletten immer lauter wird, machen die USA eine Rolle rückwärts: Erneut fordert ein Senator eine Strafe für Menschen, die nicht die Toilette benutzen, die ihrem Geburtsgeschlecht entspricht.

  Welchen Gefahren transsexuelle Frauen ausgesetzt sind, wenn sie gezwungen werden, die Herrentoilette zu benutzen, möchte man sich nicht vorstellen

Welchen Gefahren transsexuelle Frauen ausgesetzt sind, wenn sie gezwungen werden, die Herrentoilette zu benutzen, möchte man sich nicht vorstellen

Während in vielen Ländern die Solidarität mit der LGBTI-Gemeinde wächst und das Thema soziales Geschlecht auch durch eine so ausgezeichnete Serie wie "Transparent" seit zwei Jahren von immer mehr Menschen verstanden und akzeptiert wird, will der jüngste Senator Oklahomas, Joseph Silk, 29 Jahre alt und Vater von fünf Kindern, für seinen Staat ein neues Gesetz durchbringen: Das Benutzen einer Toilette, die nicht dem Geburtsgeschlecht entspricht, soll eine Straftat werden. Um Argumente dafür zu finden, hat Silk das Gesundheitsministerium um Bestimmungen gebeten, die seinen Entwurf stützen und das Erlassen des Gesetzes zwingend erforderlich machen sollen. Bis zu den Wahlen Ende 2016 will er ihn durchgebracht haben.

Bei dieser Forderung handelt es sich nicht um den ersten Angriff des Senators auf die LGBTI-Community. Ende August 2015 erklärte er der "New York Times", dass "Homosexuelle nicht das Recht hätten, in jedem Laden bedient zu werden". Seine reaktionäre Haltung begründet Silk stets mit der Bibel: Ladenbesitzern werde die Ausübung ihrer religiösen Freiheit genommen, wenn sie sich nicht legal weigern könnten, Homosexuelle zu bedienen.

Vorbild Indiana

Möglicherweise orientiert sich Silk an einem Gesetzesentwurf, der in Indiana bereits im Dezember 2015 eingereicht wurde. Dort sollen, falls er verabschiedet wird, transsexuelle Frauen, die eine Damentoilette benutzen, 1000 Dollar Strafe zahlen, wenn sie erwischt werden. Zudem drohe ein Jahr Gefängnis. Wie manche Männer reagieren werden, wenn transsexuelle Frauen ein Herrenklo aufsuchen, möchte man sich gar nicht vorstellen. Schon gar nicht in einem konservativ geprägten Bundesstaat. Für den Umkehrfall gilt dasselbe: Transsexuelle Männer müssten dann auf die Damentoilette.

Angeblich soll das Gesetz dazu dienen, Benutzer von öffentlichen Toiletten vor Übergriffen durch Transsexuelle zu schützen. Es gebe jedoch nicht einen einzigen protokollierten Fall zu diesem vermeintlichen Problem, erklärt "The Daily Beast". Ganz im Gegenteil: Es sind Transsexuelle, die angegriffen werden, wenn sie auf öffentliche Toiletten gehen.

Dass Transsexuelle "sichtbarer" geworden sind, hat bislang nicht dazu geführt, dass Konservative bereit sind, ihre Identität zu begreifen. Dazu braucht es wohl noch ein paar mehr gut gemachte Serien. Oder einen Vers in der Bibel.

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