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4. Februar 2011, 10:31 Uhr

Die Erde isst zu fett

Übergewicht ist zu einer weltweiten Epidemie geworden, warnen Forscher schon lange. Eine groß angelegte Studie bestätigt dies nun. Demnach sind eineinhalb Milliarden Menschen zu dick, 500 Millionen davon sogar fettleibig. Auch die Deutschen haben zugelegt.

Übergewicht, Fettleibigkeit, BMI, Lancet, Adipositas

Die Zahl der Fettleibigen hat sich in den vergangenen 30 Jahren weltweit nahezu verdoppelt© DPA

Die Zahl der fettleibigen Menschen weltweit hat sich in den vergangenen 30 Jahren nahezu verdoppelt - und zwar auf eine halbe Milliarde. Im Jahr 2008 seien geschätzte 205 Millionen Männer und 297 Millionen Frauen auf der Welt fettleibig gewesen, heißt es in einer groß angelegten Langzeitstudie zu Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Cholesterin-Werten, deren Ergebnisse in der britischen Zeitschrift "Lancet" veröffentlicht wurden. Als übergewichtig gelten sogar eineinhalb Milliarden Menschen.

Das Problem sei dabei längst nicht mehr nur eines der westlichen Industrienationen, sondern habe sich in Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen ausgebreitet, sagte Majid Ezzati, einer der Autoren der Studie. Für die Untersuchung wurden Daten von 9,1 Millionen Erwachsenen aus 199 Ländern und Regionen ausgewertet. Um festzulegen, wer fettleibig ist und wer nicht, wurde der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) herangezogen, der Körpergröße und Gewicht in Verhältnis zueinander setzt. Bei Werten über 25 spricht man von Übergewicht, bei einem BMI über 30 von Fettleibigkeit (Adipositas).

Die Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • 2008 waren weltweit 13,8 Prozent der Frauen und 9,8 Prozent der Männer fettleibig. 1980 waren es noch 7,9 Prozent der Frauen und 4,8 Prozent der Männer.
  • Den höchsten BMI Durchschnittswert weltweit wiesen 2008 die Nationen der Pazifikinseln auf. Unter ihnen hat der kleine Inselstaat Nauru den größten Anteil an Dicken.
  • In den Ländern mit hohen Einkommen leben die meisten Übergewichtigen in den USA und Neuseeland. Das geringste Problem mit Fettleibigkeit hat Japan.
  • Weltweit gesehen hatten Frauen im Durchschnitt einen BMI von 23,8 und Männer einen von 24,1. In reichen Regionen waren Männer stärker übergewichtig als Frauen. In ärmeren Staaten war es umgekehrt.
  • Deutschlands Frauen liegen mit einem durchschnittlichen BMI von 25,7 im Jahr 2008 auf Platz 17, die Männer mit 27,2 auf Platz zehn. 1980 hatten Frauen noch den BMI-Durchschnittswert von 24,7 erreicht, Männer 25,5.
  • In Europa hatten Frauen in der Schweiz den durchschnittlich niedrigsten BMI-Wert, türkische Frauen und tschechische Männer den höchsten.
  • Weltweit ist der BMI in Bangladesch bei den Frauen und in der afrikanischen Republik Kongo bei den Männern am niedrigsten.

Weniger Probleme mit Bluthochdruck

Etwas bessere Nachrichten gab es hinsichtlich des Bluthochdrucks und zu hohen Cholesterin-Werten. In den vergangenen dreißig Jahren konnte den Wissenschaftlern zufolge vor allem in den Industrienationen einiges erreicht werden. Die Wissenschaftler führen dies auf einen geringeren Salzkonsum, den Verzehr von gesünderen, ungesättigten Fettsäuren und eine verbesserte Früherkennung und Behandlung zurück.

Probleme mit Bluthochdruck sind seit 1980 in Europa, den USA, Kanada und Australien geringer geworden. Am größten waren sie 2008 in den baltischen Ländern sowie in Ost- und Westafrika. Deutschland liegt beim Bluthochdruck zwar im Vergleich im Mittelfeld, die Durchschnittswerte haben sich aber in den rund 30 Jahren verbessert. Anders sieht es bei den Cholesterin-Werten aus. Hier steht Deutschland zusammen mit Grönland, Island und Andorra an der Spitze der westlichen Ländern.

Die Ergebnisse der Studie liefern den Wissenschaftlern zufolge eine gute Grundlage für die Politik, die Voraussetzungen für einen gesunden Lebensstil zu schaffen. "Wir wissen, dass Veränderungen der Ernährung und körperlichen Aktivitäten zur weltweiten Ausbreitung von Fettleibigkeit beigetragen haben", sagt Gretchen Stevens von der Weltgesundheitsorganisation. "Wir müssen politische Maßnahmen identifizieren, einführen und immer wieder daraufhin untersuchen, ob sie helfen, diese Trends umzukehren oder ihre negativen Effekte zu begrenzen."

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lea/DPA/AFP
 
 
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