Das große Schnaufen

Ob Heuschnupfen oder Neurodermitis - Kinder sind häufig von Allergien betroffen. Eltern sollten Spezialisten aufsuchen, die sowohl in der Allergologie als auch in der Kinderheilkunde ausgebildet sind.

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Heuschnupfen beginnt meist schon im Kindergartenalter©

Auch bei Kindern kann eine Vielzahl von Stoffen eine Allergie und verschiedene Beschwerden auslösen, von Hautausschlag über Atemnot bis hin zu Magen-Darm-Beschwerden. Das Immunsystem reagiert dabei überempfindlich auf an sich harmlose Stoffe - und zwar so, als ginge es darum, einen gefährlichen Eindringling zu bekämpfen: Die Haut entzündet sich, die Augen tränen, die Atemwege verengen sich, die Nase läuft. Dabei gibt es nichts gar zu bekämpfen, der Körper schadet sich mit seiner Überreaktion nur selbst.

Keine Allergie gegen unbekannte Stoffe

Ein überempfindliches Immunsystem wird vererbt: Wenn beide Eltern eine Allergie haben, liegt das Risiko für das Kind, ebenfalls eine zu entwickeln, bei rund 50 Prozent. Ist nur ein Elternteil betroffen, verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind erkrankt, auf etwa 30 Prozent.

Ob tatsächlich eine Allergie entsteht, ist aber nicht nur eine Frage der Gene. Vielmehr muss ein Auslöser aus der Umwelt hinzukommen. Erst wenn das Kind häufig mit bestimmten Stoffen in Berührung kommt, kann es eine entsprechende Sensibilisierung dagegen entwickeln. Wer nie zuvor Erdbeeren gegessen hat, kann auch nicht allergisch auf sie reagieren.

Zu viel Hygiene?

Allergien sind unter Kinder weit verbreitet: An allergischem Asthma sind etwa 650.000 Kinder in Deutschland erkrankt, an Heuschnupfen fast eine Million. Während Säuglinge vor allem von Nahrungsmittelallergien betroffen sind, leiden Vorschulkinder am meisten unter Atemnot und Pollenallergie.

Warum sich seit den 60er Jahren die Zahl der Allergiker im Zehn-Jahres-Rhythmus verdoppelt hat, wissen Forscher nicht. Einige sehen den westlichen Lebensstil als Ursache: Hausstaubmilben finden in Teppichen und Polstermöbeln ideale Lebensbedingungen, isolierte Wände und doppelt verglaste Fenster lassen Schimmelpilze gedeihen.

Andere Wissenschaftler meinen, Menschen würden zuviel waschen, putzen, desinfizieren. Das Immunsystem des Kindes brauche aber Keime, um überhaupt zu lernen, sie zu bekämpfen. Ein geübtes Immunsystem sei dann auch gegen Allergien gut gerüstet. Viele Studien stützen diese Hygiene-Hypothese: Kinder entwickeln zum Beispiel seltener Asthma, wenn sie als Babys oft erkältet waren.

Gesunder Dreck auf dem Bauernhof

Andere Untersuchungen bestätigen die Hygiene-Hypothese indirekt. Kinder, die deren Eltern es mit der Hygiene nicht übertreiben, entwickeln weniger Allergien. Ebenso Kinder, die früh in Krippen kommen, viele Geschwister haben oder auf dem Bauernhof groß werden.

Mit der Situation der Kinder vom Bauernhof haben sich Fachleute besonders intensiv beschäftigt. Sie fanden in dem Staub der Ställe und in den Matratzen der Betten erhöhte Konzentrationen von Endotoxinen. Das sind Gifte von Bakterien. Die Forscher vermuten, dass das Immunsystem sich im ständigen Kampf mit Mikroben besonders gut entwickelt.

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