15. November 2007, 14:00 Uhr

Jährlich 130.000 Behandlungsfehler in Kliniken

Knochenbrüche werden übersehen, beim Röntgen falsche Körperteile durchleuchtet - in deutschen Krankenhäusern wird offenbar weniger gewissenhaft gearbeitet, als von Patienten erwartet wird: 130.000 Menschen leiden pro Jahr unter den Folgen von Behandlungsfehlern.

Ärzte bei einer Operation. Laut der Schlichtungsstelle der Norddeutschen Ärztekammern passieren die meisten Kunstfehler bei einer OP©

In mehr als einer halben Million Fälle pro Jahr erleiden Krankenhaus-Patienten in Deutschland gesundheitliche Schäden durch die Behandlung in einer Klinik. Bei einem Viertel dieser Fälle, also knapp 130.000, sind die Folgeschäden auf Behandlungsfehler zurückzuführen, wie die Schlichtungsstelle der Norddeutschen Ärztekammern im "Deutschen Ärzteblatt" berichtet.

Die meisten Kunstfehler passieren bei OPs

In Deutschland gibt es jährlich rund 17 Millionen Klinik-Behandlungen, bei drei Prozent davon sind therapiebedingte Gesundheitsschäden zu erwarten. "Wir haben etwa 160 Todesfälle im Jahr, die tatsächlich dokumentiert sind", sagte der Geschäftsführer der Schlichtungsstelle, Johann Neu. Die Dunkelziffer sei vermutlich höher. So sterben dem "Aktionsbündnis Patientensicherheit" zufolge in Deutschland jährlich sogar 17.000 Menschen in Folge vermeidbarer Fehler bei Krankenhaus-Behandlungen. Diese Zahl hält Neu allerdings für nicht belegt.

Die meisten Kunstfehler, die bei der für neun Bundesländer zuständigen Schlichtungsstelle registriert werden, passieren bei Operationen (48 Prozent), bei der Medikamentengabe (19 Prozent) und invasiven Maßnahmen wie zum Beispiel dem Legen von Herzkathetern (14 Prozent). Um die Patientensicherheit zu erhöhen, müsse in jedem Einzelfall genau geprüft werden, ob eine Operation oder ein Medikament wirklich notwendig sei, forderte der Geschäftsführer der Schlichtungsstelle. Auch in der Diagnostik hapert es laut Neu, der gemeinsam mit Klaus Dieter Scheppokat für den "Ärzteblatt"-Bericht eigene Daten und internationale Studien ausgewertet hat. "Besonders bei der Röntgendiagnostik von Frakturen passieren viele Fehler", sagte der Mediziner. Demnach übersehen viele Ärzte Brüche, häufig werde sogar die falsche Körperregion durchleuchtet.

Externe Kontrollen helfen nicht

Weitere externe Qualitätskontrollen bringen nach Einschätzung der Experten wenig, um die Zahl der Kunstfehler zu reduzieren. Dies zeigten Beispiele aus den USA. Die Mediziner der Schlichtungsstelle fordern stattdessen mehr Kommunikation in den Kliniken und eine Entlastung der Ärzte von Bürokratie. Wenn das tägliche Dokumentationspensum von drei auf zwei Stunden reduziert werden könnte, wäre schon viel gewonnen, meinte Neu.

DPA
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
tagora-sagittara (16.11.2007, 14:09 Uhr)
Ärzte und Operateure....
sollten komplett aus dem Bürokratismus herausgenommen werden.
Die OP Berichte können genauso gut von Audiokräften erledigt werden und die Ärzte brauchen dann nur noch Korrektur lesen.
maindelfin (15.11.2007, 16:04 Uhr)
wen wunder es?
Das ist überhaupt nicht verwunderlich!!! Wenn Ärzte, Krankenschwestern und -pleger wegen fehlender Arbeitskräfte massenweise Überstunden machen müssen und übermüdet arbeiten, dann bleiben Fehler nicht aus. Das darf zwar nicht passieren, passiert aber trotzdem. Schließlich sind das keine Roboter. Aufgrund des Sparzwangs werden die Leute auch noch schlecht bezahlt und neue Arbeitskräfte werden nicht eingestellt.
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