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5. September 2008, 10:15 Uhr

"100 Patienten, 100 verschiedene Krankheiten"

US-Forscher haben Genkarten von zwei der tödlichsten Krebsarten erstellt. Bei Tumoren der Bauchspeicheldrüse und bei einem besonders aggressiven Hirntumor spielen Hunderte von Gen-Veränderungen eine Rolle. Die Genkarten könnten in Zukunft bei der Entwicklung individueller Therapien helfen.

In den untersuchten Krebszellen fanden sich Dutzende von Gen-Veränderungen© Picture-Alliance/Okapia

Bösartige Geschwülste der Bauchspeicheldrüse - die Pankreastumoren - kommen zwar eher selten vor, sind aber für viele Krebstodesfälle verantwortlich. Denn nur ein geringer Teil der betroffenen Patienten kann zum Zeitpunkt der Diagnose noch operiert werden, und die wenigsten von ihnen überleben die nächsten fünf Jahre. Rauchen oder übermäßiger Alkoholgenuss können das Erkrankungsrisiko erhöhen. Auch das Glioblastom, das meist im Großhirn entsteht, hat eine sehr schlechte Prognose. Dieser oft vorkommende Tumor wächst extrem schnell und ist schwer zu behandeln. Forscher unter Leitung von Williams Parsons vom Howard Hughes Medical Institute in Baltimore haben nun Genkarten diese Krebsarten erstellt. Ihre Ergebnisse sind im Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht

Sie sequenzierten in zwei Studien mehr als 20.000 Gene in den Zellen von 24 Patienten mit Pankreaskrebs und 22 Menschen, die an einem Glioblastom leiden. Neben Hunderten von Genmutationen, die bei diesen Krebsarten eine Rolle spielen, fanden sie auch Tumorzellen mit zu vielen oder zu wenigen Genkopien. Im Durchschnitt entdeckten die Experten pro Patient 63 genetische Veränderungen bei einem Pankreastumor und 60 bei dem Hirntumor. "Wenn Sie 100 Patienten haben, dann haben Sie auch 100 verschiedene Krankheiten", sagt Mitautor Bert Vogelstein vom Johns Hopkins Kimmel Cancer Center in Baltimore.

Jeder individuelle Tumor hat nach Angaben der Wissenschaftler seine eigene Mixtur von Genveränderungen. Dies spreche für Therapien, die auf den einzelnen Patienten zugeschnitten seien. "Die Landschaft der bösartigen Tumoren ist noch komplexer als angenommen", erläuterte Kenneth Kinzler, der ebenfalls am Johns Hopkins Kimmel Cancer Center arbeitet. Angesichts der Dutzenden von mutierten Erbanlagen in jedem Tumor ähnele der lange Kampf gegen den Krebs mehr einem Guerilla- als einem konventionellen Krieg.

DPA
 
 
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