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Handystrahlung und Hirntumore: Weiter erforscht, wenig geklärt

Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlicht eine große Studie zur Frage, ob Handystrahlen Hirntumore auslösen können. Leider ist die aber zu diesem Zeitpunkt schon hoffnungslos veraltet. Die Industrie freut sich trotzdem.

Erhöht häufiges Telefonieren mit dem Handy das Krebsrisiko? So genau kann das niemand beantworten

Erhöht häufiges Telefonieren mit dem Handy das Krebsrisiko? So genau kann das niemand beantworten

Eine Großstudie der Weltgesundheitsorganisation WHO über die Wirkung von Handystrahlung hat keine Beweise für Gesundheitsgefahren gefunden. Es gebe keine Anzeichen für ein gesteigertes Hirntumor-Risiko, heißt es in der am Montag in Genf veröffentlichten Untersuchung "Interphone". Sie stützt sich weitgehend auf Interviews von 2708 Menschen mit Gliomen sowie 2409 Menschen mit Meningiomen, den häufigsten Gehirntumoren, und 5634 Kontrollpersonen in 13 Ländern. Die bisher größte Studie dieser Art für Zusammenhänge zwischen Handy-Nutzung und Gehirntumoren war im Jahr 2000 von der WHO in Auftrag gegeben worden, wobei auch die Industrie einen Teil der Finanzierung übernommen hat.

Zwei Stunden Handytelefonate - pro Monat

Da die Gespräche mit den Studienteilnehmern zwischen 2000 und 2004 stattfanden und nach dem Verhalten der vergangenen zehn Jahre gefragt wurde, waren die Angaben im Vergleich zur heutigen Handynutzung ausgesprochen gering. Die meisten Befragten nutzten das Handy etwa zwei Stunden im Monat.

In der Studie wird zugegeben, dass sich die Handy-Nutzung inzwischen stark verändert hat. So sei es nicht unüblich, dass junge Leute heute ihr mobiles Telefon mehr als eine Stunde am Tag nutzen. Allerdings stießen heutige Handys weniger starke Strahlen aus. Hinzu käme die verstärkte Nutzung von geschriebenen Nachrichten (SMS) und Headsets. "Von diesen Daten kann man nicht auf ein erhöhtes Risiko für Gehirntumoren schließen", wird der Direktor der Internationalen Agentur für die Krebsforschung (IARC), Christopher Wild, zitiert. Die veränderten Nutzungsgewohnheiten machten aber weitere Untersuchungen notwendig.

Die Forscher ermittelten auch, dass der regelmäßige Gebrauch von Handys sogar die Gefahr von Tumoren etwas verringern kann. Dies hätten auch schon frühere Untersuchungen gezeigt, aber auch hierzu seien weitere Studien nötig, hieß es. Wahrscheinlich handelt es sich hier sogar um einen systematischen Fehler der Studie.

Die Industrie fühlt sich dagegen durch die Studie bestätigt, dass keine gesundheitlichen Gefahren von Handys ausgehen. Michael Milligan, Generalsekretär des Mobile Manufacturers Forums sagte, dies bedeute "eine weitere klare Bestätigung hinsichtlich der Sicherheit von Mobiltelefonen". Die Gesamtanalyse stimme mit Ergebnissen früherer Studien und dem beachtlichen Umfang der Forschung überein, die kein erhöhtes Gesundheitsrisiko aus dem Gebrauch von Mobiltelefonen ableiteten.

DPA / DPA

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