Eckart von Hirschhausen unterhält sich mit dem Hirnforscher Manfred Spitzer über ein delikates Thema: Lust und Frust beim Essen, gute Vorsätze und die Kunst, nicht an grüne Elefanten zu denken.
Den unterschreibe ich und kann ihn noch erweitern: Wer sein Gehirn ein bisschen versteht, der kann die Dinge anders machen, als sein Gehirn unmittelbar vorschlagen würde.
Wenn ich das weiß, kann ich dafür sorgen, dass ich mich auf eine andere Weise belohne. Wenn ich zum Beispiel die gute Figur in drei Monaten aufteile in lauter kleine Gewichtsschrittchen, die ich mir auf einem Zettel im Bad aufhänge, dann kann ich mir regelmäßig, wenn ich mich auf die Waage stelle, auch ein klein wenig auf die Schulter klopfen.
Das ist richtig. Oft selbst dann, wenn wir meinen, wir hätten etwas aus Vorsatz getan. Erst anschließend finden wir einen Grund dafür, warum wir genau so gehandelt haben.
Wenn ich das mache, mit viel Hirnschmalz und gegen meine Gewohnheit, dann tue ich das, was ich Selbstkontrolle nenne: Ich denke nach, entscheide mich für etwas, das meinen -Reaktionstendenzen zuwiderläuft, und mache das, weil ich weiß, langfristig ist's gescheit so. Dabei macht es übrigens für die Motivation einen großen Unterschied, ob ich eine Entscheidung treffen kann. Habe ich im Bahnhof die Möglichkeit, die Treppe statt der Rolltreppe zu wählen, gehe ich freudig hinauf, weil ich weiß, ich habe jetzt gerade ein paar zusätzliche Bewegungen gemacht. Wenn es nur eine Treppe gibt, fluche ich, weil ich sie hinaufsteigen muss.
Ja, wobei: Wenn ich die Wahl habe, dann habe ich natürlich auch die Chance, es falsch zu machen.
Ich glaube, wenn die Annehmlichkeiten erst mal da sind, bleibt uns nur der Weg nach vorn: Wir haben sie, vor allem dann, wenn wir sie brauchen, aber wir können uns auch dafür entscheiden, nicht jeden Tag immer nur den bequemen Weg zu nehmen.
Auf jeden Fall. Was in vergleichbaren Situationen auch hilft, ist folgender Plan: Auf die Uhr gucken und eine halbe Stunde warten. Es besteht nämlich eine gute Chance, dass ich dann wieder weniger Hunger habe, weil sich meine Körperwerte geändert haben oder vielleicht auch weil ich zwischendurch einen Apfel gegessen habe. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, sich zur Gewohnheit zu machen: Ich esse immer erst mal den Teller halb leer, und dann warte ich eine Viertelstunde. Wer das tut, wird merken, dass er weniger isst. Denn das Sättigungsgefühl stellt sich in der Viertelstunde ein, und dann isst man den Teller nicht leer.
Ich habe mit der Minibar auch schon so meine Erfahrungen gemacht. Aber ich habe sehr früh angefangen gegenzusteuern. Weil ich schon vorher von meinem festen Vorsatz weiß, nicht an die Minibar zu gehen, gehe ich vorher einkaufen, vielleicht noch auf dem Bahnhofssupermarkt, und hole mir etwas, das ein bisschen gesünder ist. Mittlerweile habe ich immer Äpfel im Auto. Nehmen Sie doch auch einen Apfel mit ins Hotel, wenn Sie auf Tour sind.
Wunderbar!
Übernommen aus ...
GesundLeben
Ausgabe 02/2010
Gefunden in ... stern Gesund leben 02/2010