. .
Gesundheit - News und Ratgeber
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
11. April 2010, 20:20 Uhr

"Wie kann ich mein gefräßiges Hirn überlisten?"

Eckart von Hirschhausen unterhält sich mit dem Hirnforscher Manfred Spitzer über ein delikates Thema: Lust und Frust beim Essen, gute Vorsätze und die Kunst, nicht an grüne Elefanten zu denken.

 

© Picture-Alliance Manfred Spitzer Der 51-jährige Psychologe, Psychiater und Philosoph ist Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. Dort leitet er auch das von ihm gegründete interdisziplinäre "Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen", das im Grenzbereich der kognitiven Neurowissenschaft und Psychiatrie nicht nur in Fachzeitschriften, sondern auch laienverständlich und originell in Büchern wie "Aufklärung 2.0 - Gehirnforschung als Selbsterkenntnis" oder "Hirnforschung für Neu(ro)gierge".

Herr Spitzer, wer sich selbst kennt, hat bessere Chancen, sich zu verändern. Können Sie als Hirnforscher diesen Satz unterschreiben?

Den unterschreibe ich und kann ihn noch erweitern: Wer sein Gehirn ein bisschen versteht, der kann die Dinge anders machen, als sein Gehirn unmittelbar vorschlagen würde.

Im Frühjahr versuchen wieder viele Menschen abzunehmen. Da ist es für sie gut zu wissen, wie unser Gehirn funktioniert, etwa dass ihm das Vanilleeis direkt vor ihm wichtiger ist als eine gute Figur in drei Monaten.

Wenn ich das weiß, kann ich dafür sorgen, dass ich mich auf eine andere Weise belohne. Wenn ich zum Beispiel die gute Figur in drei Monaten aufteile in lauter kleine Gewichtsschrittchen, die ich mir auf einem Zettel im Bad aufhänge, dann kann ich mir regelmäßig, wenn ich mich auf die Waage stelle, auch ein klein wenig auf die Schulter klopfen.

Im Strafrecht macht es einen großen Unterschied, ob man etwas vorsätzlich tut oder nicht. Tun wir denn nicht die allermeisten Dinge im Affekt und nicht aus Vorsatz?

Das ist richtig. Oft selbst dann, wenn wir meinen, wir hätten etwas aus Vorsatz getan. Erst anschließend finden wir einen Grund dafür, warum wir genau so gehandelt haben.

Wenn ich mir also erst mal angewöhnt habe, statt der Treppe die Rolltreppe zu nehmen, verbrate ich weniger Kalorien und werde dicker. Und dann muss ich mir immer, wenn ich vor einer Rolltreppe stehe, bewusst machen: Du, das ist jetzt die Chance für ein kostenloses Workout, mit dem ich sogar schneller am Ziel bin.

Wenn ich das mache, mit viel Hirnschmalz und gegen meine Gewohnheit, dann tue ich das, was ich Selbstkontrolle nenne: Ich denke nach, entscheide mich für etwas, das meinen -Reaktionstendenzen zuwiderläuft, und mache das, weil ich weiß, langfristig ist's gescheit so. Dabei macht es übrigens für die Motivation einen großen Unterschied, ob ich eine Entscheidung treffen kann. Habe ich im Bahnhof die Möglichkeit, die Treppe statt der Rolltreppe zu wählen, gehe ich freudig hinauf, weil ich weiß, ich habe jetzt gerade ein paar zusätzliche Bewegungen gemacht. Wenn es nur eine Treppe gibt, fluche ich, weil ich sie hinaufsteigen muss.

Also das Wissen, ich habe bewusst eine Wahl getroffen, macht einen großen Unterschied?

Ja, wobei: Wenn ich die Wahl habe, dann habe ich natürlich auch die Chance, es falsch zu machen.

Wäre es nicht intelligenter, die Wahlmöglichkeiten abzuschaffen? Zum Beispiel das Auto zu verkaufen, um nicht jedes Mal auf dem Weg zum Briefkasten vor der Entscheidung zu stehen, ach, es könnte regnen …

Ich glaube, wenn die Annehmlichkeiten erst mal da sind, bleibt uns nur der Weg nach vorn: Wir haben sie, vor allem dann, wenn wir sie brauchen, aber wir können uns auch dafür entscheiden, nicht jeden Tag immer nur den bequemen Weg zu nehmen.

Ich bin davon überzeugt, dass unser Hirn mit abstrakten Vorsätzen wie "Ich möchte weniger essen" nichts anfangen kann, sondern klare Handlungsanweisungen braucht. So etwas wie: "Nächstes Mal, wenn ich vor einer Bäckerei stehe und mich im Schaufenster eine leckere Zuckerschnecke anlacht, lache ich zurück und gehe weiter."

Auf jeden Fall. Was in vergleichbaren Situationen auch hilft, ist folgender Plan: Auf die Uhr gucken und eine halbe Stunde warten. Es besteht nämlich eine gute Chance, dass ich dann wieder weniger Hunger habe, weil sich meine Körperwerte geändert haben oder vielleicht auch weil ich zwischendurch einen Apfel gegessen habe. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, sich zur Gewohnheit zu machen: Ich esse immer erst mal den Teller halb leer, und dann warte ich eine Viertelstunde. Wer das tut, wird merken, dass er weniger isst. Denn das Sättigungsgefühl stellt sich in der Viertelstunde ein, und dann isst man den Teller nicht leer.

Wenn ich auf Tour bin, falle ich regelmäßig auf die Minibar im Hotelzimmer rein. Die ist perfekt abgestimmt auf das Belohnungssystem in unserem Kopf: immer Schokolade, fettige Erdnüsse, Alkohol und süße Getränke, also all das, was ich eigentlich nicht will.

Ich habe mit der Minibar auch schon so meine Erfahrungen gemacht. Aber ich habe sehr früh angefangen gegenzusteuern. Weil ich schon vorher von meinem festen Vorsatz weiß, nicht an die Minibar zu gehen, gehe ich vorher einkaufen, vielleicht noch auf dem Bahnhofssupermarkt, und hole mir etwas, das ein bisschen gesünder ist. Mittlerweile habe ich immer Äpfel im Auto. Nehmen Sie doch auch einen Apfel mit ins Hotel, wenn Sie auf Tour sind.

Um ehrlich zu sein, habe ich im Moment vier Äpfel dabei, die ich alle noch nicht gegessen habe. Aber heute Abend werde ich einen Apfel auf Manfred Spitzer essen.

Wunderbar!

Übernommen aus ... GesundLeben GesundLeben
Ausgabe 02/2010

Gefunden in ...

Gefunden in ... stern Gesund leben 02/2010

 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
f.j.neffe (14.04.2010, 12:59 Uhr)
Ich würde von einem Gehirn, von dem ich was will, nicht so reden
Voriges Jahr fragte ich eine 82jährige Dame mit Stock + 3 cm Beinlämngendifferenz, wann sie ihrem Gehirn zuletzt was Nettes gesagt habe. Sie lachte: "Noch nie!" Darauf ich: "Wenn Sie sich 82 Jahre lang Tag und Nacht für mich abgerackert hätten, und ich hätte nicht 1 Wort für Sie, täten Sie dann überhaupt noch was für mich?" Sie war verblüfft: "So hab ich das noch nicht gesehen."
Da stellt sich doch nicht die Frage, ob wir das Gehirn ÜBERLISTEN, da stellt sich die Frage, ob wir es nicht endlich ANSTÄNDIG BEHANDELN sollten.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer ist es mein erstes Ziel, die Freundschaft der Kräfte im Menschen zu gewinnen, von denen ich was will. Die Dame befreundete sich auch mit ihrem Gehirn; die 3 cm Beinlängendifferenz korrigierte ihr Gehirn für sie und wir gingen ohne Stock ins Cafe am Ortsrand. Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe
Spreephilantrop (13.04.2010, 15:56 Uhr)
Überlisten - aber wie?
Gibt es einen Kurs, der beibiegt, wie man die Teile des Gehirns ausschaltet, die mich spät abends kulinarisch sündigen lassen..? Das wäre zu schön. Wie bekommt man nur diese ständigen Heißhungerattacken in den Griff? Oder ist einfach Disziplin hier oberstes Gebot??
schade77 (12.04.2010, 14:40 Uhr)
@vombromsberg
ach nee, lassen Sie uns doch bitte an ihrem profunden Allwissen teilnehmen.

Der Kollege ist also kein Dr.? Hat er dann sein Medizinstudium und seinen Doktor in Kinderheilkunde erfunden? Kennen Sie seine Geburtsurkunde, dass Sie wissen, er ist kein "von"?

Wow, endlich darf ich auch mal so Leute hier im Forum kennenlernen, die echtes Wissen auch gerne weitergeben...
JanvanHelsing (12.04.2010, 12:07 Uhr)
@vombromsberg
man sollte vorsichtig mit dem sein was man behauptet, auch wenn man sich im www in der Anonymität wähnt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Eckart_von_Hirschhausen
tri.star (12.04.2010, 09:50 Uhr)
500 mg Eis?
Hallo, da hat wohl mal wieder einer die Dimensionen verwechselt. 500 mg sind nicht mehr als ein halbes Gramm, ich glaube kaum das ein halbes Gramm Eis ernsthaft schadet, andersherum wird mich ein halbes Gramm auch nicht glücklich machen.

Vielleicht meinte er ja 500 ml also Milliliter, das wäre dann schon eher eine ordentliche Portion, denn in gängigen großen Eispackungen sind heute 900 ml, früher waren es sogar mal 1000 ml.

Übrigens, wenn man mal den ganzen Schlankheitswahn vergisst und sich überlegt, was schöner ist 80 Jahre auf alles Leckere verzichten oder 10 Jahre kürzer leben und schlemmen - da kann ich nur sagen, meine Entscheidung ist klar. Ich kenne viele Menschen in hohem Alter und ich muß sagen, deren Lebensstil erscheint mir nicht erstrebenswert, schon gar nicht wenn man dann noch demenzkrank wird oder dauerhaft bettlägrig.
crvnshkr (12.04.2010, 09:40 Uhr)
Danke!
Schönes, lesenswertes Interview. Diese Herangehensweise bei der Bekämpfung des inneren Schweinehundes finde ich wirklich mal sinnvoll.
---
Und Dr. von Hirschhausen... Ja, ich mag vielleicht auch nicht jeden Tag von ihm lesen oder hören, aber der Mann hat einfach mal Recht mit dem, was er sagt! Es ist leicht, ihn als "pauschalen Besserwisser" abzutun. Leichter als zuzugeben, dass er Recht hat.
vombromsberg (12.04.2010, 08:47 Uhr)
lassen wir.....
...hirschhausen laufen. der macht zwar mit pauschaler besserwisserei millionen, ist aber dann auch schneller verschwunden. ok, vorher kommt noch rtl und dschungel. der ist weder dr. noch ein von, trotzdem, gute geschäftsidee.
bali (11.04.2010, 22:21 Uhr)
Erbarmen...
...mit den Lesern! Gibt es denn nirgendwo mehr eine Hirschhausen-freie Zone? Der Allgegenwärtige geht mir gewaltig auf die Nerven. Nicht nur, dass jede Buchhandlung von seinen "Werken" überschwemmt ist, im Fernsehen kann man ihm auch nicht mehr entkommen, in jeder Krankenkassenpostille, Apotheken-Umschau und diversen anderen Zeitungen und Zeitschriften hat er seine Kolumne (auch schon in der "Bäckerblume"?) - leider auch immer wieder im stern. Könnte man nicht mal eine Hirschhausen-Diät einführen????
Sprechstunde

Die etwas andere Medizinkolumne: Egal ob Inline-Skaten, Weintrinken oder den inneren Schweinehund überwinden - unser Hausarzt Dr. med. Eckart von Hirschhausen nimmt kein Blatt vor den Mund

WEITERE ARTIKEL DER KOLUMNE
MEHR ZUM ARTIKEL
Hirschhausens Sprechstunde Geheimes Diätgesetz

Immer wieder ärgert sich unser Hausarzt Dr. med. Eckart von Hirschhausen über falsche Abnehm-Versprechen. Nun reicht's ihm: Er löst für uns das Gewichtsrätsel und macht so alle Schaumschläger arbeitslos. mehr...

Eckart von Hirschhausen Der Glücks-Keks

Es gibt kein Entrinnen. Der "Glücks-Doktor" Eckart von Hirschhausen schreibt nicht nur Bestseller, verkauft "Glücks-Boxen", tritt in jeder Fernsehsendung auf und moderiert eine Talk-Sendung im NDR. Wie die ARD jetzt bekannt gab, bekommt er künftig zwei große Fernsehshows. mehr...

Gesunde Ernährung Das Comeback des Fetts

Fettarmes Essen ist gesund, verkündet die Deutsche Gesellschaft für Ernährung - mit wichtigen Konsequenzen für die Verbraucher. Dabei häufen sich Beweise, dass die These nicht stimmt. mehr...

Ernährung und Diät Schlucken Sie nicht alles!

Sich gesund zu ernähren, ist gar nicht so einfach. Sind Kohlenhydrate generell schlecht? Wie gut ist Leinöl? Und helfen Light-Produkte beim Abnehmen? stern.de hat bei Experten nachgefragt. mehr...

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage