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15. Dezember 2009, 12:32 Uhr

Immer mehr Kinder greifen zur Flasche

Alarmierende Zahlen: Immer öfter müssen Kinder und Jugendliche wegen Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus. Besonders drastisch ist die Zunahme bei Mädchen.

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Gegenüber dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der jungen "Komasäufer" verdreifacht© Michael Gottschalk/DDP

Wegen akuter Alkoholvergiftungen müssen immer mehr Kinder und Jugendliche stationär im Krankenhaus behandelt werden. Im vergangenen Jahr waren es 25.700 junge Menschen im Alter zwischen zehn und 20 Jahren und damit elf Prozent mehr als 2007, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Gegenüber dem Jahr 2000, als es noch 9500 gewesen waren, stieg die Zahl der jungen "Komasäufer" sogar um 170 Prozent und verdreifachte sich damit fast.

Der zunehmende Alkoholmissbrauch ist nach den Erhebungen des Bundesamtes aber nicht auf junge Menschen beschränkt, sondern in fast allen Altersgruppen deutlich ausgeprägt. Mit einer Zunahme um 207 Prozent in der Gruppe der 70- bis 75-Jährigen und um 230 Prozent in der Gruppe der 80- bis 85-Jährigen jeweils bezogen auf das Jahr 2000 ist der Anstieg bei den Senioren sogar besonders stark.

Ursachen für die extreme Zunahme konnte das Statistische Bundesamt nicht nennen. "An der Klassifikation hat sich nichts geändert", sagte Statistikerin Sabine Nemitz. Besonders drastisch war der Anstieg der jungen Menschen mit "akuter Alkoholintoxikation" 2008 gegenüber dem Vorjahr bei den Kindern. Die Zahl der zehn- bis 14-Jährigen, die deshalb stationär behandelt werden mussten, nahm im Durchschnitt im Vergleich zu 2007 um 19 Prozent zu, bei den Mädchen um 22 Prozent und bei den Jungen um 16 Prozent. Gegenüber dem Jahr 2000 verdoppelte sich die Gesamtzahl.

Bei den 15- bis 20-Jährigen lag die Zunahme gegenüber 2007 bei zehn Prozent bei den jungen Mädchen und bei neun Prozent bei den Jungen. Bezogen auf das Jahr 2000 verdreifachte sich die Gesamtzahl der Eingelieferten.

Bessere Einbeziehung der Eltern in die Aufklärung

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, forderte entschiedenes Handeln: "Gegen das Rauschtrinken dieser ständig wachsenden Gruppe von Kindern und Jugendlichen muss mehr getan werden." Es würden zwar immer mehr, aber dennoch seien sie nur eine Minderheit. Insgesamt ging laut der FDP-Politikerin der regelmäßige Alkoholkonsum unter Jugendlichen in den vergangenen Jahren zurück. Offenbar reichten die bisherigen Präventionsmaßnahmen aber nicht aus. Notwendig seien Ausweiskontrollen bis zu einem geschätzten Alter von 25 Jahren an allen Alkoholverkaufsstellen. Dies wolle sie in Kürze mit dem Hauptverband des deutschen Einzelhandels diskutieren, betonte Dyckmans. Weiter nötig sind nach ihrer Auffassung eine stärkere Förderung der Alkoholprävention an den Schulen und eine bessere Einbeziehung der Eltern in die Aufklärung.

Allerdings haben immer mehr Erwachsene selbst sogar dauerhafte Alkoholprobleme. Die Zahl der stationären Aufnahmen wegen einer Alkoholvergiftung stieg laut Bundesamt bei den Erwachsenen ab 20 Jahren von 2007 auf 2008 um elf Prozent. Gegenüber 2000 betrug der Anstieg sogar 88 Prozent. Alkoholmissbrauch war mit insgesamt 333.800 stationären Aufnahmen auch der zweithäufigste krankheitsbedingte Grund für einen Krankenhausaufenthalt überhaupt. Der häufigste Krankheitsgrund Herzinsuffizienz lag mit 350.700 Fällen nur knapp darüber. Insgesamt wurden im Jahr 2008 laut Statistischem Bundesamt knapp 18 Millionen Menschen im Krankenhaus vollstationär behandelt.

Angelika Bruder/ADP
 
 
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