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Jahrbuch Sucht: Deutsche rauchen weniger und saufen mehr

Beim Alkoholkonsum liegt Deutschland weltweit in der Spitzengruppe. Vor allem das Komatrinken nimmt neuen Zahlen zufolge drastisch zu. Besorgniserregend ist auch die steigende Abhängigkeit von Medikamenten - besonders bei Senioren.

Beim Alkoholkonsum liegt Deutschland in der Spitzengruppe, geraucht wird weniger

Beim Alkoholkonsum liegt Deutschland in der Spitzengruppe, geraucht wird weniger

Die Deutschen trinken zu viel - immer öfter bis sie ins Koma fallen. Umgerechnet 9,9 Liter reinen Alkohol nahm jeder Bundesbürger im Jahr 2008 durchschnittlich zu sich. Der Alkoholkonsum bleibt auf hohem Niveau, auch wenn es keinen weiteren Anstieg gab. Das geht aus dem Jahrbuch Sucht 2010 hervor, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) am Mittwoch in Berlin vorstellte. Drastisch nimmt das Komatrinken zu: Rund 109.300 Menschen kamen 2008 mit akutem Rausch ins Krankenhaus. Das waren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes doppelt so viele wie im Jahr 2000. Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland gelten als alkoholabhängig.

Deutschland liegt beim Alkoholkonsum weltweit in der Spitzengruppe - nach Luxemburg, Irland, Ungarn und Tschechien auf Platz fünf. Die DHS beruft sich auf einen Vergleich der Weltgesundheitsorganisation WHO unter 34 Ländern von 2003, der im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde.

111 Liter Bier im Jahr pro Nase

Die Vorliebe der Bundesbürger für Bier ging zurück. Jeder Deutsche trank 2008 durchschnittlich rund 111 Liter Bier, 0,6 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Dagegen wurde Sekt beliebter. Der Verbrauch von Schaumweinen stieg um 2,6 Prozent auf 3,9 Liter. Der Weinkonsum nahm um 0,5 Prozent auf 20,7 Liter zu. Von riskantem Trinken sprechen die Experten, wenn Frauen umgerechnet mehr als 12 Gramm reinen Alkohol pro Tag trinken, also etwa einen Viertelliter Bier. Bei Männern ist diese Grenze bei der doppelten Menge, 24 Gramm pro Tag, erreicht.

Von Komatrinken sind vor allem Jugendliche bedroht. Im Jahr 2008 mussten rund 25.700 Kinder und Jugendliche ins Krankenhaus gebracht werden, eine Steigerung um fast das Dreifache im Vergleich zu 2000. Prozentual ist der Anstieg bei Senioren noch deutlicher. Rund 430 Menschen zwischen 80 und 85 Jahren wurden eingeliefert, mehr als dreimal so viele wie im Jahr 2000. Von der Bundesregierung fordert die DHS daher eine großangelegte Kampagne gegen Alkohol.

Insgesamt wird weniger geraucht

Der Pro-Kopf-Verbrauch an Zigaretten ging 2008 von 1112 auf 1068 Stück zurück - also von 3 auf 2,9 Zigaretten pro Tag. "Wir haben eine veränderte gesellschaftliche Einschätzung zum Rauchen", sagte DHS-Geschäftsführer Raphael Gaßmann. Das Rauchverbot in Gaststätten und der Bahn, die höhere Tabaksteuer und das Werbeverbot in Zeitungen, Zeitschriften und im Internet hätten dazu beigetragen. Bis zu 140.000 Todesfälle gebe es jedoch noch immer durch Rauchen.

Die Suchtexperten zeigten sich besorgt über etwa zwei Millionen Menschen, die von Medikamenten abhängig seien - darunter häufig Senioren. Insgesamt etwa 1,9 Millionen ältere Menschen "haben ein Problem mit ihrem Medikamentenkonsum", sagte Armin Koeppe von der DHS. Medikamentenabhängigkeit sei in Deutschland genauso verbreitet wie die Abhängigkeit von Alkohol: "Es gibt zwischen 1,7 und 2,8 Millionen Medikamentenabhängige oder Menschen mit problematischem Komsumverhalten bei Medikamenten", sagte er. Die Hauptbetroffenen seien Rentner, vor allem Frauen. Sie ließen sich von Ärzten Schlafmittel verschreiben, obwohl es im Alter natürlich sei, weniger zu schlafen. "Was die älteren Menschen nicht wissen, ist, dass diese Medikamente sehr schnell zu Abhängigkeit führen", sagte er.

Generell sei der Medikamentenkonsum älterer Menschen sehr hoch. "70 Prozent aller Medikamente werden von Menschen über 65 Jahren eingenommen", sagte er. Nach Erkenntnissen der Hauptstelle für Suchtfragen nehmen die Hälfte aller Senioren täglich Medikamente mit acht verschiedenen Substanzen ein, etwa 20 Prozent sogar Medikamente mit 13 verschiedenen Substanzen. Koeppe berichtete, dass für Senioren gefährliche Stürze mit Verletzungen wie Oberschenkelhalsbruch häufig durch Medikamente ausgelöst würden.

DPA/AFP/DPA

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