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Embryo zur Adoption abzugeben

Bei Kinderwunschbehandlungen können Embryonen "übrig" bleiben. Seit 2013 ist es Paaren in Deutschland möglich,  ihre befruchteten Eizellen anderen Wunscheltern zu spenden. Doch ist das legal? Wie die Adoption im Frühst-Stadium abläuft - und warum sie umstritten ist.

Von Lea Wolz

Eine schwangere Frau zeigt die Ultraschallaufnahme ihres Kindes

Schwanger mit dem Embryo eines anderen Paares - durch eine Embryonenspende ist das möglich

„Ich fände  es toll, wenn die Embryos gespendet werden würden, für die Paare, die es nicht soweit schaffen…andererseits…weiß ich nicht, ob ich mit dem Gedanken an ‚unser‘ Kind in einem anderen Bauch und einer anderen Familie leben könnte.“ Leya auf wunschkinder.net


Paradox ist es schon: In Deutschland ist Samenspende erlaubt, die Eizellspende hingegen verboten, so steht es im Embryonenschutzgesetz aus dem Jahr 1990. Denn Kinder in Deutschland sollen nicht zwei Mütter haben - die eine, von der die Eizelle stammt und die andere, die das Kind zur Welt bringt.

Das Verbot mag begründet sein, für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch bedeutet es jedoch: Liegt es am Mann, dass es mit dem Baby nicht klappen will, können Reproduktionsmediziner hierzulande zumindest versuchen zu helfen. Liegt es daran, dass die Frau keine gesunden Eizellen hat, kommen Paare in Deutschland nicht weiter. Für eine Eizellspende müssen sie deutsche Grenzen überwinden - und etwa nach Spanien oder Tschechien fahren.

"Diese Paare leiden enorm", sagt Hans-Peter Eiden, Geschäftsführer des Berufsverbandes der Reproduktionsmediziner in Bayern. "Sie werden förmlich ins Ausland getrieben." Genaue Zahlen, wie viele unfruchtbare Paare den Weg ins Ausland wählen, gibt es zwar nicht: Mehrere Tausend dürften es Experten zufolge jedoch jährlich sein.

Für zumindest einen kleinen Teil von ihnen gibt es in Deutschland seit gut anderthalb Jahren eine Alternative -  wenn sie damit leben können, dass ihr Kind nicht ihre Gene hat.  Im August 2013 haben bayerische Fortpflanzungsmediziner das "Netzwerk Embryonenspende" gegründet, zu dessen Vorstand Eiden zählt. Das Ziel des Verbundes: Überzählige Embryonen und befruchtete Eizellen, die von abgeschlossenen Kinderwunschbehandlungen stammen und in deutschen Reproduktionszentren auf Eis lagern, sollen an andere Kinderwunschpaare vermittelt werden. Statt einer Eizelle wird gleich der Embryo gespendet und einer anderen Frau eingepflanzt: Adoption im Frühststadium.

"Wir bieten Paaren, die sich nach einer erfolgreichen Behandlung keine weiteren Kinder mehr wünschen, eine Option an", sagt Eiden. Eine weitere Option neben dem Vernichten oder dem Weiterlagern der befruchteten Eizellen, wobei Letzteres auch ein Kostenpunkt ist. Immerhin einige hundert Euro pro Jahr fallen für das Aufbewahren in Kältetanks an. Ist das für die eigene Behandlung nicht mehr nötig, weil das Wunschkind da ist, stellt sich die Frage: Was tun mit den übrigen befruchteten Eizellen? "Viele Paare bringen es nicht übers Herz, diese zu vernichten", sagt Eiden. "Sie fühlen sich moralisch verpflichtet.“

Mit diesen befruchteten Eizellen, so die Idee des Netzwerks, kann wiederum anderen Paaren geholfen werden. Kritiker betrachten den Vorstoß der bayerischen Mediziner allerdings skeptisch - und fordern erst klare gesetzliche Regelungen. Denn explizit verboten ist die Embryonenspende zwar nicht, doch es ist ein juristischer Graubereich, in den sich die bayerischen Mediziner mit dem Netzwerk begeben.

Sieben Kinder wurden so geboren

Für das Netzwerk haben sich rund 20 bayerische Kinderwunschzentren und zwei aus Baden-Württemberg zusammengeschlossen. "Die Wunschelternpaare kommen aus ganz Deutschland, die Spender stammen nur aus dem süddeutschen Raum", sagt Eiden. Insgesamt sei die Nachfrage deutlich größer als das Angebot. Was fehlt, sagt Eiden, sind Spender. "Wir haben bis jetzt 203 Anfragen, 45 Vermittlungen gab es seit Beginn. Sieben Kinder wurden durch eine Embryonenspende geboren, elf sind noch unterwegs."

Dass die Spender noch zurückhaltend sind, kann viele Gründe haben: die rechtlichen Unsicherheiten oder mangelndes Wissen um die Möglichkeit der Embryonenspende. Nicht zuletzt sind es schwierige Fragen, über die sich ein Paar im Klaren sein sollte, bevor es seine befruchteten Eizellen spendet: Wie gehe ich damit um, dass eventuell Kinder irgendwo leben, die genetisch von mir stammen? Komme ich damit klar, dass ich kein Kontaktrecht habe, es sei denn, das Kind wünscht dies? 

Bevor die Empfänger ins Netzwerk aufgenommen werden können, muss ein Mediziner zuerst bestätigen, dass eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg oder mit anderen in Deutschland erlaubten Methoden der Reproduktionsmedizin nicht möglich ist. Auch ein Höchstalter gibt es: 44 Jahre bei der Frau, 54 Jahre beim Mann. Bei der Vermittlung werden Hauttyp, Haarfarbe, Augenfarbe, Größe und Blutgruppe des Spender- und Empfängerpaares abgeglichen. "Wir schauen, dass die äußeren Merkmale so ähnlich wie möglich sind", sagt Eiden. "Nicht, um etwas zu verheimlichen, sondern zum Wohle der  Eltern und des Kindes." Immerhin sei die Frau neun Monate für das Umfeld gut sichtbar schwanger.  Entbinde sie dann ein Kind, das seinen Eltern womöglich gar nicht ähnlich sehe, ist das Getuschel über einen Seitensprung schnell da.

Die Spende verläuft zunächst anonym - anders als etwa in Amerika, wo es die Embryonenspende schon seit knapp 20 Jahren gibt und sich Spender und Empfänger kennen. In Deutschland ist das nicht der Fall, um einen "möglichen Geldfluss von Anfang an zu unterbinden", sagt Eiden. Eine Garantie auf ein gesundes Kind gibt es nicht, das Risiko trägt das Empfängerpaar. Es erhält im Vorfeld allerdings eine Dokumentation über in der Spenderfamilie aufgetretene Behinderungen - "und das über drei Generationen hinweg", so Eiden. Danach kann es sich entscheiden, ob es den Embryo adoptieren will.

Die Daten der Spender werden zentral in einem Notariat hinterlegt. "Juristisch verpflichtend ist das momentan nur für den Vater", sagt Eiden. Denn nach deutschem Recht gilt: Die Frau, die das Kind zur Welt bringt, ist die Mutter. Sicherheitshalber seien aber auch die Daten der leiblichen Mutter für alle im Netzwerk geborenen Kinder hinterlegt. Auf die Daten des Spenderpaares kann das Kind zugreifen, sobald es volljährig ist - vorausgesetzt, die Eltern haben es aufgeklärt.

 Das Netzwerk versichert, dass es keinen Gewinn mit der Vermittlung machen will. Den Spendern entstünden keine Kosten, sagt Eiden. Die Empfänger zahlen für Vermittlung,  Laboruntersuchungen und den Transfer des Embryos - alles in allem belaufe sich das auf etwa 1000 Euro, so Eiden. Kein Betrag, um riesigen Gewinn damit zu machen, aber auch nicht ganz gering.


 "Auf den ersten Blick mag das alles sehr altruistisch und gut klingen", sagt Ulrich Hilland, Fortpflanzungsmediziner in Bocholt und Vorsitzender des Bundesverbandes Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands. "Doch es gibt noch etliche Unklarheiten, rechtliche und ethische."  Zum einen beziehe sich das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner genetischen Abstammung nicht nur auf den Vater, sondern  auch auf die Mutter, betont Hilland. Auch hier müsse eine langfristig gesicherte Dokumentation in Form eines öffentlich-rechtlichen Spenderegisters gewährleistet sein. Zudem gebe es bei der Embryonenspende dasselbe Problem wie bei der Samenspende, sagt Hilland: "Der biologische Vater des Kindes läuft Gefahr, dass er zum rechtlichen bestimmt und damit unterhaltspflichtig wird." Auch das sollte Spenderpaaren bewusst sein.

Ein weiteres Problem: die Herkunft der Embryonen. Streng genommen dürfte es gar keine überzähligen geben.

 "Verwaiste" Embryonen


Denn bei einer In-vitro-Befruchtung (IVF) sollen eigentlich nur so viele Embryonen innerhalb eines Zyklus im Labor kultiviert werden, wie der Frau, von der die Eizellen stammen, auch eingesetzt werden dürfen - also maximal drei. Diese Zahl gibt das Embryonenschutzgesetz vor. Mit dieser "Dreierregel" soll das Risiko für riskante Mehrlingsschwangerschaften gesenkt werden. Eine absichtliche Vorratshaltung ist verboten. Streng genommen dürften daher nur drei Eizellen befruchtet werden.

Doch nicht jede befruchtete Eizelle teilt sich wie gewünscht und entwickelt sich im Labor zu einem Embryo. In den meisten reproduktionsmedizinischen Praxen - vor allem im süddeutschen Raum -  ist daher der sogenannte deutsche Mittelweg mittlerweile gängige Praxis: Dabei befruchten Fortpflanzungsmediziner mehr als drei der entnommenen Eizellen - das erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit der Behandlung und erspart der Frau bestenfalls eine erneute, belastende Hormonbehandlung und Eizellentnahme. Die Mediziner berufen sich dabei auf eine liberale Auslegung des Embryonenschutzgesetzes.


"Im Vorfeld einer Behandlung muss der Arzt dabei überlegen, wie viele Eizellen er befruchten will, damit am Ende keine überzähligen Embryonen entstehen", sagt Eiden. Es ist also Aufgabe des Mediziners, eine nachvollziehbare Prognose zu erstellen, wie viele befruchtete  Eizellen es bei dem jeweiligen Paar braucht, um am Ende drei entwicklungsfähige Embryonen zu erhalten. In diese Prognose fließt unter anderem das Alter der Frau ein. 

Ganz genau lasse sich das aber nicht vorhersagen - wider Erwarten könnten in seltenen Fällen Embryonen übrig bleiben, sagt Eiden. Sie würden dann in der Regel mit Zustimmung des Paares in flüssigem Stickstoff gelagert und etwa wieder aufgetaut, wenn es beim ersten Versuch nicht geklappt hat oder später noch ein Kinderwunsch besteht. Ist die Familienplanung des Paares abgeschlossen, sind diese eingefrorenen Embryonen verwaist.

Übrig bleiben könnten Embryonen aber auch in anderen - seltenen - Fällen: etwa wenn das Paar sich kurz vor dem Embryonentransfer trennt, die Frau sich plötzlich doch gegen eine künstliche Befruchtung entscheidet oder verunglückt. Die Frau kann zudem entscheiden, wie viele der maximal drei Embryonen sie tatsächlich übertragen haben will.

Ist das Auftauen erlaubt?

Die liberale Auslegung des Embryonenschutzgesetzes ist allerdings umstritten. Zwar hat etwa die Staatsanwaltschaft München erst kürzlich ein Verfahren gegen mehrere Reproduktionsmediziner eingestellt. Gegen sie wurde ermittelt - wegen einer angeblich nicht erlaubten Befruchtung von mehr als drei Eizellen. Der deutsche Mittelweg bleibt aber Auslegungssache, rechtlich sicher verankert ist er nicht.

Kniffelig ist auch ein anderer Aspekt: In den Kinderwunschzentren lagern nicht nur Embryonen auf Eis. Viel häufiger sind dort sogenannte Eizellen im Vorkernstadium in den Kältetanks für spätere Kinderwunschbehandlungen des Paares konserviert. Vorkerne sind gleichsam ein Trick der Mediziner, um viele Eizellen in einem Zyklus befruchten zu können - ohne gegen die im Embryonenschutzgesetz verbotene Vorratshaltung von Embryonen zu verstoßen. 

Denn ein Vorkern ist per Definition noch kein Embryo: Das Spermium ist zwar bereits in die Eizelle gelangt, doch die Kerne von beiden sind noch nicht miteinander verschmolzen. Das genetische Material der Eltern ist noch getrennt, die Befruchtung wird durch das Einfrieren gestoppt. 

Dieses Detail könnte bei der Embryonenspende allerdings juristisch zum Problem werden. Denn: "Eine Embryonenspende als solche ist nicht verboten, wenn der Embryo nicht in der Absicht entstanden ist, ihn zu spenden", sagt Hilland. Heißt: Die verwaisten Embryonen in den Kühltanks sind eher nicht das Problem, ihr Transfer, da sind sich Experten überwiegend einig, ist nach deutschem Recht wohl als straffrei zu betrachten. Die Lebensrettung des Embryos steht hier an erster Stelle.

Bei den Vorkernzellen sei das anders, so Hilland: Die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, mit der ein Embryo entsteht, passiere erst nach dem Auftauen. "Die Embryonalentwicklung ablaufen zu lassen, um  diesen Embryo dann einer anderen Frau einzupflanzen, von der er nicht stammt, steht nicht im Einklang mit dem Embryonenschutzgesetz", ist Hilland überzeugt.


Das Netzwerk beruft sich dagegen auf ein juristisches Gutachten der Strafrechtlerin Monika Frommel, selbst eine Vorsitzende des Netzwerks. Sie sieht - gestützt auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Rostock - keine rechtlichen Probleme, da es sich bei Zellen im Vorkernstadium nicht mehr um unbefruchtete Eizellen handele und sie ihre Entstehung nicht der Absicht verdanken, auf eine andere Frau übertragen zu werden. Ein Auftauen und Weiterkultivieren zum Zweck der Spende sei daher zulässig. Doch längst nicht alle Juristen folgen ihr in dieser liberalen Auslegung. Auch Fortpflanzungsmediziner Hilland kritisiert: "Die Kollegen begeben sich auf dünnes Eis. Wer so vorgeht, handelt hochriskant und setzt sich einem großen juristischen Risiko aus."

"Das Netzwerk arbeitet seit 2013 offen und transparent", hält Eiden dagegen. Für ihn sind das akademische Diskussionen, das Vorkernstadium in seinen Augen ein absurdes theoretisches Konstrukt: "Die Zeit zwischen einer Zelle im Vorkernstadium und dem Zeitpunkt, wo man von einem Embryo spricht, beträgt nur etwa vier Stunden", betont er. Der Weg der Zellen sei bereits unumkehrbar angelegt. "Da geht es doch letztlich um die Frage: Werfe ich sie weg - oder lasse ich sie mit dem Einverständnis des Paares zu einem Embryo entwickeln und helfe damit anderen Paaren?“ 

Sind also die Embryonenspende und das Spenden von Eizellen im Vorkernstadium in Deutschland erlaubt? Das Bundesgesundheitsministerium gibt sich bei diesem Thema zurückhaltend. Eine Sprecherin verweist auf das Embryonenschutzgesetz, das eine Vorratshaltung von Embryonen verbietet. Auch das Einfrieren von Embryonen sei nur in Ausnahmefällen zulässig, wenn eine "im Behandlungszyklus vorgesehene Übertragung nicht möglich ist". Ob die Spende von Embryonen oder Vorkernzellen und das beabsichtigte Übertragen auf eine andere Frau strafbar seien, sei im Einzelfall zu bewerten - und zwar "durch die zuständigen Ermittlungsbehörden und Gerichte".


Wie viele Embryonen und Eizellen im Vorkernstadium in deutschen Reproduktionszentren lagern, ist nicht bekannt, ein Register gibt es nicht. Wobei das meiste Vorkerne sind, Embryonen dürften den geringeren Teil davon ausmachen. Ein unbedeutendes Problem ist es allerdings nicht: In einem aktuellen Fachartikel zum Thema wird alleine die Zahl der krykonservierten Vorkerne schon auf Hunderttausende geschätzt. Einen Teil davon bewahren Paare für spätere Behandlungen auf, der Rest ist verwaist.

Hilland vermutet, dass es auch "mehr als nur gewisse überzählige Embryonen" gibt. "Mir stellt sich schon die Frage, warum in Bayern ein Netzwerk entstanden ist", sagt er. "Und ob es gewisse Probleme im deutschen Mittelweg gibt, was die Vorratshaltung angeht?" Er wünscht sich in diesem Punkt endlich Klarheit vom Gesetzgeber.

"Nicht einfach vorpreschen"

Wird mit dem "Netzwerk Embryonenspende" somit nur eine weitere Möglichkeit geschaffen, Geld zu verdienen auf dem Markt der Reproduktionsmedizin? Und bietet das Netzwerk letztlich eine Lösung für ein Problem an, das die Fortpflanzungsmediziner mit der liberalen Auslegung des Embryonenschutzgesetzes selbst geschaffen haben? Eiden sagt: "Die Zahlen sind fair und transparent, bei diesen Summen ist nicht von einer Kommerzialisierung zu sprechen." Und er ergänzt: "Natürlich könnte das jedes Zentrum für sich machen - aber bei einem Netzwerk sind die Chancen geringer, dass sich Empfänger und Spender kennen, oder dass etwa die Geschwisterkinder in dieselbe Klasse gehen." 

Für Hilland stellen sich neben den juristischen Problemen auch ethische: "Was tue ich dem Kind, den biologischen Eltern und den Wunscheltern an? Das sollten wir erst mit Sorgfalt bedenken und nicht einfach vorpreschen.“ Wie werden die Kinder damit zurechtkommen, wenn sie davon erfahren, dass sie bei einer künstlichen Befruchtung "übrig" waren? Dass sie abgegeben wurden? Und dass ihre genetischen Eltern und Geschwister woanders leben? Wie werden die genetischen Eltern reagieren, wenn eines Tages ein Kind vor ihrer Tür steht - eines, das sagt, dass es ihres ist? Auf solche Fragen gibt es hierzulande noch keine Antwort, denn die "Schneeflöckchen-Kinder", wie sie liebevoll auch genannt werden, sind noch zu klein.


Samenspenderkinder hingegen können bereits über die Herausforderungen berichten, die eine besondere Familienkonstellation mit sich bringt. Vereine wie "Spenderkinder", in dem sich durch Samenspende gezeugte Kinder organisiert haben, sorgen sich bei der Embryonenspende um das Kindeswohl. "Es ist viel zu einfach, das als Win-Win-Situation darzustellen - bei der es auf der einen Seite ein Paar gibt, das einen Embryo übrig hat und auf der anderen eines, das sich ein Kind wünscht", sagt Anne, selbst Spenderkind und Sprecherin für den Verein. "Dafür ist eine Adoption - und das ist die Embryonenspende letztlich - viel zu komplex."

Kritik übt der Verein daher daran, dass sich das "Netzwerk Embryonenspende" auf seiner Internetseite momentan auf diesen Vermittlungsprozess beschränke. "Dies erweckt den Eindruck, dass lediglich der Wunsch kinderloser Erwachsener nach einem Kind bedient werden soll - ungeachtet der Bedürfnisse und Anforderungen einer Adoption und insbesondere der Rechte der Kinder", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme. Der Verein "Spenderkinder" spricht sich zwar nicht gegen eine Embryonenspende an sich aus, will diese aber in jedem Fall gesetzlich geregelt sehen. "Wenn man nicht aufpasst, werden bei der Embryonenspende alle Fehler der Samenspende noch einmal wiederholt“, sagt Anne. 

So sei es etwa besonders wichtig, dass die Kinder früh über ihre Herkunft aufgeklärt werden. "Wenn Eltern dies verschweigen und Kinder irgendwann davon erfahren, ist der Vertrauensbruch groß." Je später die Wahrheit auf den Tisch komme, desto schwieriger sei es auch für die Kinder, damit umzugehen. Kritik übt der Verein auch daran, dass das Netzwerk eine psychosoziale Beratung nur empfiehlt - und das auch nur den Empfängern. Diese sei vielmehr zwingend notwendig und zwar für beide Paare. Eine offene Spende sei zudem besser als eine anonyme: "Wir wissen, dass es für die Spender wichtig ist, mehr über die Paare zu erfahren, in deren Hände sie ihre Embryonen geben", sagt Anne. "Und für das Kind kann es tröstlich sein zu wissen, dass es seinen genetischen Eltern zumindest nicht völlig egal war, wo es landet."

"Ich sehe das Kindeswohl in sehr hohem Maße gewährleistet", sagt hingegen Eiden vom "Netzwerk Embryonenspende". Die Kinder seien absolute Wunschkinder, sie würden eher zu sehr verwöhnt. Zudem betont er: Ein Verbot liege bis jetzt nicht vor. "Wir eröffnen Paaren Chancen, die sie zuvor nicht hatten. Und wir setzen uns für Leben ein, das es sonst nicht geben würde", sagt er. "Wenn ich die Bilder der auf diesem Weg entstandenen Neugeborenen sehe, dann bin ich überzeugt: Schon ein einziges dieser Kinder rechtfertigt den Einsatz.“ 

Für Anne macht es sich das Netzwerk damit zu einfach. "Nur weil ein Kind viel Spielzeug hat und gut behütet aufwächst, heißt es nicht, dass seine Bedürfnisse und Rechte tatsächlich ernst genommen werden", sagt sie. Und ergänzt: "Dass sich das Netzwerk als Lebensretter ausgibt, ist pervers. Die überzähligen befruchteten Eizellen entstehen nicht einfach so - die Ärzte haben das ethische Dilemma selbst geschaffen." 

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