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Umstrittene Diagnostik: BGH erlaubt Gentests an Embryonen

Zustimmung zur umstrittenen Präimplantationsdiagnostik: Der Bundesgerichtshof hat in einem Urteil Gentests an künstlich befruchteten Embryonen erlaubt. Der Richterspruch bedeutet Rechtssicherheit für Mediziner und betroffene Paare.

Gentests an künstlich befruchteten Embryonen sind nicht strafbar. Die Untersuchung von Embryonen auf Erbkrankheiten außerhalb des Mutterleibs, die sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID), verstößt nicht gegen das Embryonenschutzgesetz, entschied der Bundesgerichtshof am Dienstag in Leipzig. Bei Paaren mit einer Veranlagung zu schweren Erbschäden dürfen Ärzte künftig im Reagenzglas befruchtete Eizellen auf Genschäden untersuchen und nur die gesunden Zellen für eine künstliche Befruchtung auswählen.

Der 5. Strafsenat stellte damit Rechtssicherheit für Fortpflanzungsmediziner und betroffene Paare her. Die Bundesrichter bestätigten mit dieser Entscheidung den Freispruch des Berliner Landgerichts für einen 47-jährigen Gynäkologen und verwarfen die Revision der Staatsanwaltschaft.

Der Berliner Arzt hatte sich selbst angezeigt, nachdem er die umstrittene PID bei drei Risikopaaren mit Kinderwunsch angewandt hatte. Ein Paar hatte bereits eine schwerbehinderte Tochter, beim zweiten hatte ein Mann einen Gendefekt, der bei einem Kind zum Down-Syndrom hätte führen können und im dritten Fall hatte eine Frau wegen Erbgutveränderungen bereits Fehlgeburten erlitten. Der Arzt fand dann unter acht künstlich befruchteten Eizellen vier defekte, die er aussonderte. Die anderen pflanzte er den Frauen jeweils ein. Eine von ihnen wurde schwanger und brachte später ein gesundes Kind zur Welt.

Katholische Kirche kritisiert das Urteil

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, hat das Urteil scharf kritisiert. "Das Urteil (...) ist ein schwerer Schlag gegen den Schutz und die Würde menschlichen Lebens", sagte Glück laut einer in Bonn veröffentlichten Mitteilung. Es sei zwar selbstverständlich, dass Eltern sich ein gesundes Kind wünschten, so Glück. Die Unverfügbarkeit menschlichen Lebens verbiete aber jede Selektion von Embryonen. Auch ein genetischer Defekt sei hierzu keine Rechtfertigung.

Die PID sei keine Methode zur Feststellung oder Behandlung von Krankheiten, sondern ausschließlich zur Selektion. "Wenn von einer schweren Schädigung des Embryos die Rede ist, handelt es sich um eine zu hinterfragende, gesellschaftliche Zuschreibung, die jedoch keinesfalls das Lebensrecht und die Menschenwürde eines kranken oder behinderten Menschen beeinträchtigt", heißt es in der Stellungnahme.

DPA/AFP/be / DPA

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