Was Luteinpräparate wirklich bringen

29. Januar 2013, 22:18 Uhr

Der Genuss von Spinat, Grünkohl und Karotten erhält die Sehkraft. Ist aber auch die Einnahme der Wirkstoffe in Pillenform sinnvoll? Von Nicole Heißmann

Augen, Augenschäden, Lutein, Luteinpräparate, Makula-Erkrankung, AMD, altersabhängige Makuladegeneration, Carotin, Sehvermögen

Grünkohl und Spinat sind ein wahrer Augenschmaus. Was Präparate mit dem Farbstoff Lutein für die Augengesundheit bringen, ist umstritten©

Kennen Sie das? Es fällt Ihnen immer schwerer, die Zeitung zu lesen oder am Bildschirm zu arbeiten. Die Gesichter Ihrer Lieben erkennen Sie ohne Brille nur schemenhaft. Dieser Zustand ist für viele Menschen in der zweiten Lebenshälfte die Regel, denn ab 45 lässt das Sehvermögen unaufhaltsam nach. Oft ist eine altersabhängige Makuladegeneration (AMD) der Grund dafür. Die Krankheit zerstört die Makula, den "Gelben Fleck" hinten im Augapfel. Das ist die Stelle der Netzhaut, auf der wir am schärfsten sehen können.

Ihre Farbe erhält die Makula durch die gelben Pigmente Lutein und Zeaxanthin. Sie gehören wie das Beta-Carotin aus der Möhre zur Familie der Carotinoide. Grünkohl und Spinat enthalten besonders viel Lutein, Mais und grüne Bohnen sind reich an Zeaxanthin. Die Farbstoffe wirken im Auge wie eine Schutzbrille: Sie filtern schädliche UV-Strahlung und puffern die Sehzellen gegen chemischen Stress, zum Beispiel gegen die aggressiven Spielarten des Sauerstoffs, die sogenannten freien Radikale. Kein Wunder also, dass "Augenkapseln" mit Lutein und Vitaminen auch zur Vorbeugung einer Makuladegeneration vermarktet werden.

Warten auf Studienergebnisse

Sicher spielt Lutein beim Schutz der Augen eine Rolle, denn gerade bei AMD-Patienten findet sich auffallend wenig davon in der Netzhaut. Auch Beobachtungsstudien deuten an, dass luteinreiche Kost mit viel Obst und Gemüse das Risiko für eine Makuladegeneration senken kann. Luteinpräparate wiederum erhöhen den Pigmentspiegel im Auge und scheinen die Verschlimmerung einer bereits begonnenen Makula-Erkrankung zu bremsen.

Gewissheit gibt möglicherweise eine amerikanische Studie, auf deren Ergebnisse Patienten wie Augenärzte sehnsüchtig warten. Sie soll im Laufe des Jahres 2013 beantworten, ob hoch dosiertes Lutein die Verschlimmerung einer AMD aufhalten kann. Unbeantwortet bleibt aber die wichtige Frage, ob sich Gesunde durch eine Extradosis Lutein in Pillenform vor zukünftigen Augenschäden schützen können.

Hoch dosiert sogar schädlich

Bisher empfehlen Experten keine Pillen mit Carotinoiden zur Vorbeugung einer AMD. Es gibt Hinweise, dass hoch dosiertes Beta-Carotin bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko erhöhen kann. Auch zwischen hohen Gaben Lutein und Lungenkrebs bei Frauen scheint ein Zusammenhang zu bestehen.

Wer seinen Augen etwas Gutes tun will, sollte eher auf Gemüse und Obst setzen - und zwei Regeln beherzigen: Gegen UV-Licht konsequent eine Sonnenbrille tragen schützt nicht nur die Netzhaut vor AMD, sondern auch die Augenlinse vor Grauem Star. Und wer auf Zigaretten verzichtet, hat für sein Augenlicht wohl am meisten gewonnen: Rauchen verstopft und verengt nämlich die winzigen Blutgefäße im Auge und trägt so erheblich dazu bei, den Blick zu vernebeln.

Übernommen aus ... stern Gesund leben Ausgabe 01/2013
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