Schläft Ihr Kind erst nach 30 Minuten ein oder kann es nur mit Ihrer Hilfe wegschlummern, sprechen Fachleute von einer Einschlafstörung. Bedenken Sie aber: Vielleicht ist Ihr Kind noch nicht müde oder es braucht weniger Schlaf, als Sie denken.
Weigert sich Ihre Tochter oder Ihr Sohn, alleine ins Bett zu gehen, könnten Trennungsängste die Ursache sein. Machen Sie sich keine Sorgen: Bei Kleinkindern kommt das oft vor, das gehört zur normalen Entwicklung. Möglicherweise hat Ihr Kind gar keine Angst, alleine zu sein, sondern fürchtet sich vor etwas im Zimmer. Das kann der dunkle Vorhang sein, der wie ein Gespenst in der Ecke des Zimmers lauert, oder das unheimliche Schattenspiel des Baumes an der Tapete.
Wenn Jungen und Mädchen zwischen sieben und zwölf Jahren nicht einschlafen können, kann die Schule der Grund sein. Vielleicht hat Ihr Nachwuchs Stress wegen der Schulnoten, Streit mit einem Klassenkameraden oder Angst vor der nächsten Mathematik-Arbeit. Auch andere Sorgen lassen Kindern nicht schlafen. Dazu gehören: Ärger mit den Eltern oder Streit mit der besten Freundin. Sogar Vorfreude auf den Urlaub kann schlaflos machen. Filme oder Videospiele, für die das Kind noch zu jung ist, können ebenfalls schuld daran sein, dass es nicht zur Ruhe kommt.
Das Kind wimmert, schreit vielleicht sogar im Traum oder wacht von dem Schrecken auf: Kinder im Alter zwischen drei und zehn haben häufig Alpträume. So verarbeiten sie belastende Ereignisse, denen sie noch nicht gewachsen sind: Vielleicht war ein spannender Film für das Kind zu ängstigend, möglicherweise fürchtet es sich vor einem Nachbarn oder einem Tier.
Vor allem kleinere Kinder erleben nächtliche Träume so wirklichkeitsgetreu wie Ereignisse am Tag. Ihre Ängste sollten Sie deswegen ernst nehmen. Trösten Sie Ihr Kind, umarmen Sie es, geben Sie ihm Geborgenheit. Und sprechen Sie mit ihm über den Traum. Mit dem Kinderarzt oder der Kinderpsychologin sollten Sie erst sprechen, wenn Ihr Kind oft vom Nachtmahr heimgesucht wird, etwa mehrmals in der Woche. Und wenn es sich sehr fürchtet und der Alptraum Ihr Kind auch noch am Tag belastet.
Ihr Kind starrt sie nachts mit offenen Augen an, schreit, lässt sich nicht beruhigen und stößt Sie womöglich weg? Dann schläft es wahrscheinlich noch und erlebt gerade einen so genannten Pavor nocturnus, einen nächtlichen Schrecken. Dieses harmlose Ereignis braucht sie nicht zu beunruhigen, obwohl es schlimm aussieht. Kinder zwischen dem zweiten und siebten Lebensjahr erleben so etwas im Schlaf. Manche erwischt der Nachtschreck nur einmal im Leben, andere plagt er mehrmals im Jahr oder während einer kurzen Zeit mehrmals im Monat.
Versuchen Sie nicht, das Kind zu wecken oder zu beruhigen, es wird dann häufig noch aggressiver. Warten Sie ab, bis der Spuk nach 5 bis 15 Minuten vorbei ist und es wieder einschläft. Verzichten Sie auch darauf, mit Ihrem Kind darüber zu sprechen: Es kann sich an nichts erinnern. Darum belastet der Nachtschrecken die kindliche Seele auch nicht.
Solche nächtlichen Schreck-Episoden haben nichts mit einer seelischen Störung zu tun, sie sind völlig normal. Wenn der Pavor nocturnus Ihr Kind allerdings jede Nacht überfällt, sollten Sie zu einem Arzt oder einer Psychologin gehen.
Bei einer so genannten Schlafapnoe setzt während des Schlafs der Atem immer mal wieder aus, durchschnittlich für zehn Sekunden oder mehr. Der Begriff Apnoe kommt aus dem Griechischen, er bedeutet Windstille. Diese Stille während des Atmens trifft vor allem ältere Erwachsene, vor allem Männer, die ordentlich schnarchen.
Kinder sind viel seltener betroffen. Schnarcht Ihr Kind, kann bei ihm allerdings schon mal der Atem stillstehen. Schlafforscher schätzen, dass jedes fünfte Kind, das schnarcht, unter einem Schlafapnoe-Syndrom leidet. Bemerken Sie, dass einzelne Schnarcher sehr laut sind, holt es möglicherweise nach einem Atemaussetzer besonders tief Luft. Dauern die atemlosen Phasen bis zu 20 Sekunden, ist an Tiefschlaf nicht mehr zu denken. Dann erholt sich Ihr Kind während der Nacht nicht genügend.
Ist es tagsüber deshalb schon schläfrig und kann sich in der Schule nicht mehr konzentrieren, sollten Sie einen Arzt um Rat fragen. Denn anhaltender Schlafmangel kann das Wachstum verzögern und zu Herz-Kreislauf-Problemen führen. Der Kinderarzt verweist Sie möglicherweise an ein Schlaflabor. Dort können Fachleute herausfinden, was Ihr Kind vom Tiefschlaf abhält.
Ob Ihre Tochter oder Ihr Sohn eine Schlafstörung hat, machen Ärzte nicht von der Art der Probleme abhängig, sondern allein an Zahlen fest. Die Regel: Je häufiger ein Kind nicht einschlafen oder durchschlafen kann, desto eher sprechen Mediziner von einer Störung.
Ist das Kind drei Jahre oder jünger, liegt eine Störung vor, wenn es mehr als dreimal in der Nacht aufwacht und Sie ihm dabei helfen müssen, wieder einzuschlafen. Das passiert mindestens in vier Nächten pro Woche. Eine Schlafstörung wird die Ärztin auch dann diagnostizieren, wenn Ihr Kind mehrmals in der Nacht für mehr als 20 Minuten wach bleibt.