Botox hat eine Karriere als Schönheits-Spritze gegen Falten gemacht. In der Medizin wird das Nervengift schon lange gegen Muskel-Krankheiten eingesetzt. Auch chronische Kopfschmerzen können mit der Substanz gelindert werden.

Eine Woche nach der Injektion entspannt sich die Lage, die Schmerzen lassen nach© Philipp Gülland
Botox, oder korrekter: Botulinum-Toxin wird in der Medizin seit mehr als zwanzig Jahren erfolgreich eingesetzt, um Schielfehler, einen Schiefhals oder Muskel-Spastiken zu behandeln. Das Nervengift löst nicht nur Verkrampfungen auf. Es lindert auch die chronischen Schmerzen, die dadurch entstanden sind.
Botulinum-Toxin ist ein Bakteriengift, das bestimmte Lebensmittel-Vergiftungen verursacht. Der Wirkstoff verhindert, dass der Botenstoff Acetylcholin aus den Nervenfasern freigesetzt wird. Wird Botox direkt in Muskeln gespritzt, kann Acetylcholin nicht an die Muskelfaser andocken. Den Muskeln fehlt damit der Befehl, sich zusammenzuziehen: Sie erschlaffen. Schmerzhafte Muskel-Verspannungen lassen sich so lösen.
Botox wirkt offenbar nicht nur am Muskel. Denn die Substanz lindert Schmerzen schneller als sie die Muskel-Verkrampfung löst. Die Schmerznerven werden anscheinend durch das Botulinum-Toxin unmittelbar beeinflusst. Dadurch fällt der Schmerzreflex weg, der zu noch mehr Verspannungen führt. Die Folgen: Der Muskel wird besser durchblutet und transportiert die schmerzvermittelnden Botenstoffe schneller ab.
Der Arzt injiziert das Botulinum-Toxin direkt in die betroffenen Muskeln. Bei Kopfschmerzen werden die Muskeln des Gesichts, der Schläfen, der Augen sowie des Halses und des Nackens behandelt. Der Arzt ertastet schmerzhafte Verhärtungen oder Knötchen in den Muskeln und spritzt in diese Punkte Botulinum-Toxin, um sie als Schmerzquelle auszuschalten Die Entspannung setzt nach ungefähr einer Woche ein; der Effekt hält in der Regel drei bis sechs Monate lang an. Die Spritze wirkt nicht auf den gesamten Stoffwechsel ein wie muskelentspannende Medikamente.
Ob die Behandlung mit Botox bei chronischen Spannungs-Kopfschmerzen sinnvoll und empfehlenswert ist, ist noch nicht hinreichend erforscht. Auch bei Migräne scheint Botulinum-Toxin zu wirken, die Häufigkeit und die Stärke der Anfälle kann die Substanz vermindern.
Wenn Sie eine Behandlung mit Botulinum-Toxin erwägen, sollten Sie folgendes beachten:
Die genannten Nebenwirkungen sind nicht von Dauer. Alle Schäden bilden sich vollständig wieder zurück. Hinweise für bleibende Organschäden fanden sich in zehn Jahren Anwendung bisher nicht.
Yamina Merabet