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5. Mai 2008, 10:30 Uhr

Blick zurück im Zorn

Nach ihrem Rauswurf bei "Kerner" ging Eva Herman in sich, trat nur auf christlichen Veranstaltungen auf. Im Interview mit parkavenue.de spricht sie anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Buches über ihr Karriereende, ihre umstrittenen Äußerungen zur NS-Familienpolitik und die Fehlleistungen von Moderator Johnannes B. Kerner.

Eva Herman ist zurück mit ihrem neuen Buch "Das Überlebensprinzip"© Oliver Lang/DDP

Frau Herman, nach Ihrem Rausschmiss bei Kerner letzten Oktober wurden Häme und Kritik über Sie ausgeschüttet. Und das, obwohl Sie noch 2003 zur beliebtesten Moderatorin Deutschlands gewählt wurden. Warum haben Sie sich bei Kerner nicht einfach von Ihrer umstrittenen Äußerung bezüglich der Familienpolitik des dritten Reiches distanziert? Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt lobend über die NS-Familienpolitik geäußert. Ich habe mich ferner seit Jahren gegen rechtsextreme Gruppierungen engagiert, so z.B. in der Initiative "Laut gegen Nazis". Es gab deswegen keinen Grund, mich von meinen Äußerungen zu distanzieren.

Vielmehr habe ich den ideologischen Missbrauch familiärer Werte in meinen Büchern gerade als besonders grausam und gefühllos kritisiert. In meinen beiden Büchern "Vom Glück des Stillens" und "Das Eva Prinzip" habe ich mich explizit mit dieser Problematik befasst und die dramatischen Folgen für Kinder und Gesellschaft dargestellt. Es wäre günstig gewesen, wenn Herr Kerner für die Vorbereitung der Sendung einmal etwas genauer in die Bücher geschaut hätte. Da ich mich mehrfach von jeglicher ideologischen Vereinnahmung, insbesondere extremistischen Tendenzen von rechts oder links distanziert und darüber ausführlich geschrieben habe, kann ich nicht nachvollziehen, wie man meine Äußerungen im Rahmen dieser Pressekonferenz derart falsch verstehen konnte. Ich trete einzig und allein für die in meinen Büchern vertretenen Thesen ein. Ich verwahre mich jedoch ausdrücklich dagegen, in irgendwelcher Form mit den Abscheulichkeiten des Nationalsozialismus in Verbindung gebracht zu werden.

Glauben Sie, dass Ihr Rausschmiss in der Kerner-Sendung am 9. Oktober 2007 vorher abgesprochen war?

Mit mir war nichts abgesprochen und für die Redaktion kann ich mich nicht äußern. Im Internet kursieren Gerüchte, in denen solche Feststellungen getroffen werden. Wenn man sich die ungeschnittene Sendung ansieht, könnte dies durchaus möglich sein. Doch sollte man mit Spekulationen vorsichtig sein.

Die Äußerung führte zu Ihrer Entlassung beim NDR, für den Sie 20 Jahre arbeiteten. War es das wert?

So anstrengend es für mich und meine Familie auch war, so wichtig ist diese Debatte für unsere Gesellschaft. Es hilft nichts, daran vorbeizuschauen, dass wir uns durch den Jahrzehnte dauernden Geburtenschwund nicht mehr aus eigener Kraft erhalten können. Wir müssen uns mit den Ursachen, nicht nur mit den Symptomen auseinandersetzen, die zu den heutigen, wachsenden Problemen führen.

Sie haben das Zitat zwei Sprachgutachtern gegeben. Wie heißt es richtig?

Den genauen Wortlaut, ferner ein sprachwissenschaftliches Gutachten, eine Power- point- Präsentation und ein Tondokument (mp3) findet man auf meiner Homepage.

Vermissen Sie die Kamera?

Nein. Viele schaffen den Sprung aus der Öffentlichkeit nur schwer. Auch ich dachte, dass ein Rückzug schwieriger sein würde. Meiner ist ein willkürlicher gewesen, den ich mir nicht selbst aussuchen konnte, aber ich liebe mein Leben, ob nun prominent oder nicht.

Warum treten Sie als öffentliche Missionarin auf?

Ich bin keine Missionarin, sondern Journalistin. Die Wahrheit ist mir wichtig und nicht das, was gerade in den Kram passt oder passend gemacht werden soll. Und einer der für mich wichtigsten Bibelsätze lautet: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Wenn sich unser menschliches Lebensprinzip von Gottes Schöpfung weit entfernt, dann erlaube ich mir die Sichtweise, die schöpfungsgemäß vorgegeben ist. Auch wenn es nicht zum so genannten Zeitgeist passt. Wenn mein Sohn irgendwann einmal fragt, wie wir es zulassen konnten, dass ein Land wie Deutschland ausstirbt, dann möchte ich ihm antworten können: "Ich habe zumindest versucht, etwas dagegen zu unternehmen!"

Sind Ihre Forderungen nach einer Frau, die beim Kind bleibt nicht unrealistisch, wo heute in vielen Haushalten selbst zwei Einkommen nicht reichen? Und dann sollen junge Paare noch drei Kinder bekommen, wie soll das gehen?

Erstens verlange ich von niemandem, dass er zu Hause bleibt. Jede Frau soll ihren Beruf erlernen und studieren, wenn sie es möchte. Doch wenn Kinder kommen, dann soll sie nicht sagen: "Was für eine Schande, dass ich jetzt zu Hause bleiben muss." So formulierte es Astrid Lindgren. Unsere Systeme, in denen wir leben, Politik, Wirtschaft, Industrie, die staatlichen Absicherungssysteme, sie müssen dafür Sorge tragen, dass Deutschland ein Land ist, in dem Kinder gerne und gut aufwachsen können - bei ihren Eltern, und nicht bei Nannys oder in Krippen. Die politischen Umstände machen es heute jedoch fast unmöglich, dass junge Leute noch eine Familie mit mehreren Kindern gründen können, im Gegenteil, sie werden vielfach ausgebeutet. Leider muckt kaum jemand dagegen auf, viele rennen mit ins Verderben und behaupten dabei noch tapfer, dies sei das moderne Lebensbild.

Interview: Felix Hutt

Das komplette Interview finden Sie unter www.parkavenue.de

Park Avenue

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KOMMENTARE (10 von 33)
 
ramteid (07.05.2008, 16:49 Uhr)
Fehler hat auch Vorteile
Sie hat die verkalkten 68er erwähnt und kritisiert. Die sitzen ja bekanntlich in Schlüsselstellungen.
Der Vorteil für Fau Herman, die haben sie mit ihrer massiven Hetze richtig berühmt gemacht. Daran haben sie nicht gedacht. Kalk macht vergesslich
Morninghasbroken (06.05.2008, 13:23 Uhr)
Eva Herman hat einen Nerv getroffen,
Eva Herman hat einen Nerv getroffen, mit ihren Büchern und Vorträgen, sonst wäre der Aufschrei nicht so groß! Diese Mischung aus Häme und Ignoranz in Artikel und Leserbriefen hier wird langsam unerträglich.
Wer die teilweise erschütternden Berichte der Frauen liest, denen Eva Herman aus der Seele spricht, der wird verstehen, wie dringend es ist, dass die zu Wort kommen, die es laut offizieller Propaganda gar nicht gibt: Fianziell schlecht gestellte, alleingelassene, überforderte Mütter, denen noch dazu Altersarmut droht, wenn sie es wagen, einige Jahre lieber der Familie als der Karriere zu widmen.
Näheres im Gästebuch Eva Hermans, mit 11.000 Beiträgen, unter www.eva-herman.de und bei www.mqv.de.
henrytt (05.05.2008, 23:43 Uhr)
Selten so viel Unsachlichkiet erlebt
Sorry,
ich meine damit viele der zahlreichen Kommentare zu diesem Thema. Jeder, der hier mit verbalen Kraftausdrücken um sich wirft, hat diese wohl aus Ermangelung an Argumenten nötig.
kaksonen (05.05.2008, 21:44 Uhr)
Informieren, bevor man kritisiert!
Allen, aber besonders den Journalisten, die Frau Herman wegen ihrer Äußerungen zum Dritten Reich kritisiert haben, sei dringend "Hitlers Volksstaat" von Götz Aly empfohlen!
Abgesehen von dieser Kritik an der Kritik kann ich keinem der Hermanschen Standpunkte zur Rolle der Frau in unserer Gesellschaft beipflichten! Kennt man z.B. die Lage in Nordeuropa, so stellt man mit Überraschung fest, dass gerade vorhandene Krippenplätze und ein hoher Anteil berufstätiger Frauen eine höhere Geburtenrate als in Deutschland zur Folge hat; anders als es Frau Herman prognostiziert!
Spocks_Kommentar (05.05.2008, 21:31 Uhr)
@ Redaktion
Ich gehe mal davon aus, daß Ihre Mahnung mich betrifft. Dazu soviel:
1. Sie verschaffen ausgerechnet Eva Hermann eine Plattform für den Verkauf ihres neuen Buches. Da muß man sich auch gefallen lassen, daß jemand dagegen ist.
2. Die Religionsfreiheit umfaßt auch das Recht, Religion für das gefährlichste zu halten, was es unter Menschen gibt (davon schließe ich übrigens keine Religion aus) und die Meinungsfreiheit das Recht, diese Meinung zu äußern. Dies habe ich hier getan und das ist keine Beleidigung.
3. Jemanden mit etwas zu identifizieren, was sie, noch dazu in sehr blonder Manier, ausdrücklich gefordert hat, ist nur logisch und folgerichtig. Wenn ich die Einstellung aller staatlichen Unterstützung für jedwede Religion (von Kirchensteuer über Gemeinnützigkeit bis Religionsunterricht) fordere, muß ich mich auch als kirchenfeindlich bezeichnen lassen, was ich ja auch bin.
4. Eine saftige Pointe zum Schluß verwenden auch Ihre Autoren. Näher betrachtet hat Frau Hermann die jungen Familien zum Aufstand (sie nannte es aufmucken) gegen die bestehenden politischen Umstände aufgefordert. Das ist auch nicht gerade die feine englische Art...
Ich stelle aber gerne fest, daß mein Schlußsatz keine Aufforderung war, Frau Hermann zu ertränken, sondern lediglich zugespitzter Ausdruck meiner Auffassung, es wäre besser für die Gesellschaft, sie würde nie wieder etwas veröffentlichen.
Im Übrigen: Zensur findet nicht statt, das gilt sogar für Frau Hermann.
brainspam (05.05.2008, 17:38 Uhr)
Es ist schon ganz schön schwierig...
...Menschen einfach mal "nur" an dem zu messen, was sie tatsächlich gesagt haben und nicht an dem, was man glaubt von ihnen gehört zu haben - oder noch schlimmer - was man über sie gelesen hat.
Wer Frau Herman auch heute immer noch rechte Tendenzen unterstellt, der hat auch dieses Interview nicht gelesen oder ist nicht in der Lage, es zu verstehen. So mancher Satzbau mag schon schwierig sein. Dass aber so Viele scheinbar überhaupt nicht mehr in der Lage sind, unsere Sprache zu verstehen, das ist das eigentliche Armutszeugnis unserer Zeit.
J.Stahl (05.05.2008, 17:34 Uhr)
wieso
bleibt sie nicht zuhause un kommt ihrer bestimmung nach?laut ihrer eigenen thesen ist sie ja eine rabenmutter.es würde mich interessieren wie oft sie in letzter zeit mit ihrem kind hausaufgaben gemacht hat,von der schule abgeholt hat,etc.statt dessen beweint sie ihre karriere.eigentlich müßte sie doch jetzt glücklich und zufrieden hinter dem herd stehen.oder nicht?
Administrator (05.05.2008, 17:15 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Bitte bleiben Sie beim Thema - persönliche Angriffe haben an dieser Stelle nichts verloren.
Zudem bitten wir Sie um eine sachliche und höfliche Debatte: Meinung - ja, Beleidigungen - nein.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
German_by_nature (05.05.2008, 17:12 Uhr)
@spock
tut mir leid wenn ich nicht in dein bundesrepublikanisches multikulti Weltbild passe. Ja ich bin national ... na und. Mit Sicherheit bin ich nicht allein.
Eva Herman ist aber weder rechts noch links. Sie hat aber für die deutsche Gesellschaft sehr wichtige Punkte angesprochen. Von daher nimmt sie durchaus nationale Positionen ein.
ganzbaf (05.05.2008, 17:04 Uhr)
Deswegen...
Kindergeld nur bis zum 3. Kind.
.
Aber die Eva ist nicht rechts, und auch mit "nur" 3 Kindern hat man ja eigentlich einen Fulltime-Job, der auch entsprechend gewürdigt gehört!
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Kommentar Danke, Eva!

Eva Herman gebührt Dank. Nicht für ihre Erkenntnisse zu Familienpolitik und Autobahnbau - sondern dafür, dass sie eine Debattte über unseren Umgang mit dem Nationalsozialismus angestoßen hat. 25 Prozent der Deutschen finden, dass das Dritte Reich auch gute Seiten hatte. Dagegen hilft kein Redeverbot, da hilft nur Aufklärung. mehr...

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