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14. Mai 2011, 16:18 Uhr

Kein stiller Eidgenosse

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch gilt als einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren, auch wenn er den Literaturnobelpreis nie bekommen hat. Am 15. Mai wäre er 100 Jahre alt geworden - ein Grund, sein Werk wiederzuentdecken.

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Frauenheld, Lebemann, ewig Suchender: der Schweizer Schriftsteller und Dramaturg Max Frisch (hier 1973)© Rehm/DPA

Die Schweiz feiert ihren großen Sohn Max Frisch mit Theateraufführungen, Vorträgen und Lesungen. Der Schriftsteller, der unter anderem die Romane "Stiller" (1954), "Homo Faber" (1957) und das Theaterstück "Biedermann und die Brandstifter" (1958) schrieb, wäre am 15. Mai 100 Jahre alt geworden.

Auch Ausstellungen, Vernissagen, eine Gedenktafel, Münze und Sonderbriefmarke erinnern an einen, der zeitweilig in die Nähe eines Nationalhelden rückte. Und es werden kritische Stimmen laut. Irritierend sei, "wie kritiklos die gebildete Öffentlichkeit Max Frisch in diesem Jubeljahr begegnet", meinte Kulturchef Manfred Papst kürzlich in der "NZZ am Sonntag". "Letztlich ist er selbst sein einziges Thema."

In der Tat war Frisch immer auf der Suche nach Identität, gerade auch seiner eigenen. Der Einzelne und sein brüchiges Verhältnis zu sich selbst und zum Anderen, zur Gesellschaft und das verwirrende Beziehungsgeflecht in einer immer unverständlicheren Welt sind Themen, um die er kreiste.

Erster Erfolg mit "Stiller"

Der 1911 in Zürich geborene Frisch arbeitete zunächst als Architekt, bevor er mit dem Roman "Stiller" im Jahr 1954 erfolgreich war. Fortan konzentrierte er sich auf das Schreiben. Frisch galt als streitbarer Moralist. Seine bekanntesten Stücke für das Theater sind wohl "Biedermann und die Brandstifter" (1958), eine entlarvende Analyse des Spießbürgers, der das Eindringen des Bösen in seine Welt nicht wahrnehmen will, und "Andorra" (1961), das sich mit dem Antisemitismus auseinandersetzt. Nahezu in Vergessenheit geraten ist "Die Chinesische Mauer" (1946), in dem Frisch die menschheitsvernichtende Gefahr der Atombombe in den Mittelpunkt rückt.

Berühmt wurden neben "Stiller" seine Romane "Mein Name sei Gantenbein" (1964) und "Homo Faber" (1957). In letzterem wird der rationalitätsgläubige Ingenieur Walter Faber, geprägt vom technisch-wissenschaftlichen Weltbild, mit der unlogischen Macht des Schicksals konfrontiert und scheitert. Frischs literarische "Tagebücher" (1946-49 und 1966-71) machen einen wesentlichen Bestandteil seines Oeuvres aus. Sie verknüpfen autobiografische und fiktionale Elemente, viele spätere Werke sind hier bereits skizzenartig angelegt. Weitere, 1982 begonnene Aufzeichnungen, wurden unter dem Titel "Entwürfe zu einem dritten Tagebuch" im vergangenen Jahr posthum veröffentlicht.

Immer jüngere Freundinnen

Auch in seinen Frauenbeziehungen blieb Frisch lebenslang ein Suchender und fand dabei immer jünger werdende Gefährtinnen. Eheprobleme nehmen in seinem literarischen Werk konsequenterweise eine bedeutende Stellung ein. Bearbeitet werden sie auch in seinem sehr intimen Spätwerk "Montauk" (1975), wo er die nicht wirklich folgenreiche Erkenntnis hat, "daß es sich verbietet, eine jüngere Frau an diese meine Zukunftslosigkeit binden zu wollen". Er wird sich schließlich der Tochter einer früheren Geliebten zuwenden.

Frisch, überzeugt davon, dass Sprache die Wirklichkeit nicht abbilden könne, erhielt zahlreiche bedeutende Preise, darunter 1958 den Georg-Büchner-Preis und 1976 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. "Stiller" erreichte als erstes Buch des Suhrkamp-Verlages eine Millionenauflage. Die Werke Frischs wurden vielfach übersetzt, am häufigsten "Homo Faber" in 25 Sprachen.

Max Frisch, der Autor mit der markanten Hornbrille und der Pfeife, starb kurz vor seinem 80. Geburtstag, am 4. April 1991. Wie sein Schriftstellerkollege Friedrich Dürrenmatt sparte der weit gereiste Pazifist nicht mit Kritik an seinem Heimatland. Dort, so scheint es, wird er jetzt von seinem Sockel geholt. Auf seinen Theaterstücken liege dicker Staub, meint Papst, für einen Autor seines Rangs habe er viel Mediokres hinterlassen, von grenzenloser Selbsterkundung ist die Rede. "Alle seine Fenster zur Welt waren Spiegel."

Regina Weinrich/DPA
 
 
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