Alles, nur kein Hochstapler

2. August 2010, 07:14 Uhr

Seit Jahren spielt Devid Striesow in preisgekrönten Filmen, ihne wirklich berühmt zu sein. Ein Gespräch über den Spieltrieb, Finanzbetrüger und die Bereitschaft der Menschen, sich täuschen zu lassen. Von Carsten Heidböhmer

Devid Striesow, Interview, "So glücklich war ich noch nie", Striesow

Schauspieler Devid Striesow vor dem Drehstart zu dem neuen Dieter-Wedel-Zweiteiler in Bremen©

Er war der Matratzenverkäufer in "Lichter". Der SS-Offizier in dem Oscar-gekrönten KZ-Drama "Die Fälscher". Und er spielte Hitlers betrunkenen Hundeführer in "Der Untergang". Jahrelang war er Assistent von Bella Block in dem gleichnamigen ZDF-Krimi vor einem Millionenpublikum zu sehen. Doch die wenigsten kennen seinen Namen. Devid Striesow ist Deutschlands bekanntester Unbekannter. Der 1973 auf Rügen geborene Schauspieler gilt als extremer Workaholic. Jedes Jahr dreht er mehrere Kinofilme, daneben spielt er regelmäßig in TV-Filmen mit, auch dem Theater hält er die Treue. Für seine seit Jahren erbrachten Leistungen auf höchstem Niveau erhielt Striesow zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Alfred-Kerr-Darstellerpreis (2004) und den Deutschen Filmpreis (2007). Als das Interview geführt wurde, weilte der Schauspieler gerade in Südafrika, wo er den Dieter-Wedel-Zweiteiler "Gier" drehte.

Über sein Privatleben ist wenig bekannt. Dabei gäbe es auch da Einiges zu berichten: Mit der Schauspielerin Maria Simon hat er einen zehn Jahre alten Sohn. Später war er mit seiner Kollegin Anneke Kim Sarnau liiert, ehe die ihr Herz für den Schauspieler Hinnerk Schönemann entdeckte. Inzwischen lebt Striesow mit seinem älteren Bruder Sven und zwei Bulldoggen in Berlin.

In dem Film "So glücklich war ich noch nie" ist Striesow in der Rolle des Hochstaplers Frank Knöpfel zu sehen, der aus dem Gefängnis entlassen wird und zunächst ein anständiges Leben als Reinigungskraft führen will. Doch als er sich in die Prostituierte Tanja (Nadja Uhl) verliebt und sie aus ihrem Bordell herauskaufen will, benötigt er viel Geld. So verfällt er schon bald seinem alten Spieltrieb und schlüpft in die verschiedensten Rollen: Mal gibt er sich als erfolgreicher Geschäftsmann aus Oslo aus, mal als Immobilienmakler, dann spielt er wieder einen windigen Finanzberater. Es ist die Geschichte eines Menschen, der einfach nicht davon lassen kann, ständig Rollen zu spielen. Der alle Rollen beherrscht, aber am Alltagsleben scheitert. Letztendlich wird dem Hochstapler seine ungeheure Spiellust zum Verhängnis. Bei aller Tragik überrascht der Film immer wieder mit ungemein komischen Szenen, in denen Striesow eine bei ihm selten gesehene komödiantische Ader entfaltet.

Herr Striesow, in dem Film "So glücklich war ich noch nie" verkörpern Sie einen Hochstapler, der mit dem Rollenspielen nicht mehr aufhören kann. Haben Sie darin Parallelen zu Ihrem Beruf als Schauspieler erkannt?

Es besteht schon eine Ähnlichkeit zwischen der Spielfreude, mit der sich ein Schauspieler in seine Rollen wirft, und der Art, wie sich der Hochstapler in verschiedene Rollen versetzt, um seine kriminellen Machenschaften auszuführen. Allerdings hat das Spielen beim Hochstapler krankhafte Züge. Am Ende kann er Realität und Spiel nicht mehr auseinander halten. Das ist beim Schauspieler anders. Er kann sich immer noch über seine Rollen hinwegsetzen und den Blick von außen bewahren.

Haben Sie es noch erlebt, dass Sie selbst nicht mehr aus einer Rolle herausgefunden haben?

Nein. Das wäre auch nicht gut: Ohne diesen Blick von außen hat man keine Kontrolle mehr darüber, was man macht.

Haben Sie als Schauspieler nicht auch manchmal das Gefühl, eine Art Hochstapler zu sein? Sie müssen den Zuschauern vorgaukeln, jemand zu sein, der sie gar nicht sind.

Natürlich macht man den Leuten vor, dass man jemand anderes ist. Man versucht den Leuten was zu verkaufen und ist froh, wenn sie darauf anspringen. Der Unterschied zum Hochstapler besteht in dessen krimineller Energie.

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
kabelmann (02.08.2010, 11:20 Uhr)
Ich halte es für absolut befremdlich...
....dass der Stern hier seit einigen Tagen ein großes Propagandastück nach dem anderen abliefert und seinen Lesern nicht erlaubt, Kritik anzubringen. Da wird von Jobwundern, Aufschwüngen, Fachkräftemängeln usw. schwadroniert und die Kommentarfunktion bleibt dicht. Eine noch tiefere Schublade als diese gibt es schon fast nicht mehr.
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