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17. Juni 2010, 08:32 Uhr

Hitler à la Bollywood

Filme über Adolf Hitler sorgen immer wieder für Aufregung. Diesmal jedoch will ausgerechnet das für kitschige Musicalfilme bekannte Bollywood der Welt einen "ganz anderen" Hitler zeigen. Aber was hat eigentlich Gandhi damit zu tun? Von Sophie Albers

Dear Friend Hitler, Lieber Freund Hitler, Gandhi, Rakesh Kumar Ranjan, Anupam Kher, Bollywood

Adolf Hitler war kein Freund von Mahatma Gandhi© AP

"Auf der Launch-Party für 'Dear Friend Hitler' im Novotel in Mumbai zeigte Ex-Miss-Indien Neha Dhupia, dass sie es drauf hat, Eva Braun zu spielen", berichtet der indische Onlinedienst "Sawf News": Zum langen Rock habe sie ein farblich abgestimmtes Oberteil mit Blumendruck getragen, und der bis zu ihren schlanken Fesseln reichende, asymetrisch geschnittene Rock sei in der Taille mit Edelsteinen verziert gewesen... Moment mal: Was haben Hitler und Eva Braun mit einer Ex-Miss-Indien in Blumendruck zu tun? In Bollywood derzeit eine ganze Menge.

Die Nachricht, dass Regie-Neuling Rakesh Kumar Ranjan in diesem Sommer einen Film mit dem Titel "Dear Friend Hitler" (Lieber Freund Hitler) drehen wird und dafür neben besagter Ex-Miss-Indien als Eva Braun auch den international bekannten Bollywoodstar Anupam Kher ("Kick it like Beckham") als Adolf Hitler gewinnen konnte, sorgt außerhalb von Bollywood für Aufregung. Ranjan, der in den vergangenen Jahrzehnten bei zahlreichen Bollywoodproduktionen für den Ton zuständig war, hat nämlich ganz eigene Pläne mit Hitler.

"Der erfolgreichste Verlierer des 20. Jahrhunderts"

Auch wenn die Kombination des Diktators und dem tanzenden, singenden Bollywood einiges an Witzpotential birgt: Ranjan plant keine musikalische Satire im Geiste von Mel Brooks' "Frühling für Hitler", sondern eine Charakterstudie à la "Der Untergang". Wie in Oliver Hirschbiegels umstrittenem Drama soll es um die letzten Tage im Bunker in Berlin gehen.

"Wir wollen Hitlers Ängste, seine Unsicherheit und den Druck zeigen, der auf ihm lastete, als er wichtige Entscheidungen traf", zitiert der australische Nachrichtendienst "ABC News" den Produzenten Anil Sharma. Hitler sei der "erfolgreichste Verlierer des 20. Jahrhunderts", verteidigt Regisseur Ranjan seine Themenwahl. Dieser Interpretation wolle er auf den Grund gehen. Und weil "Dear Friend Hitler" für den internationalen Markt gedacht ist, wird er nicht nur in Hindi, sondern auch in Englisch gedreht.

Nun darf jeder Regisseur der Welt einen Film über Hitler drehen, so lange das Publikum frei ist, ihn zu ignorieren oder darüber zu diskutieren. Daran ändert auch die Romanze im Film nichts, die Ranjan ankündigt. Denn - und da kommt Ex-Miss-Indien wieder ins Bild: Es soll vor allem auch um Eva Braun gehen, die Hitler kurz vor dem gemeinsamen Selbstmord geheiratet hat. "Eva war Hitlers Freundin, seit sie 17 war." Der Film zeige, wie sie in sein Leben trat und ihre Bedeutung an dessen Ende, so der Regisseur.

Geschenkt. Die Probleme der rund drei Millionen Dollar teueren Produktion fangen mit dem Titel an.

Seite 1: Hitler à la Bollywood
Seite 2: "Hitler-Freund" Gandhi?
 
 
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