Sortieren nach: Relevanz | Aktualität |
Gleich drei große deutsche Ausstellungen feiern das Pop-Art-Genie Andy Warhol. Und in China ist er sogar beliebter als Picasso. Wie lässt sich das erklären?
"Ist das Kunst oder kann das weg?" Eine Putzfrau entschied sich bei einem Kalkflecken in einem Dortmunder Museum fürs Wegputzen - und hat damit ein Kunstwerk zu einem Versicherungsfall gemacht.
Lange galten die Filme von der Japanreise des 1986 verstorbenen Künstlers Joseph Beuys als verschollen. Nach seiner Wiederentdeckung vor wenigen Jahren wird das Material im Rahmen einer Ausstellung nun im Hamburger Bahnhof in Berlin, und damit zum ersten Mal in Europa gezeigt.
Oder: Ein grau-weiß-karierter Hut (ohne Joseph Beuys-Bezug) Worum es heute geht: Stephen Stills, Rücksichtnahme, eine Halbzeit, ein coole Kopfbedeckung, eine komische Eiskugel (mit wie üblich bunten Streuseln), den Gedanken nachhören, SMS, Brombeeren am Kanal, Le pianoscope. Ein Schreibtisch ist am besten an einem Sonntagnachmittag aufzuräumen, gar niemand ruft an, Mails sind an fünf Fingern oder weniger abzuzählen, man kann Musik ohne Kopfhörer hören, in diesem Fall "Live At Shepherd's Hill" von Stephen Stills, immer-noch-und-noch-und-noch auf  Tour, die Stimme etwas angegriffen, macht aber gar nix, ein glorioser Musiker. "If you're down and confused/And you don't remember who you're talkin' to/Concentration slip away/Cause your baby is so far away/Well, there's a rose in a fisted glove/And the eagle flies with the dove...". (Nein, liebe-oder-lieber-eine-oder--anderer-Leser-oder-Leserin: diese Lyrics jetzt bitte nicht mit Blick auf die Psyche des getrennten Papi interpretieren: sie sind nachgerade - vierzig Jahrzehnte nach ihrer Komposition - nur bildschön/nichtmehr/nicht weniger). Apropos "down and confused": als der getrennte Papi seine Kiddies Alexander und Marie am Freitagabend abholte, fühlte er sich ziemlich schlappimäßig (Alexander), so musste er sich in seiner Schloßgespenst-Wohnung in seine Schloßgespenst-Bettstatt legen und sein Schloßgespenst-Kinder pflegten ihn sogleich: Kissen wurden zurechtgerückt, Decken um Füsse gewickelt, Äpfel geschält (die kann der getrennte Papi fast immer essen), Wasserflasche neben das Bett gestellt und Marie packte ihm sogleich einen kalten Waschlappen auf die Stirn ( Omi sagt, das hilft ). Ein sensationelles Gefühl machte sich breit (ja, liebe-eine-oder-anderer-Leser-oder-Leserin: sensationell hier im semantischen Sinne von beeindruckend/einzigartig): meine Kinder nehmen Rücksicht, ein rührendes Gefühl, ein schönes Gefühl, ein vornehmes Gefühl. Okay, die Kinder wollten den getrennten Papi auch kurzfristig wieder fit machen - bald lief Bayern gegen Wolfsburg im TV, das wollten wir doch im Trio gucken. Zum familiären Fußball-Background: Marie fühlt sich den Bayern in gewisser Weise verpflichtet, sie wurde in München geboren; Alexander findet St. Pauli super, die haben nämlich eine tolle Piraten-Flagge und er ist Hamburger; der getrennte Papi hält, in guten wie in schlechten Zeiten, zum HSV. Solange diese Mannschaften also nicht direkt gegeneinander spielen, sind familiäre Fußball-Komplikationen auszuschließen, ansonsten fragen wir uns vor etwaigen Spielen: Für wen bist Du ? Und dann versuchen wir uns zu einigen, für dieses, eine, wahre Mal. So lagen wir zu Dritt im Bett ( Drück' doch mal die Bettdecke runter, ich seh' nix!), waren für die Bayern und schafften die erste Halbzeit, um dann traulich einzuschlafen. Am nächsten Tag sollte der getrennte Papi schließlich wieder ziemlich gesund sein, wir wollten doch zu H&M, Mami hatte gebeten, das Eine oder Andere für den leider irgendwann wieder kommenden Winter zu besorgen. Das gelang uns in gewohnt souveräner Manier, keine Ahnung, wie viele Teile in wie vielen Minuten wie viel mal anprobiert wurden (...und Sie kennen diese Kabinen, sie komfortabel zu nennen, wäre eine der glattesten Übertreibungen...). Zwischendurch lernt man wieder viele bislang unbekannte Menschen kennen, die an die Tür klopfen, unter der Tür durchschauen oder die Tür einfach gleich öffnen, um zu sehen, ob die Kabine frei ist, ist sie nicht, danke, tschüss. Der Einkauf des Tages war auf jeden Fall so-eine-Art-Filzhut (nein, liebe-oder-lieber-eine-oder-anderer-Leser-oder-Leserin: es ist kein Bezug zu Joseph Beuys beabsichtigt), grau-weiß-kariert und wirklich cool und von Alexander für sich selbst ausgesucht ( Ich leihe ihn Dir aber, ganz bestimmt, mal..., liebe Marie ). Und weil der getrennte Papi in der Kürze der kritischen Zeit tatsächlich noch keinen Kochkurs machen konnte, gab es des Abends eine Brotzeit  - immerhin mit frischen Gemüsen, Rooibos-Tee und hinterher Früchte-Quark (Karotten, Kohlrabi, Paprika( ...ist das Recht, liebe-oder-lieber-eine-oder-anderer-Leser-oder Leserin?). Ach, und es gab noch, ernährungspolitisch völlig inakzeptabel, zwei Riegel Kinderschokolade pro Kindernase. Der getrennte Papi hätte nur zu gerne ebenfalls zwei Riegel vernascht, aber Sweeties wären, schlappimäßig gesehen, noch zu früh gewesen, schade an sich. Am nächsten Tage war dann, in sehr kleiner Dosis, von einer Kaugummi-Eis-Kugel zu probieren (wie üblich mit bunten Streuseln), keine Ahnung, dass es so eine Sorte überhaupt gibt, war sogar dem getrennten Papi zu süß und das will was heißen, schließlich sind - wie bereits erwähnt - Süssigkeiten eine seiner zweifellos großen Schwächen. Nach dem komischen Eis sind wir dann zum Hafen gefahren, vielleicht ist ein großes Schiff angekommen, es wurde auf einmal ganz stille im Auto, ein jeder hörte seinen Gedanken nach. Ich dachte an liebe SMS, die ich in den letzten Tagen bekommen hatte - SMS, ein merkwürdiges, inzwischen so alltägliches Medium, mit dem wohl ganz schön intime Gedanken ausgetauscht werden können. Aber die können zwischendurch sehr gut tun, findet der getrennte Papi, der seine Kinder nicht gefragt hat, an was sie gerade dächten? Denn diese Frage hatte er früher immer als unzulässiges Eindringen in die ganz eigene Gedanken-Welt empfunden, selbst wenn's seine Eltern überhaupt nicht so gemeint wissen wollten. Und weil sie eigentlich ganz schön war, diese vernehmliche Stille, sind wir einen Umweg zurückgefahren, zu den vielen Brombeer-Büschen am Kanal, Alexander und Marie haben viele tiefschwarze Früchte gepflückt, um sie ihrer Mami mitzubringen. Sie hat sich sehr gefreut und der getrennte Papi ist eben ins Büro gefahren. Nun wird der Blog nochmals gegengelesen, dabei wird Ulrike Hagge's "Le pianoscope" gehört, kurze Impressionen mit Titeln wie "Aus der Ferne", "Drifting Leaves" oder "Farblicht". Und zum guten Schluß für heute (nein, liebe-oder-lieber-eine-oder-anderer-Leser-oder-Leserin, es wird nicht vergessen) selbstverständlich noch die Nachlieferung zweier, fehlender Zeilen: "If you're down and confused/And you don't remember who you're talkin' to/Concentration slip away/Cause your baby is so far away/Well, there's a rose in a fisted glove/And the eagle flies with the dove/And if you can't be with the one you love/Love the one you're with/Love the one you're with". Aber dazu alsbald mehr vom getrennten Papi...
Oder: Alexander ist zu Marie ins Bett gewandert. Worum es heute geht: Ein Photo, eine Bettdecke, fünf Minuten später, die Unschuld des Schlafes, Glücksbringer (sehr unterschiedlich), ein rotes Herz, Joseph Beuys und die Fettecke, Out of Noise und ein Future Flash . Ich bekam das Photo des Abends, lag schon im Bett und es war berührend: Alexander und Marie sind am Wochenende bei Freunden auf dem Land (Enten, Esel, Hunde, Pferde, Ziegen, also statt Schleichtieren alles in echt und ganz wunderbarst), dort gehen sie spät ins Bett, Alexander doch etwas eher und ihm folgt Marie, bestimmt ziemlich viel später , wie er sagen würde. Das Photo, es ist schon im Telephon gespeichert, zeigt die die Geschwister wie sie schlafen. Links Alexander, er liegt zum Einschlafen gerne auf dem Bauch, im Arm seinen inzwischen einigermaßen bekannten Kuschelhund Pauli, in einem gestreiften Pyjama, das er von seiner Schwester gerne geerbt hat. Rechts Marie, sie liegt zum Einschlafen vornehmlich auf der Seite, in beiden Armen ganz fest ihren inzwischen einigermaßen bekannten Kuschelhund Lulu. Unter dem Bild steht: Alexander ist ins Bett zu Alice gewandert . Das ist bestimmt ein wohliges Gefühl, wenn man als Bruder nicht so in den Schlaf findet und noch so halbwach und doch nicht mehr zur Schwester unter die schon angewärmte Decke schlüpft. Und sich dann ziemlich und sofor t im Reich der Träume befindet, spätestens fünf Minuten später. Wenn die Beiden allerdings bei mir übernachten und gleichzeitig zu Bett gehen, kommt es bisweilen zu kleinen Scharmützel. Er zieht ihr die Decke weg ( Ich hab' zu wenig Decke ), sie zieht die Decke wieder zurück ( Stimmt gar nicht, gib' die Decke wieder her ); dieser eher übersichtliche Dialog kann sich dann in genau dieser äußeren Form und in genau diesen Worten einige Minuten hinziehen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die eine oder andere kleine Handgreiflichkeit noch ausgetauscht wird. Es fällt auch gerne noch der nur anscheinend apodiktische Grund-Satz ... Dann bist Du nicht mehr mein Freund... Diese Worte sind selbstverständlich überhaupt nicht Ernst gemeint, obwohl sie sehr ernst und mehr oder weniger schwer genervt vorgetragen werden. Wenn jeweilige Freunde zu Besuch kommen, sind Bruder/Schwester zwischendurch mal abgemeldet, unüberhörbare Zimmerverbote werden ausgesprochen und der zweite anscheinend apodiktische Grund-Satz... dann spiele ich eben nie mehr mit Dir ...findet häufige verbale Verwendung. All' das ist vergessen, wenn sie in die Unschuld des Schlafs geglitten sind und in der Nacht der eine oder andere Arm umeinander geschlungen wird, in ewiger Geschwister-Liebe, die Mädchen, glaube ich, eher direkt ausdrücken können: Ich habe Alexander sehr lieb; während Jungs das eher indirekt rüberbringen: Ich leihe Dir mal mein neues Schleichtier, aber nur bis morgen. Die innige Geschwister-Liebe wird sich nach und nach und nach immer tiefer ausdrücken und entfalten und weiterentwickeln und er wird sie auf dem Schulhof beschützen wollen und ihr wird das peinlich sein und zuhause wird sie ihm liebevoll sagen wie toll sie das doch von ihm fand. Wie die Beiden auf dem Photo so daliegen, kommt mir in den Sinn, was sie mir für sehr unterschiedliche Glücksbringer geschenkt haben. Von Marie habe ich einige in meinem alten Portemonnaie, das übrigens von dreien ihrer Haargummis sehr praktisch zusammengehalten wird. Sie hat mir einmal ein Glücksschwein geschenkt, es ist ein kleines Wackelbild, es zeigt wie das Schweinchen entweder lustig in den Schlamm hineinspringt oder lustig darin hockt. Außerdem habe ich einen rosafarbenen, winzigen Briefumschlag von ihr, darin befinden sich drei Papiere; das erste ist gelb und darauf ist eine Art Lilie, auch in rosa, geklebt, das zweite ist grün-gelb, es sind zwei ausgeschnittene Orang-Utans, die sind vom Aussterben bedroht und auf die müssen wir aufpassen, das dritte ist noch ein gelber Zettel, da steht drauf: Ich freue mich so aufs Toben . Der andere winzige Umschlag ist ebenfalls immer im Portemonnaie, darin der Satz: Lieber Papi ich habe Dich lieb . Und dann ist da noch ein weißer Zettel, darauf hat es einen Hundeaufkleber, ich glaube, es sind Cocker Spaniel und ein aufgemaltes, irgendwie ganz schön schiefes Herz. Alexanders Glücksbringer für den getrennten Papi sind eher prosaischer Natur: es wird mal ein Holzschwert dagelassen, man weiß ja nie , wozu es gut sein könnte oder ein entbehrliches Auto und ist es eine Ritterfigur, dann wär's schon ein äußerster Beweis von echter Sohn-Vater-Liebe. Und hat die Schwester mal wieder etwas mitgebracht hat - etwa ein rotes Herz mit dem Satz Deine Marie und Alexander - freut ihn das schon, wenn's in seinem Namen mit geschenkt wird. Papi ist zwar manchmal echt doof, aber das ist eher eine Ausnahme, liebiliebani , glücklicherweise, ja, oft. Dann sehe ich ein Bild, an die Wand gelehnt, darauf erklärt Joseph Beuys einem Meisterschüler, Johannes Stüttgen, geduldig, warum die Fettecke da oben hält. Wie er das offenbar sehr vertraut darlegt, das hat etwas von intimer Vater-Sohn-Gestik, die Geduld des Wissenden im wahrlich zugewandten Gegenzug für die Geduld des Wissbegierigen. So und ehe ich jetzt noch weiter abschweife, war's das für heute. Höre jetzt noch Sakamoto, diesmal Out of Noise und danach Kevin Yost mit dem programmatischen Album-Titel Future Flash Back Remixed und schaue mir noch lange das Bild der Geschwister an wie sie schlafen und einander haben. Aber dazu mehr alsbald vom getrennten Papi... .
Erst schlugen sie ihn auf den Kopf, so dass er fast starb. Dann rissen sie sein Atelier in Schanghai ab. Und dann nahmen sie ihn schließlich mit. Jetzt ist Ai Weiwei wieder frei.
Es ist schon jetzt die literarische Überraschung des Jahres: Die komplette Auflage von Karl-Theodor zu Guttenbergs Dissertation ist ausverkauft. Die Leser verhöhnen das Buch im Internet als Meisterwerk und loben den überquellenden Sprachwitz.
Oder: Was ein Achttausender mit unserem Leben zu tun hat. Worum es heute geht: Neuer Kosmos, alte Bedenken, neue Erkenntnisse, alte Rituale, neues Liegen, alte Bilder, neue Plätze, alte Gewohnheiten, neue Aussichten, alte Erinnerungen, eine neue/alte CD und ein Buch, das wieder aufgetaucht ist. Jetzt ist der getrennte Papi nach seinem Umzug irgendwie schon ein bisschen angekommen im neuen Kosmos innerhalb Hamburgs, von dem er doch dachte, er sei vielleicht am Ende unseres Planeten gelegen. Kennen Sie das? Wenn Sie ohnehin - warum-auch-immer - sensibilisiert sind, erscheint selbst eine minimale Veränderung als maximale Herausforderung, die sich morgens/mittags/abends als Himalaya auftut (am Rande, wussten Sie, der Sohn der Künstlerin Pipilotti Rist trägt diesen Namen, wie man sich wohl fühlt, wenn man Ort des Schnees heißt). Und immer wieder aufs Alte und immer wieder aufs Neue muss man ihn erklimmen, je nach Verfassung schafft man es, immerhin, zum ersten oder zweiten oder dritten Basislager, dann muss man sich ausruhen, wegen der Höhenlage, die Luft wird immer dünner und dünner und manches Mal flirrt sie ganz seltsam und man sieht im überirdisch blauen Himmel seltsame Dinge vorbeifliegen, die sich fiebrig geben. Und so ist es bisweilen ziemlich egal, ob wir den Himalya besteigen wollen oder in unserem Alltag eine Lebens-Aufgabe zu lösen haben, der gefühlte Job im Kopf ist derselbe. Dabei muss der getrennte Papi alte Bedenken ausräumen, aus Herz und Hirn, sich von verkrusteten Vorbehalten und verkappten Verkrustungen lösen, um zu neuen Erkenntnissen vorzudringen - durch ein Dickicht alter Gefühle, die von neuen überlagert werden. Sie kennen das. Eine neue Erkenntnis des getrennten Papi ist etwa: Die Angst vor Veränderung hat eine ihrer Ursachen in der verschränkten Veränderung seines Lebens. Vor zwölf Monaten schien es noch - mit Ups and Downs - in doch klaren Bahnen zu verlaufen, dann faserten die Bahnen in ungewisse Richtungen aus, die sich zwischendurch zu reichlich abschüssigen und gefährlichen Pisten auswuchsen, dort hatte es wenig Halt. Den einen oder anderen Baumstumpf gab es zu fassen, mit blutigen und rissigen und verschwitzten Händen, gerade so, bevor es ganz und gänzlich abwärts gegangen wäre, sich selbst staunend ins Gesicht blickend und sich selbst dabei schon überholend. In solchen Situationen helfen alte Rituale. Marie und Alexander und der getrennte Papi lieben es, wenn des Abends vor dem Einschlafen noch gequasselt wird bis einer von uns Dreien vorzeitig einschläft. Oder wenn Alexander an einem Sonntag des Morgens seine ewige Frage stellt: "Ist heute Kindergarten oder Schule?" Und die Antwort lautet wie immer: "Du weißt doch, am Wochenende hat es weder Kindergarten noch Schule". Dann lacht Alexander sein Lachen und freut sich wie Frodo nach erfolgreich geschlagener Schlacht und seine Schwester lacht ihr Lachen und sagt: "Ich hab' Dich lieb, Alexander". So liegt der getrennte Papi im bereits erwähnten neuen Bett, das nach dem alten fast viel zu groß wirkt und schaut seine Kinder an und ruft: "Familienkuscheln!" Das Trio drückt sich und knudelt sich und rückt sich hin und her und rauf und runter, weil die Liebe zueinander unverbrüchlich, unvoreingenommen, unvergesslich ist und ein Tag beginnt wie er kaum besser beginnen könnte. Dabei schaut der Herr Beuys auf seine Fettecke und erklärt dem Herrn Stüttgen wie die da oben hält - dies alte Bild des getrennten Papi hat nun einen neuen Platz im Schlafzimmer gefunden. Es hängt da in seinem verwitterten Holzrahmen, bei einem jeden neuen Blick darauf erschliesst sich eine neue Nuance der Blicke und der Gedanke, dass ein Hausmeister in der Düsseldorfer Kunstakademie sie '86 unwissentlich nach dem Tode von Joseph Beuys auf immer entfernte, ist immer noch seltsam komisch und komisch seltsam. Die alte Gewohnheit des getrennten Papi ist , die beiden Künstler auf dem Bild anzusprechen, ab und an erwidern sie die Ansprache. Sie wundern sich etwa über ihre neue Aussicht: Wenn sie sich nur einmal umdrehen würden, sähen sie nun Häuserdach über Häuserdach und sie hätten vermutlich unbändige Lust, darüber und darauf spazieren zu gehen und über die zeitgenössische Kunst zu sprechen, Pipilotti Rist würden sie sehr lieben. (Im New Yorker schrieb Peter Schjeldahl kürzlich, at his best: "In the spell of Rist's work I feel the world of art, momentarily indistinguishable from that of life, stabilize inside and around me - with such lightness..." ). Geht es Ihnen auch so, dass Sie nach dem Auszug aus einer alten und dem Einzug in eine neue Wohnung versuchen, alte Erinnerungen zurückzulassen wie zu schweres Gepäck im letzten Basislager vor dem Aufstieg zum Gipfel, den man unbedingt schaffen will, aber jeder Schritt dorthin fällt schwerer und schwerer und die eine oder andere Erinnerung lässt sich einfach nicht abschütteln. Mithin bleibt sie erstmal wo sie ist und es ist okay, wenn man nicht an ihr rührt. Auch wenn der getrennte Papi mit ihr abgeschlossen hat, so ist sie nicht unbedingt emotional ad acta gelegt, das wahre Leben hält nun mal keineswegs alle Schlüssel zum Aufschließen bereit. Alexander reicht übrigens eine Zahlenkombination um seinen abgerockten, blauen, kleinen Tresor zu öffnen, manchmal passen Erinnerungen eben in einen viereckigen Kasten aus Blech, der gehütet wird wie ein Schatz, der nach langer Jagd erobert wurde. Dem getrennten Papi sind nach seinem Umzug zwei alte/neue Schätze wieder in die Hände gefallen. Zum einen die CD "Endless Summer" von Christian Fennesz, "electronic sound that is still open to chaos" , schreibt Sasha Frere-Jones. Musik wie das Leben, eben: ein ständiger Sound, er signalisiert das Ankommen oder Abklingen oder den Abschied des Chaos, Alexander und Marie mögen den endlosen Sommer sehr, sie folgen ohnehin den musikalischen Eskapaden ihres getrennten Papi, bei all' ihrer Vorliebe für Michael Jackson. Zum anderen, jedenfalls, tauchte ein noch nicht gelesenes Buch auf, "Samaritan" von Richard Price, einmal mehr ein Thriller mit gesellschaftlichen Dimensionen und aufwühlender, schmerzender, waghalsiger sprachlicher Kraft. Die Schluss-Sätze von Peter Schjeldahl passen ebenfalls zu dieser Lektüre: "...The mood doesen't last, of course, but it leaves a trace in the heart, endorsed by the mind, of stubborn hope." Und die Hoffnung geben mir Alexander und  Marie immer wieder aufs Neue bei dem permanenten Aufstieg zum Himalaya. Mehr dazu alsbald vom getrennten Papi...
Der Regisseur Christoph Schlingensief ist gestorben. Der 49-Jährige erlag seinem Krebsleiden, wie ein Sprecher der Ruhrtriennale bestätigte. Erst im Juli erhielt Schlingensief eine erneute Krebsdiagnose, worauf er eine geplante Inszenierung bei der Triennale absagte.
In der Nacht zum Freitag ist einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartskünstler gestorben. Sigmar Polke ist einem Krebsleiden erlegen. Der öffentlichkeitsscheue, experimentierfreudige, ironieverliebte Maler wurde 69 Jahre alt.
Hinter diesem Link steckt ein RSS-Feed, über den Sie bequem in ihrem Newsreader informiert werden, wann immer ein neuer Artikel auf stern.de zu Ihrem Suchbegriff erscheint.
Was sind RSS-Feeds?Ausstellungen Beuys Holland Horst Köhler Julian Schnabel Kaffee Krebs Kunsthalle Schirn Künstlers Pete Doherty René Obermann Ronald Lauder Schlingensief
Adolf Hitler Andy Warhol Andy Warhol Anselm Kiefer Christoph Schlingensief Damien Hirst Dennis Hopper Frank Castorf Gerhard Richter Gerhard Schröder Helmut Newton Herbert Grönemeyer Jean-Michel Basquiat Jörg Immendorff Pablo Picasso Richard Gere Richard Wagner Roy Lichtenstein Sigmar Polke Vincent van Gogh
Dann stellen Sie sie in unserer Wissenscommunity "Noch Fragen".

Joseph Heinrich Beuys [ˈbɔe̯s] war ein deutscher Aktionskünstler, Bildhauer, Zeichner, Kunsttheoretiker und Pädagoge. Beuys setzte sich in seinem umfangreichen Werk mit Fragen des Humanismus, der Sozialphilosophie und Anthroposophie auseinander. Dies führte zu seiner spezifischen Definition eines „erweiterten Kunstbegriffs“ und zur Konzeption der „Sozialen Plastik“ als Gesamtkunstwerk, in dem er Ende der 1970er Jahre ein kreatives Mitgestalten an der Gesellschaft und in der Politik forderte. ...