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Jung, berühmt, tot

Ein bisschen unheimlich ist es schon, dass auch Amy Winehouse mit 27 starb. Denn in der Musikszene hält sich seit vier Jahrzehnten das etwas taktlose und etwas mysteriöse Schlagwort des "Clubs 27" oder auch "Forever 27". Der Grund: Auffallend viele große Rockstars starben mit 27 Jahren.

Jimi Hendrix

Jimi Hendrix (1942-1970)

Janis Joplin, Jimi Hendrix, Kurt Cobain - viele große Musiker sind mit 27 Jahren gestorben. Eine Übersicht über den tragischen "Club 27", dessen neues Mitglied Amy Winehouse ist.

Brian Jones

Er ist der Begründer des sogenannten "Clubs 27": Der frühere Rolling-Stones-Gitarrist Brian Jones wurde am 3. Juli 1969 in seinem Swimmingpool in Hartfield, Sussex, tot aufgefunden. Da hatten ihn seine Mitmusiker schon aus der Band geschmissen. Dabei war es Brian Jones, der mit seinem variablen Gitarrenspiel und seinen vielen Ideen den Aufstieg der Stones zur größten Rockband der Welt erst ermöglicht hatte. Doch er nahm das Motto "Sex, Drugs & Rock'n'Roll" zu wörtlich. Aufgrund seines exzessiver Alkohol- und Drogenkonsums war er oft nicht in der Lage, die Bühne zu betreten. Aus diesem Grund konnten die Stones seit 1967 nicht mehr touren.

Auch private Verwicklungen belasteten das Verhältnis: Keith Richards hatte Jones im Frühjahr 67 seine Freundin Anita Pallenberg ausgespannt. Am 8. Juni 1967 teilten ihm Mick Jagger, Keith Richards und Charlie Watts ihren Entschluss mit, ohne ihn weitermachen zu wollen. Keine vier Wochen später war er tot. Die Umstände sind bis heute ungeklärt. Nach wie vor halten sich hartnäckige Gerüchte, der Musiker sei damals von dem Bauunternehmer Frank Thorogood ermordet worden.

Jimi Hendrix

Seinen großen Durchbruch feierte Jimi Hendrix am 15. Juni 1967 mit einer mitreißenden Performance auf dem Monterey Pop Festival, an deren Ende er seine Gitarre in Flammen aufgehen ließ. Ausgerechnet Brian Jones kündigte den Auftritt damals an - so entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ihm Hendrix als Nummer 2 in den "Club 27" folgte. Hendrix gilt bis heute als der größte Rockgitarrist aller Zeiten. Er erweiterte das Spektrum der populären Musik um bis dato ungehörte Geräusche, experimentierte mit Studioeffekten - und war vor allem ein begnadeter Livemusiker.

Doch der Druck für Hendrix war gewaltig: Während er als Gitarrengott verehrt und auch für mittelmäßige Konzertauftritte gefeiert wurde, hatte er klare künstlerische Visionen. Immer öfter flüchtete er in Drogen. Am 18. September 1970 wurde er in London tot aufgefunden. Er hatte zuvor Alkohol und Schlaftabletten konsumiert und ist an seinem Erbrochenen erstickt.

Janis Joplin

Keine drei Wochen nach dem Ableben von Jimi Hendrix verzeichnete der "Club 27" seinen nächsten prominenten Zugang. Wie Hendrix war auch Janis Joplin eine Ikone der Hippie-Bewegung, die ihren Durchbruch ebenfalls in Monterey feierte. Joplin war auf der Bühne die gefeierte Blues-Sängerin, litt privat jedoch an aus der Schulzeit stammenden Kränkungen und an Einsamkeit. Sie suchte Trost in Alkohol, später kamen auch noch harte Drogen hinzu. Das wurde ihr zum Verhängnis: Am 4. Oktober 1970 starb sie in einem Motel in Los Angeles an einer Überdosis Heroin. Sie nahm gerade ihr viertes - und bestes - Album "Pearl" auf, das posthum erschien und ein gewaltiger Erfolg wurde.

Jim Morrison

Kaum einer verkörperte das Dionysische in der Rockmusik, das von dem griechischen Gott Dionysos abgeleitete Rauschhafte und Exzessive, so entschieden wie Jim Morrison. Als Sänger der Doors avancierte er zur Gallionsfigur der aufkommenden Gegenkultur: Drogen, Sex, Partys - nichts ließ Morrison aus. "Mich interessiert alles, was mit Revolte, Unordnung, Chaos zu tun hat" sagte er einmal, und so lebte er auch.

Anfang 1971 nahm Morrison eine Auszeit und zog mit seiner Freundin Pamela Courson nach Paris. Dort wurde er am 3. Juli des Jahres tot in der Badewanne aufgefunden. Der offizielle gerichtsärztliche Bericht führt Herzstillstand als Todesursache an, doch seine Lebensgefährtin führte den Tod später auf eine Überdosis Heroin zurück. Nicht ganz totzukriegen ist jedoch die Theorie, Morrison habe seinen Tod nur vorgetäuscht, um endlich in Ruhe Gedichte zu schreiben. Ob mit oder ohne ihn - sein Grab befindet sich auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise und ist bis heute beliebte Pilgerstätte von Jugendlichen aus aller Welt.

Kurt Cobain

Er war Alternative-Rocker zu Zeiten, als diese Musik nur in Nischen stattfand - und wurde quasi über Nacht zum größten Popstar seiner Generation. Die LP "Nevermind" seiner Band Nirvana lieferte die Blaupause für die Generation x und gilt als das einflussreichste Album des vergangenen Vierteljahrhunderts. Auf den Ruhm war Cobain jedoch nicht eingestellt, er flüchtete in Drogen. Am 5. April jagte sich Cobain in seinem Haus in Seattle einen Schuss mit seiner Schrotflinte in den Kopf. In seinem Abschiedsbrief zitierte er Neil Young: "It's better to burn out than to fade away."

Von Carsten Heidböhmer

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