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17. Februar 2010, 07:57 Uhr

Weinkrampf, Wasserwerfer, Westerwelle-Bashing

Eine Geschlechterverteilung, von der "DSDS" nur träumen kann: Sieben Frauen und drei Männer - so sah das Teilnehmerfeld der dritten Ausgabe von Raabs Talentsuche in Sachen Grand Prix aus. Dabei glänzte die Jury als heimlicher Star. Von Ingo Scheel

Oslo, Star, Stefan Raab, Unser Star für Oslo

Schillerndes Zusammenspiel der Juroren: Fernsehentertainer Stefan Raab© DPA

Die jeweils besten Fünf der ersten beiden Sendungen hatten sich versammelt und diesmal durfte sich der geneigte Euro-Anhänger auf ein multiples Wiedersehen freuen: Mit Leon, dem schwarzen Grönemeyer, mit Kerstin "Timoschenko" Freking, mit dem schicken Cyril, Sharyhan mit dem Pony und Lena mit der Meise unter selbigem. In der Jury diesmal: Nena, die mit jedem weiteren Lebensjahr mehr an den kuriosen Fall des Benjamin Button gemahnt, an ihrer Seite Boris, das Brot mit dem Hutgesicht: Rapper "König Boris" von der Hamburger Formation Fettes Brot. Komplettiert wurde die Jury traditionell vom Mann, der "Dschinghis Khan das Reiten und Singen beigebracht", Stefan Raab. Der Meister selbst, wie gewohnt, ununterbrochen schlürfend, als wäre das Leben eine einzige Weinprobe.

Lena sang schön schräg

Stichwort Weinprobe - Boris, dem seine "Casting-Entjungferung" am Ende gar nicht wehtat, machte einen sympathisch beschwingten Eindruck und konterkarierte so den Gestus seiner Vorgänger Westernhagen und Maffay, die in den ersten beiden Ausgaben von "Unser Star für Oslo" so moderat Urteil gesprochen hatten. Nun bashte Boris beileibe auch keinen Kandidaten, im Gegenteil, der Mann aus Pinneberg war des Lobes voll für das Gesehene und Gehörte. Seine Exkurse bei der Einschätzung der Darbietungen jedoch entpuppten sich als Freestyle, der den Kollegen der ARD, in Erwartung der nahenden Casting-Karawane in wenigen Wochen, den Kitt aus der Brille gedrückt haben dürfte: Da wurde über Tüchercodes der kalifornischen Schwulenszene diskutiert, zum Aufpeppen von Songdarbietungen Arschbomben-Vollzug und Crack-Rauchen empfohlen und selbst der Außenminister war nicht gefeit vor Herrn B. aus H.: "Westerwelle ruiniert das Land, du biegst es in Oslo wieder grade" befand er über den Vortrag des Darlings der ersten Sendung, der 18-jährigen Lena Meyer-Landrut aus Hannover. Die hatte am Morgen noch Englisch-Abiklausur geschrieben, am Abend sang sie so schräg, dass Björk die Knötchen im Zopf von allein aufgegangen wären.

Nena lobte und liebte

Während also aus Boris' Sicht durch die Bank "geil abgeliefert" wurde, lagen derlei irdische Einschätzungen Nena fern: Die freute sich einfach, wenn die Kandidaten sich freuten. Die fühlte genau, wie es sich anfühlt, wenn man sich so richtig bei sich selbst fühlt. Nena lobte und liebte, schwärmte und vor allem: spürte ganz stark, ganz viel. Irgendwann dann auch zunehmend den Spott ihres Beisitzers Raab, der bislang vermisstes Beef heraufbeschwor und Nenas Haarschnitt, ihre Hörbücher vom Dalai Lama und noch so einiges verspöttelte, bis die Grande Dame aus Hagen Nerven zeigte und ein Glas Wasser nach ihm warf. Im Lehrer-Kollegium der Neuen Schule Hamburg dürfte man sich gefreut haben, dass genau in diesem Moment keine Kamera drauf war und man nur mit dem Ohr erahnen konnte, wie Nena vom Pfad der Erleuchtung abkam.

Meri musste Tränen vergießen

So schillernd das Zusammenspiel der Juroren, so unterhaltsam auch das Programm der Oslo-Optimisten: Bewährtes von Robbie Williams und Alicia Keys, Exotisches von My Chemical Romance und Daniel Merriweather, von Sharyhan gar eine Eigenkomposition. Darüber hinaus wieder einmal die Erkenntnis: Wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, dann wird irgendwo auf der Welt immer noch ein Castingkandidat "Like the Way I do" von Melissa Etheridge singen. Diesmal übernahm Energiebündel Jennifer den Job, die sich damit ebenso in die nächste Runde sang wie Cyril, der auch ohne Gitarre überzeugte und Leon, der Silbermond nach Jan Delay klingen ließ. "Not Ready to Make Nice" von den Dixie Chicks brachte Kerstin eine Runde weiter, Katrin verließ sich auf Duffy, Sharyhan auf ihren eigenen Song und Lena war eben Lena und damit eh' weiter.

Tränen flossen am Ende bei Meri, die nach dem armenischen Vorentscheid 2007 nun auch am deutschen Pendant scheiterte. Kaum zu trösten war Straßenmusikerin Maria-Lisa, die sich und ihrem entzündeten Kehlkopf mit My Chemical Romances "Helena" dann doch zuviel zugemutet hatte. Mit den acht glücklichen Gewinnern gibt es in der nächsten Sendung ein Wiedersehen. Hätte es eine Call-In-Telefonnummer dafür gegeben - auch die komplette Jury wäre diesmal eine Runde weitergekommen.

Von Ingo Scheel
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
schade77 (18.02.2010, 09:42 Uhr)
Bestimmt haben sich dort auch...
Vollpfosten zum Casting begeben, um völlig unlustig ins TV zu kommen und sich 3 Minuten zu blamieren. Aber im Gegensatz zu RTL, die das wunderbar gierig ausschlachten und untermalen, wurden solche Ausfälle (von denen bestimmt auch einige pathologisch bedingt nix dazu können) in keinster Weise von Raab gezeigt. Dadurch, dass diesen Idioten mit Fake-Schicksalen keine Plattform gegeben wird, werden sich in Zukunft auch nur noch gute Talente melden und wenn es nur 100 statt 30000 sind, aber diese 100 sind Galaxien entfernt von dem DSDS-Abschaum...

@Bohlen: in den letzten 200 Jahren sind in meiner Familie einige gestorben und ich hatt mal ne 5 in Religion...komm ich jetzt ins Fernsehen?!
paladin09 (17.02.2010, 15:10 Uhr)
Tolle Sendung...
@Alexander
dein Name ist Programm und sagt alles!

Abgesehen von der sehenswerten Sendung hat Raab sich von seinen Anfängen im TV bis heute doch sehr zum Vorteil gewandelt. Raab ist reifer und ein waschechter TV Profi geworden der sich jeder seiner Sendungen im Stil anpassen kann. Natürlich liebt es Raab sich immer noch mit anderen messend vor der Kamera auszutoben oder auf der Bühne rumzublödeln. Dennoch weiß Raab genau, das er sein Image langsam ändern, anpassen muß. Seit Raab mit der ARD arbeitet oder für die ARD die Vorarbeit leistet möchte er auch seriöser rüberkommen und Quallität abliefern, was ihm bisher gut zu gelingen scheint.
Da wird man noch einiges in Zukunft von Raab und seiner Produktionsfirma erwarten können.
laketahoe (17.02.2010, 14:27 Uhr)
Das richtige Gesicht Deutschlands
Auch die dritte Folge war unterhaltsam, kurzweilig und interessant. Es macht Spass, mitzuverfolgen, wie gut junge Leute heute vergleichsweise schon sind.

Mag ja sein, dass es bis dahin, wo Weltstars stehen, noch Lichtjahre sind, weil auch Künstler mit der Erfahrung und Übung und einem tollen Umfeld immer besser werden; für mich steht fest, ich habe nirgends so gute und sympathische Leute gesehen, wie in dieser Castingshow.

Das entschädigt für all den gefaketen Müll, den Bohlen, Klum und Co. den Zusehern vorsetzen, auch wenn deren Quoten besser sein mögen.

Schön, dass man für kurze Momente auch mal das richtige Gesicht Deutschlands zu sehen bekommt, das sich ansonsten so häufig mit Freaks und deren Freunden im TV und den Medien abfeiert.
mighty_bender (17.02.2010, 13:58 Uhr)
Was...
...tun die auf dem Planeten der 99 Luftballons eigentlich so ins Trinkwasser? Das muss ja gehörig rumsen....
tepes (17.02.2010, 11:43 Uhr)
endlich mal wieder etwas "Anständiges" im fernsehn
Herr Raab hat mein Respekt. Solche Talente aus dem Hut zaubern, während andere sich über ihre Kandidaten lustig machen und Tausende casten... ohne Worte!
Das Beste aber, die Küstler können künstler sein und werden nicht zu Marionetten umprogrammiert!
Vielleicht sollte man alle in eine Gruppe stecken und mit der Big Band von Hr. Raab nach Oslo schicken.Das wäre in meinen Augen der Jackpot!!
Ich kann mich nicht wirklich entscheiden, wen ich besser finde!!
Alle haben echtes Talent und Profil...unglaublich!
Michelmann (17.02.2010, 10:55 Uhr)
Wenigstens....
hört man auch von den ersten Raabschen Kanidaten noch was (auch wenn nicht meine Musik) aber ein Mutzke oder eine Heinzmann tauchen immer mal wieder in CD-Handel auf und werden im Radio gespielt .... die DSDSuperstars werden meist nach 3 Wochen aus dem Programm genommen (vieleicht überlebts auch einer 4) und dann waren Sie weder gehört noch gesehen. Ausser vieleicht bei exclusiv wenn RTL kein Beitrag mehr einfällt den man bringen könnte und Sie all Ihre Z-Prominenz wieder ausgraben.

Also vieleicht besteht hier wieder Hoffnung das wir bei der Snagesveranstaltung nicht mehr ganz hinten landen. Auf jedenfall muss ich sagen allesamt Kanidtaen die singen können und bei keinem einzigen schmerzten meine Ohren.
nichtvergessen (17.02.2010, 10:50 Uhr)
Grand Prix de Eurovision
Respekt Herr Raab ! Wir sollten dankbar sein,dass er sich dem Trauerspiel der Vorjahre angenommen hat und endlich dafuer sorgt dass der Grand Prix wieder altem Ruhm erlangt. Mit Schrecken ist daran zu erinnern als bei Quatsch Comedy Herrman die no Angels Huepfdolen etwas Fleisch zeigten und dafuer dann zurecht Letze werden durften.

Schon jetzt ist diese Show das Beste was Stefan Raab auf die Beine gestellt hat, zwar nerven die Sponsoren und die beiden Moderatoren, Zahnluecken Sally und Puck die Stubenfliege, aber das macht dem ganzen kein Abbruch.

Sehr angenehm faellt auf, dass es keine Parallelen zu Dieters ich mach dich fertisch
oder sonstigen Casting, WG am Mittag, in New Zork oder Drama Drama Drama Mist gibt.

Bleibt nur zu hoffen dass sich in Oslo die Betruegereien beim Voting eindaemmen lassen oder die Betrueger der Vorjahre disqualifieziert werden.

Schade dass nur Leon als einziger auf deutsch singt. Sicher wuerde das Interesse in der Bevoelkerung steigen, wenn mehr deutsche Lieder gesungen werden wuerden. Schliesslich soll in Oslo das Land vertreten werden, oder waere dies wieder 'zu braun' ?
matthiasmb (17.02.2010, 10:46 Uhr)
Kritik auf hohem Niveau
Singen können sie alle. Und das auch richtig gut. Da gibt es absolut nichts zu meckern. Ich fand auch nicht, das Lena so unglaublich schief gesungen hat...

Nur eins stört mich gewaltig und das ist die Aussprache von vor allem Cyril und Christian, die wohl noch nie den Text ihrer Lieder gelesen, geschweige denn verstanden, haben.

Das hatte mit Englisch größtenteils so viel zu tun wie Dieter Bohlen mit guter Musik.

Warum singt eigentlich der einzige englischsprachige Kandidat deutsche Lieder????? und warum meinen die anderen sie könnten Englisch??? Das dies den Juroren nicht auffällt kann ich ihnen noch nachsehen ("just can't wait until tonight" war ja auch keine Sternstunde der englischen Sprache, aber was kann man von Stefan mit einem englischen Titel schon erwarten... er kanns ja selber nicht. Der Titel war allerdings super... nur der text war halt mist)
und Nena und König Boris hatten ja auch nicht wirklich viel brauchbares in der Jury zu sagen.

Nun denn, qualitativ sind die Kandidaten alle super, jetzt wird es aber zeit auch mal die details anzuschauen, un da gehört bei englischen Liedern nun einmal dazu, dass man sie auch verstehen kann wenn man sich nicht wieder komplett blamieren will.

Also, holt nen englischsprachigne Trainer, der mit Euch Kandidaten die richtige Aussprache übt und dann wird das schon, und bevor Herr Raab einen englischen titel veröffentlicht, schaut nochmal über die Grammatik ,-)
Tom3 (17.02.2010, 10:45 Uhr)
...man kann es so machen, oder eben wie RTL...
...was mir sofort aufgefallen ist, die Juroren u. hier vornweg der Raab, waren in der Lage, qualifiziert Kritik vorzutragen, OHNE das Wörter wie Mega oder Scheiße vielen. Die Kritiken waren allesamt sehr sachlich, so das die Kandidaten damit auch etwas anfangen konnten.

Man hat einfach gemerkt, dass es hier wirklich um die Suche nach einem Sänger/in geht u. nicht nur ein riesen Spektakel veranstaltet wird bei dem es dann auch mal reicht, wenn man halt "gut Aussieht"!

Im gegensatz zu DSDS ist diese Casting-Show ein musikalischer Leckerbissen u. das sage ich, obwohl ich dem Raab nicht viel abgewinnen kann.
Slapmastert (17.02.2010, 10:44 Uhr)
Also ich war zufrieden!
Mir hat das gestern gut gefallen. Stefan Raab ist doch eigentlich ein Guter und wer hier gegen ihn wettert, der ist entweder neidisch, oder kann es nicht besser; und genau von Letzteren gibt es viele in Deutschland.

Und jetzt stellt euch mal vor jemand bei DSDS würde einen eigenen Song performen... Dieter würde den, auch ohne guten Grund, auseinander nehmen.

Unser Star für Oslo Rocks und DSDS S****!
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