1985 feierte Falco mit seinem Lied "Rock me, Amadeus" große Erfolge. In dem Text erhebt der österreichische Popsänger Mozart in den Rang eines Superstars, dem die Frauen zu Füßen lagen. Wieviel Wahrheit steckt darin? Von Carsten Heidböhmer

Popsänger Falco erhebt seinen Landsmann Wolfgang Amadeus Mozart in den Rang eines Superstars. Zurecht?© Picture-Alliance
Mit seinem Song "Rock me, Amadeus" stürmte Falco Mitte der 80er Jahre gleich in mehreren Ländern die Charts. Gleichzeitig sorgte er für ein ganz neues Mozart-Bild: Er beurteilte das Leben des Götterlieblings mit der gepuderten Perücke nach heutigen Maßstäben - und machte aus ihm kurzerhand einen Showstar. Dadurch brachte er den Komponisten einem großen Publikum näher. Doch hat traf er damit den Kern?
Den Text hat Falco zusammen mit den Brüdern Rob und Ferdi Bolland geschrieben. In vier Strophen wird das Leben Mozarts beschrieben - als wäre er ein Zeitgenosse. Gleich in der ersten Strophe verortet er den Komponisten in einer Jugendkultur:
Er war ein Punker
Und er lebte in der großen Stadt
Es war in Wien, war Vienna
Wo er alles tat
Starker Auftakt - doch leider führt die Bezeichnung "Punker" für Mozart in die Irre. Zwar war der Komponist ein origineller Charakter, hatte seinen eigenen Kopf und ging seinen eigenen Weg - dass er übermäßig aufsässig oder rebellisch gewesen sein soll, lässt sich aber nicht behaupten. Nur einmal hat sich Mozart wirklich mit den Obrigkeiten angelegt: als er 1781 mit seinem Arbeitgeber, dem Salzburger Fürsterzbischof Graf Colloredo, brach und sich für eine freie Künstlerexistenz in Wien entschied. Dabei soll es sogar zu einem Fußtritt gekommen sein - in Mozarts Hintern.
Bei der Abnabelung von seinem Vater setzte er seinen eigenen Kopf durch: Leopold Mozart war dagegen, dass sein Sohn das Dienstverhältnis in Salzburg aufgab und nach Wien zog. Auch gegen die Hochzeit Wolfgangs mit Constanze Weber leistete er Widerstand. Wolfgang Amadeus bereitete der Bruch mit seinem Vater zeitlebens große Probleme; in seinen Briefen wirbt er immer wieder um dessen Gunst.
Er hatte Schulden denn er trank
Doch ihn liebten alle Frauen
Und jede rief:
Come and rock me Amadeus
Schulden hatte Mozart tatsächlich. Ab 1787 sank der Komponist in der Gunst des Wiener Publikums - zeitweise. Zwischen 1788 und seinem Todesjahr 1791 schickte er mindestens 20 Briefe an seinen Freund und Logenbruder Johann Puchberg, in denen er von ihm Geld erbat. Der Grund für diese "Bettelbriefe" lag weder in seiner angeblichen Armut begründet noch ist sie durch Alkoholkonsum zu erklären. Tatsache war: der geniale Tonsetzer konnte nicht mit Geld umgehen. Er gab mehr aus, als er einnahm. Auch der Lebenswandel seiner Frau Constanze mag dazu beigetragen haben. Am stärksten zu seinen finanziellen Problemen dürfte aber Mozarts Spielleidenschaft beigetragen haben. Der hatte eine Schwäche für Billard, Karten- und Glückspiele - oftmals ging es dabei um Geld. Ein Großteil seiner Schulden mag darauf zurückzuführen sein.