25. März 2012, 09:23 Uhr

Warum in die Ferne schweifen...

...liegt das Gute doch so nah: "Ab in den Süden" war die Parole der vierten Mottoshow von "Deutschland sucht den Superstar". Aber trotz inszenierter Skandale war die Sendung nicht mal so lauwarm wie das Frühlingswetter in Deutschland. Weg vom Fernseher, ab nach draußen konnte da die Devise nur lauten. Von Sophie Lübbert

DSDS, Deutschland sucht den Superstar, Dieter Bohlen, RTL, Mottoshow, Ab in den Süden,  Kristof, Joey

Die Top-7 performten ihren Gruppensong©

Am ersten sommerlichen Samstagabend in diesem Frühling gab es viele schöne, Dinge zu tun. Grillen. Eis essen. Auf dem Balkon oder der Terrasse sitzen und mit guten Freunden Wein trinken. Die vierte Mottoshow von "Deutschland sucht den Superstar" zu gucken gehörte leider nicht dazu. Denn sogar ein ausgiebiger Frühjahrsputz inklusive gründlicher Toilettenreinigung dürfte mehr Freude bereitet haben, als sich über zwei Stunden lang diese Sendung anzutun.

Keine Frage, RTL hatte sich Mühe gegeben. Halbnackte Frauen mit Riesenbrüsten, dafür aber ohne Schamgefühl, nette Bühnenbilder und ein zum beginnenden Sommergefühl passendes Motto: "Ab in den Süden". Aber wozu per TV in den Süden schweifen, wenn es doch draußen und daheim viel schöner ist?

RTL wusste die Antwort auch nicht, aber von irgendwoher musste die in diesem Jahr bereits stark abgesackte Quote ja kommen. Dank der Kandidaten, das war den Verantwortlichen vermutlich auch klar, eher nicht. Die waren nett, brav und sangen auch ein bisschen - wenn auch teilweise Lieder, die kaum etwas mit dem Thema zu tun hatten ("Fields of Gold" von Sting, "My heart skips a beat" von Olly Murs). Dazu hüpften sie über die Bühne und schrien manchmal sinnentleert "Yeah". Damit lockt man keinen Hund hinter dem Ofen hervor und erst recht keine Menschen vom Grill weg.

Dieter Bohlen steht auf und geht

Deshalb mussten einige Kleinigkeiten als Skandale herhalten. Skandal Nummer 1: Es ist nur noch ein Mädchen im Rennen! Wahnsinn! Wo doch seit Jahren bekannt ist, dass Frauen kaum eine Chance haben, weil an den Telefonen wohl hauptsächlich andere Mädchen sitzen und für Jungs anrufen.

Skandal Nummer 2: Kandidat Kristof ist schwul und mit einem älteren Mann zusammen. Damit geht er offen um, schreit es in jede Kamera und akzeptiert Artikel in der "Bild"-Zeitung darüber. Jetzt ist er unglücklich, dass sein Privatleben im Mittelpunkt steht.

Skandal Nummer 3: Joey singt eine dermaßen schlechte Version von "Love is in the air", dass Dieter Bohlen aufsteht und geht, um damit ein Zeichen zu setzen. Danach steht Joey auf und geht, um damit ein Zeichen zu setzen. Irgendwann sind sie beide wieder da. Schade eigentlich.

Marco Schreyl im Tonfall eines 12-Jährigen

Doch auch wenn die Skandale nicht richtig zündeten, war noch nicht alles verloren. Denn zum Glück gab es ja noch Marco Schreyl. Und der wurde nicht müde, sich bei allen anzubiedern, die nicht rechtzeitig fliehen konnten. "Habt ihr geknutscht, Karten gespielt oder war da ... meeeehr?", fragte er zwei Kandidaten, die ganz sicher/ vielleicht/ doch nicht eine Affäre haben (Skandal Nummer 4), im Tonfall eines 12-Jährigen.

Dann erinnerte er sich wieder an seine eigentliche Aufgabe bei der Sendung: Er sagte die Telefonnummern an, unter denen die Zuschauer ihr Geld ausgeben können. "Sie bestimmen, wer weiterkommt", sagte Schreyl und deutete auf die eingeblendete Nummer. Danach hielt er ein "Fan-Magazin" in die Kamera, das es zu kaufen gebe. Wenn schon keine Quote, dann wenigstens Geld!

Schnell zur nächsten Grillparty

Am Ende musste Hamed Anousheh gehen, vermutlich hatte ihn das Hin und Her um seine angebliche Affäre viele Mädchenstimmen gekostet. Doch während alle um ihn herum in Tränen ausbrachen, wirkte Hamed selber relativ gefasst. Er verabschiedete sich, schüttelte Hände, umarmte und rannte dann von der Bühne herunter. Vermutlich zur nächsten Grillparty.

Von Sophie Lübbert
 
 
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