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Vierte Mottoshow bei DSDS: Patrick macht auf Partyschreck

Ein Abend voller "Partykracher" sollte die vierte Mottoshow werden. Heraus kam ein ziemlich müder Schwof. Schuld waren nicht nur die teils blutleeren Darbietungen der Kandidaten, sondern auch ein Jurymitglied, das lässig sein will und einfach nur langweilig ist.

Von Mark Stöhr

Es gibt sicherlich nicht wenige, die machen am Samstagabend nichts Schönes, weil sie ihn sehen wollen. Nein, nicht Marco Angelini, den Bergdoktor aus der Steiermark, oder Norman Langen, den Ballermann aus Geilenkirchen. Auch nicht das Hinkebein Pietro oder das halbe Kind Sebastian. Sie wollen Patrick Nuo sehen, die rechte oder linke Hand von Chefrichter Bohlen. Weil er so süß aussieht, manche finden sogar, sexy. Weil er immer so fancy Lederarmbänder und Halsketten trägt. Weil hinter diesem ganzen Kerl bestimmt ein ganz wacher Zuhörer steckt. Aber mal ehrlich: Muss er deswegen ein so müder Redner sein?

Wenn die Show "Deutschland sucht den Superstar" beginnt, geht Patrick Nuo nicht einfach nur zu seinem Platz am Jurytisch. Er rennt dorthin, einmal schlug er gar ein Rad. Fast immer salutiert er auf dem Weg ins Publikum und legt dabei sein bubenhaftestes Lächeln auf, auch gestern wieder. Damit scheint Nuos Energie aufgebraucht zu sein. Denn sobald er sich setzt, legt sich sein Temperament schlafen. Kein Witz, kein Scharfsinn, nur breitbeiniges Abhängen im Sessel und ein paar Fertigsätze aus dem Jetset-Baukasten. Zu Ardian Bujupi, der "Beautiful Monster" von Ne-Yo vortrug und knapp am Rauswurf vorbeischrammte, fiel ihm ein: "Du hast wieder nicht die maximale Full-Power erreicht." Eine recht mutige Bemerkung von einem, dessen Ladezustand sich permanent im kritischen Bereich befindet.

Vielleicht ist Nuos Lethargie in Wirklichkeit nur eidgenössisches Understatement. Der Mann kommt bekanntlich aus der Schweiz, wo die Uhren zwar auf die Sekunde genau, aber auch gemächlicher ticken als hierzulande und jeder klare Satz schnell ein Affront ist. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich der 28-jährige Schönling in der Rolle des lässigen Cowboys gefällt und nicht mehr tut als nötig. Dieter Bohlen, der preußischen Peitsche, muss das wahnsinnig auf die Nerven gehen.

"Das hier ist kein Double-Wettbewerb"

Daraus macht er auch keinen Hehl. Die Pfeile, die Bohlen gestern auf seinen Co-Juror abschoss, waren die einzigen Wachmacher in einer ansonsten extrem schläfrigen vierten Mottoshow. Wie in den vorherigen Sendungen war es an Nuo, nach jedem Auftritt die Beurteilungsrunde zu eröffnen. Eine undankbare Position für einen Mitläufer wie ihn, der optimale Boden für Bohlen, der als Dritter im Bunde nur jedes Mal die Münzen einsammeln musste.

Wenn man Seerosen gießt, bringt das auch nichts.

Schon beim ersten Kandidaten, Marco Angelini, rumpelte es gewaltig. Angelini wollte seine "dreckige Seite" zeigen und gab "Let Me Entertain You" von Robbie Williams zum Besten - als lupenreine Kopie: Er sang wie Williams, war geschminkt wie er, warf sich auf den Boden und streckte die Zunge heraus, alles wie sein "dreckiges" Vorbild. Ein peinliches Plagiat. Nicht jedoch für Patrick Nuo. Für den war der Auftritt die "beste Performance, die ich je gesehen habe bei DSDS". Bohlen flogen fast die Ohren ab. Seine treffende Widerrede: "Das hier ist kein Double-Wettbewerb." Die Kandidaten sollten keine Persönlichkeiten nachmachen, sondern zu eigenen Persönlichkeiten reifen. So weise Sätze hört man selten aus dem Munde des Konservenfabrikanten aus Tötensen.

Ähnlich schlampig wie bei Angelini sah und hörte Nuo auch bei Sarah Engels hin. Er betitelte die 18-Jährige, die mit der schnellen Nummer "Release Me" von Agnes offenkundig nicht Schritt halten konnte und gerade in den unteren Tonlagen schwer im Dunkeln herumstocherte, als "Bühnenrakete". Was einem halt gerade so einfällt, wenn man kurz vorm Wegnicken ist. Wieder war Bohlen geistesgegenwärtiger. Sarah sei eine "Balladenqueen" und keine Tanzmaus. Punkt, fertig, aus.

Zazous vergebliche Bemühungen

Der größte Crash der beiden gegensätzlichen Charaktere ereignete sich aber nach der Vorstellung von Zazou Mall. Die Schweizerin, oft gescholten für ihr wackliges Stimmchen, erwies sich auch diesmal als konkurrenzlos schlechte Sängerin. Ihre Interpretation von Katy Perrys "Hot N Cold" brachte Gletscher zum Weinen. Patrick Nuo verhedderte sich bei seinem Statement in einem wachsweichen Für und Wider, weil ihm wie so oft der Mumm oder die Konzentration fehlten, klar Stellung zu beziehen.

Und erneut musste Jurypräsident Bohlen feststellen, was Sache war: "Ich kann dein Gequake langsam nicht mehr hören." Er redete sich regelrecht in Rage. Sein Ausbruch mündete in einem wirklich göttlichen Bild. Mit Blick auf die vergeblichen Bemühungen von Zazous Gesangstrainern sagte er: "Wenn man Seerosen gießt, bringt das auch nichts." Patrick Nuo könnte noch hundert Jahre in der "DSDS"-Jury sitzen und käme nicht auf solche Metaphern.

Dafür kann er besser singen als sein Chef, keine Frage. Norman Langen machte er vor, wie er dem Refrain von DJ Ötzis "Hey Baby" mehr Ausdruck geben könnte. Der Nachhilfeunterricht schlug voll ein. Langen wurde wenig später von den Zuschauern aus der Show gewählt.