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Siebte Mottoshow bei DSDS: Mit Bohlen in der Karaoke-Bar

Schämen statt Karriere-Start: in der siebten Mottoshow zeigen die letzten vier Kandidaten, warum aus ihnen wohl niemals Superstars werden.

Von Sophie Lübbert

Vermutlich wird Daniele Negroni sich in ein paar Jahren schämen für das, was er gerade als "das Größte, was mir in meinem Leben passiert ist" bezeichnet. Dann wird er sich sehen, wie er als kleiner 16-jähriger Junge auf einer Bühne herum hüpft, die zu groß für ihn ist und bei einer DSDS-Mottoshow "Sex on Fire" gröhlt. Und vermutlich wird er sich fragen: wieso hat er je daran geglaubt, dass so eine Veranstaltung ihm Weltruhm bringen könnte? Die Antwort ist einfach: weil RTL alles tut, um ihm und seinen Mit-Kandidaten das einzureden.

In der siebten Motto-Show lautet das offizielle Thema "Pop, Rock, Klassik", inoffiziell geht es aber nur um eines: RTL will beweisen, dass DSDS noch sinnvoll, wichtig, gut ist. Die Quoten der Sendung sinken, die Zeit der Casting-Shows scheint angezählt. Aber Kandidaten und Publikum sollen trotzdem glauben, dass DSDS irgendeine Relevanz habe. Dass hier der nächste Michael Jackson oder Robbie Williams, die zweite Tina Turner oder wenigstens Britney Spears gefunden würde.

Und je offensichtlicher es wird, dass die Sendung wohl keinen Superstar findet, sondern eher einen Dummen, der für Möbelhaus-Eröffnungen in Bielefeld oder Paderborn bereit steht - desto heftiger ist RTL bemüht, das Gegenteil zu versprechen. Die siebte Mottoshow ist deshalb eine Art Werbeschleife für die Sendung selbst.

Hunderte kreischende Fans

"Grandios" sei hier alles, sagt Marco Schreyl und zeigt Einspielfilme, in denen die Kandidaten aus weißen Limousinen steigen, elegant über rote Teppiche wandeln und lässig hunderten kreischenden Fans zuwinken. Sie sagen Dinge wie "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl" (Daniele) oder etwas schlichter: "Geil" (Fabienne). Gefühlt alle vier Minuten erwähnt irgendjemand, dass es hier um eine halbe Million Euro gehe, einen Plattenvertrag und vielleicht einen Platz in den Charts. Ruhm, Reichtum und ein Absacker mit den Jungs von "Queen" scheinen greifbar.

Wie echte Rockstars lassen sich die Kandidaten schon mal piercen oder tätowieren, natürlich stilecht mit dem Schriftzug "Music 4ever". Wahrscheinlich hat kein echter Musiker, der etwas auf sich hält, so ein Tattoo, aber gut, das lässt sich ja weg lasern, wenn es mit der Welt-Karriere klappt.

Die Ahnung, dass die niemals passieren wird und alle Bemühungen sinnlos sind, kommt aber doch schnell: direkt nach den viel versprechenden Filmchen, beim Auftritt der hoffnungsvollen Nachwuchs-Z-Promis. Fabienne sieht nett aus, kann aber nicht wirklich singen. Daniele hat das besser drauf, aber klingt immer noch unschön. Luca guckt schmachtend durch die Gegend, viel mehr aber leider nicht.

Ein Gefühl wie in einer Karaoke-Bar

Jesse ist der Einzige, der mit dem "Earth Song" von Michael Jackson eine gute Show hinlegt. Dabei ist sein Auftritt aber so dicht am Original angelegt, bis hin zur wehenden weißen Kleidung und einem hoch fahrenden Aufzug, dass man sich fühlt wie in einer Karaoke-Bar. Da steht kein Künstler auf der Bühne, von dem man mehr hören will, zum Beispiel eigene Songs. Sondern ein guter Karaoke-Sänger, dem man auf die Schulter klopft, um dann zu Hause lieber das echte Jackson-Album anzuhören.

Die Jury dagegen überschlägt sich vor Lob, besonders Bruce Darnell kreischt immer wieder völlig fassungslos vor Glück auf:"Super! Das war super!". Das ist vor allem sein Job. Das Problem ist: zumindest die Kandidaten glauben der Jury, dass sie eine große Karriere vor sich haben.

Klar, sie wissen offiziell alle, worauf sie sich einlassen, wenn sie bei DSDS antreten. Dass der bisher wohl größte Star, den die Sendung hervor gebracht hat, Alexander Klaws heisst und in Hamburg Musicals singt. Dass sie als Höhepunkt ihrer Karriere wohl eher ins Dschungelcamp als auf Welttournee gehen.

Fast alle Kandidaten sind noch Kinder

Aber die letzten vier Kandidaten sind fast alle unter 18. Sie wirken zwar dank Make-Up und Styling erwachsen. Aber trotzdem sind sie eigentlich Kinder. Laut Jugendschutz-Gesetz dürfen sie weder Schnaps noch Zigaretten kaufen oder nach Mitternacht in einem Club herum laufen. Dafür dürfen sie etwas Anderes: wöchentlich vor einem Millionenpublikum bei "Deutschland sucht den Superstar" auftreten und ihr gesamtes Leben in der Öffentlichkeit ausbreiten. Und weil sie erst 16 oder 17 sind und einen Traum haben, tun sie das auch. Sie glauben wohl als Einzige an die Versprechungen, die RTL macht.

Nicht einmal Dieter Bohlen scheint noch vom DSDS-Erfolg überzeugt zu sein. Er lobt zwar, besonders die "Klassik"-Songs, aber er tut das mit den Worten: "Falls es nochmal DSDS gibt, dann machen wir das wieder". Überzeugung klingt anders. Vielleicht gibt es also wirklich Hoffnung auf ein baldiges Ende dieser Sendung.

Für eine Kandidatin ist es schon an diesem Abend zu Ende. Als Fabienne gehen muss, behält sie die Fassung. Sie lächelt, umarmt alle ein letztes Mal und sagt "Super" - weil sie sich für die anderen freut. Vielleicht ahnt sie aber auch langsam, welches Glück sie hat, endlich aus der Show raus zu sein.

Von Sophie Lübbert
  • Sophie Lübbert