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Mein Papi, der liebe Nazi

Darf man über Neonazis lachen? Unbedingt - dann muss es aber originell und lustig sein. Die ZDF-Serie "Familie Braun" ist weder das eine noch das andere. Vor allem sind die Figuren viel zu nett.

Familie Braun

Szene aus der ZDF-Serie "Familie Braun": Der Nazi Thomas (Edin Hasanovic) hat plötzlich eine Tochter bekommen. Die heißt Lara (Nomie Lane Tucker), ist sechs Jahre alt, und hat - oh Schreck - dunklen Teint.

Jugendsünden holen einen fast immer ein. Thomas Braun (Edin Hasanovic) trifft es aber besonders hart, als ein längst vergessener One-Night-Stand vor seiner Tür steht - mitsamt ihrer sechsjährigen Tochter. Und um die soll sich fortan ihr Vater kümmern. Das eigentliche Problem ist aber ein ganz anderes: Weil sich der Neonazi damals mit einer Eritreierin vergnügte, ist sein Kind schwarz. 

Das ist der Ausgangspunkt für die acht jeweils sechsmimütigen Folgen der ZDF-Miniserie "Familie Braun, die einem ziemlich konventionellen Muster folgen. Sie enthält Elemente von "Drei Männer und ein Baby" sowie von Culture-Clash-Komödien wie "Monsieur Claude und seine Töchter". 

In diesem Fall hat der frisch gebackene Vater Thomas allerhand Probleme, seine Tochter in seinen Alltag zu integrieren. Da ist zunächst sein Mitbewohner Kai Stahl (Vincent Krüger), vor dem er seinen sexuelles Abenteuer mit den Worten rechtfertigt: "Die war damals heller."

"Familie Braun" ist zu vorhersehbar

Was folgt ist bisweilen amüsant, insgesamt aber doch erwartbar: Die sechsjährige Lara muss sich in dem eigentümlichen Männerhaushalt zurechtfinden und stellt dabei lauter naive Fragen. "Wer ist das?", will sie wissen, als sie das große Adolf-Hitler-Bild an der Wand sieht. "Warum guckt der so traurig?"

Beim Kostümtag in der Schule will sich die Kleine als Hitler verkleiden, den Schnäuzer hat sie sich mit weißer Creme an die Oberlippe gemalt. Keine gute Idee, findet Papa Thomas, "Deine Lehrer mögen den Hitler nicht so." Das versteht Lara gar nicht: "Wieso nicht, der ist doch lieb?"

Auf diesem harmlosen Niveau bewegt sich "Familie Braun" (Buch Manuel Meimberg). Er wolle mit der Serie die Brüchigkeit und den Stumpfsinn einer Ideologie entlarven, sagte Regisseur Maurice Hübner. Doch dazu hätte er seine Figuren ernst nehmen müssen. Das hätte bedeutet: Die Nazis müssten böse sein. Doch in der ZDF-Produktion sind es zwei stoffelige Dummbatzen, die niemand ernst nehmen muss und die vor einem sechsjährigen Kind kapitulieren. Dazu trägt auch die Besetzung bei: Edin Hasanovic ist ein großartiger Schauspieler - aber nimmt man gebürtigen Bosnier mit dem weichen Blick wirklich den harten Fascho ab?Entlarvt wird auf diese Weise nichts - außer der Harmlosigkeit öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Immerhin: Das ZDF setzt mit "Familie Braun" seine Weboffensive fort: Die acht Episoden sind vor der TV-Ausstrahlung bereits in der Mediathek zu sehen sowie bei YouTube. Ab dem 12. Februar zeigt das ZDF immer freitags zwei Folgen am Stück.

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