Markus Lanz tritt in die Fußstapfen von Johannes B. Kerner. Die erste Sendung ist gleich ein Knaller: Die unter Beschuss stehende Verona Pooth ist zu Gast. Im stern.de-Interview spricht Lanz über Existenzängste, sein Fluchtverhalten und sein Image als Womanizer. Von Sylvie-Sophie Schindler

Charming-Boy, Traum aller Schwiegermütter und jetzt auch noch Kerner-Nachfolger: Markus Lanz wechselt zu den Öffentlich-Rechtlichen© Roland Magunia/DDP
Sollte er einem Schwiegersohn-Test unterzogen werden, Markus Lanz würde ihn problemlos bestehen. Einen hemdsärmeligen Charming-Boy wie ihn hat man nachmittags gerne bei sich zu Kaffee und Kuchen - aber will man ihn auch spätabends noch sehen, nach einem langen harten Arbeitstag? Ab heute Abend wird der Ex-RTL-Moderator beweisen müssen, ob es ihm gelingt, Deutschland vor die öffentlich-rechtliche Glotze zu locken. Talkshow-Onkel Johannes B. Kerner geht in die Sommerpause, Lanz kommt. Das neue Talkformat "Markus Lanz" wird bis Anfang September dreimal wöchentlich ausgestrahlt, ab dem 6. Juni übernimmt der frisch gebackene ZDF-Moderator auch die Kernersche Kochshow.
Weil es auch jenseits des Boulevards ein spannendes Thema ist. Es geht zum Beispiel darum, wie es sein kann, dass ein kleiner Häuslebauer für jeden verbauten Dachziegel eine Lebensversicherung verpfänden muss, während sich offenbar Bankmanager an einem großen Namen aus der Showbranche besaufen. Es geht um die Frage, wie Verona Pooth, die sich selbst strategisch geschickt zur Marke aufgebaut hat, größeren Schaden von dieser Marke abwenden kann. Und es soll diskutiert werden, wie man als Partner mit einer finanziellen Krise umgeht.
Ich gehe davon aus, dass das nicht passieren wird.
Es wird unterschiedliche Gesprächssituationen geben, nicht nur Diskussionen in der großen Runde, sondern auch intensive Zweiergespräche. Auch werden wir nicht nur prominente Gäste einladen, sondern, unabhängig von ihrem Bekanntheitsgrad, auf Menschen setzen, die spannende Geschichten zu erzählen haben. Was die Themen betrifft, soll es eine bunte Mischung werden.
Mit Verona Pooth wird es ein Zweiergespräch geben. In einer größeren Runde wird unter anderem Udo Bauch zu Wort kommen. Er hat vor zehn Jahren die Zugkatastrophe von Eschede überlebt. Und es wird eine Diskussionsrunde geführt zum Thema: Elitekindergarten - ja oder nein?
Klar, es ist eine Hypothek. Aber ich betrachte es sportlich. Es geht nicht um Leben und Tod. Es ist einfach nur ein bisschen Fernsehen.
Er spielt nicht den Moderator, sondern er ist, wenn er vor die Kamera tritt, der Mensch Johannes B. Kerner. Er verstellt sich nicht. Die Fragen, die er seinen Gästen stellt, sind die Fragen, die ihn wirklich bewegen. Er hat eine natürliche Neugierde und ein immenses Wissen. Wer ihn hinter den Kulissen erlebt, weiß, dass er ausgesprochen uneitel ist. Ihm ist es egal, ob die Haare nach links oder rechts stehen oder ob er rasiert ist oder nicht, ihm geht es um die Sendung. Ein durch und durch professioneller Mann.
Ich habe mich eben sehr deutlich für ihn ausgesprochen.
Wer vor dem Bildschirm sitzt, die Bierflasche links, die Chipstüte rechts, der hat mitunter leicht reden. Man muss erst in derselben Situation sein, um urteilen zu können.
Ich würde es mir niemals antun, eine Aufzeichnung anzugucken. Mich selbst im Fernsehen zu sehen, bereitet mir fast körperliche Schmerzen. Aber ich erinnere mich gut an die letzte Minute, bevor ich vor die Kamera musste. Es war 20.14 Uhr und ich dachte, in genau einer Minute beginnt das Ende deines Fernsehdaseins. Ich war einen Moment lang völlig verzweifelt. Dann erinnerte ich mich an ein Telefonat mit Johannes B. Kerner. Er hatte mich kurz vor der Sendung angerufen und gesagt: "Ich weiß genau, wie du dich fühlst - aber geh einfach raus und genieße es." Dieser Satz hat mir enorme Kraft gegeben. Und als ich dann vor dem Publikum stand, dachte ich mir: Wo ist eigentlich das Problem?
Ein Sender hat ein bestimmtes Profil. Wenn man dazu passt, funktioniert das. Wenn man sich in eine andere Richtung entwickelt, gibt es keine Deckungsgleichheit. Und dann hat man irgendwann ein Problem. Es wäre allerdings falsch, das dann dem Sender vorzuwerfen.
Ich bin älter geworden - und ernsthafter (lacht).