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3. Juni 2008, 14:24 Uhr

Der neue Kerner kann nicht kochen

Markus Lanz tritt in die Fußstapfen von Johannes B. Kerner. Die erste Sendung ist gleich ein Knaller: Die unter Beschuss stehende Verona Pooth ist zu Gast. Im stern.de-Interview spricht Lanz über Existenzängste, sein Fluchtverhalten und sein Image als Womanizer. Von Sylvie-Sophie Schindler

Charming-Boy, Traum aller Schwiegermütter und jetzt auch noch Kerner-Nachfolger: Markus Lanz wechselt zu den Öffentlich-Rechtlichen© Roland Magunia/DDP

Sollte er einem Schwiegersohn-Test unterzogen werden, Markus Lanz würde ihn problemlos bestehen. Einen hemdsärmeligen Charming-Boy wie ihn hat man nachmittags gerne bei sich zu Kaffee und Kuchen - aber will man ihn auch spätabends noch sehen, nach einem langen harten Arbeitstag? Ab heute Abend wird der Ex-RTL-Moderator beweisen müssen, ob es ihm gelingt, Deutschland vor die öffentlich-rechtliche Glotze zu locken. Talkshow-Onkel Johannes B. Kerner geht in die Sommerpause, Lanz kommt. Das neue Talkformat "Markus Lanz" wird bis Anfang September dreimal wöchentlich ausgestrahlt, ab dem 6. Juni übernimmt der frisch gebackene ZDF-Moderator auch die Kernersche Kochshow.

Herr Lanz, es ist Ihre erste Talksendung - und Sie holen sich ausgerechnet Verona Pooth ins Studio, einen Dauergast der Medien und bereits vor wenigen Monaten erst Gast bei "Kerner". Warum?

Weil es auch jenseits des Boulevards ein spannendes Thema ist. Es geht zum Beispiel darum, wie es sein kann, dass ein kleiner Häuslebauer für jeden verbauten Dachziegel eine Lebensversicherung verpfänden muss, während sich offenbar Bankmanager an einem großen Namen aus der Showbranche besaufen. Es geht um die Frage, wie Verona Pooth, die sich selbst strategisch geschickt zur Marke aufgebaut hat, größeren Schaden von dieser Marke abwenden kann. Und es soll diskutiert werden, wie man als Partner mit einer finanziellen Krise umgeht.

Und was, wenn Verona, wie ehemals bei Kollege Kerner, plötzlich in Tränen ausbricht?

Ich gehe davon aus, dass das nicht passieren wird.

Inwiefern werden Sie den Sendungen einen eigenen Stempel aufdrücken?

Es wird unterschiedliche Gesprächssituationen geben, nicht nur Diskussionen in der großen Runde, sondern auch intensive Zweiergespräche. Auch werden wir nicht nur prominente Gäste einladen, sondern, unabhängig von ihrem Bekanntheitsgrad, auf Menschen setzen, die spannende Geschichten zu erzählen haben. Was die Themen betrifft, soll es eine bunte Mischung werden.

Was heißt das für Ihre erste Sendung konkret?

Mit Verona Pooth wird es ein Zweiergespräch geben. In einer größeren Runde wird unter anderem Udo Bauch zu Wort kommen. Er hat vor zehn Jahren die Zugkatastrophe von Eschede überlebt. Und es wird eine Diskussionsrunde geführt zum Thema: Elitekindergarten - ja oder nein?

Alle sprechen von dem schweren Erbe, das auf Ihren Schultern lastet, jetzt da Sie Kerner vertreten. Wie sehen Sie das?

Klar, es ist eine Hypothek. Aber ich betrachte es sportlich. Es geht nicht um Leben und Tod. Es ist einfach nur ein bisschen Fernsehen.

Ihr größtes Kompliment an Kollege Kerner?

Er spielt nicht den Moderator, sondern er ist, wenn er vor die Kamera tritt, der Mensch Johannes B. Kerner. Er verstellt sich nicht. Die Fragen, die er seinen Gästen stellt, sind die Fragen, die ihn wirklich bewegen. Er hat eine natürliche Neugierde und ein immenses Wissen. Wer ihn hinter den Kulissen erlebt, weiß, dass er ausgesprochen uneitel ist. Ihm ist es egal, ob die Haare nach links oder rechts stehen oder ob er rasiert ist oder nicht, ihm geht es um die Sendung. Ein durch und durch professioneller Mann.

Ihre größte Kritik an Kollege Kerner?

Ich habe mich eben sehr deutlich für ihn ausgesprochen.

Andere sparen nicht mit harten Worten.

Wer vor dem Bildschirm sitzt, die Bierflasche links, die Chipstüte rechts, der hat mitunter leicht reden. Man muss erst in derselben Situation sein, um urteilen zu können.

Ihr öffentlich-rechtliches Debüt gaben Sie bei der TV-Geburtstagsgala für Karlheinz Böhm. Wie beurteilen Sie Ihren ersten ZDF-Auftritt?

Ich würde es mir niemals antun, eine Aufzeichnung anzugucken. Mich selbst im Fernsehen zu sehen, bereitet mir fast körperliche Schmerzen. Aber ich erinnere mich gut an die letzte Minute, bevor ich vor die Kamera musste. Es war 20.14 Uhr und ich dachte, in genau einer Minute beginnt das Ende deines Fernsehdaseins. Ich war einen Moment lang völlig verzweifelt. Dann erinnerte ich mich an ein Telefonat mit Johannes B. Kerner. Er hatte mich kurz vor der Sendung angerufen und gesagt: "Ich weiß genau, wie du dich fühlst - aber geh einfach raus und genieße es." Dieser Satz hat mir enorme Kraft gegeben. Und als ich dann vor dem Publikum stand, dachte ich mir: Wo ist eigentlich das Problem?

Warum eigentlich nicht mehr RTL?

Ein Sender hat ein bestimmtes Profil. Wenn man dazu passt, funktioniert das. Wenn man sich in eine andere Richtung entwickelt, gibt es keine Deckungsgleichheit. Und dann hat man irgendwann ein Problem. Es wäre allerdings falsch, das dann dem Sender vorzuwerfen.

Inwiefern passen Sie aus Ihrer Sicht nicht mehr zu RTL?

Ich bin älter geworden - und ernsthafter (lacht).

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