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25. März 2011, 15:04 Uhr

Quote kaufen mit GEZ-Gebühren

Zwar kommen die neuen Gebühren erst 2013, aber ARD und ZDF klotzen jetzt schon. Vorbei am öffentlich-rechtlichen Auftrag in den Boxring und ins Fußballstadion. Von Bernd Gäbler

 
Medienkolumne, Bernd Gäbler, Chamopns League, Fußball,

Nikolai Valuev: Bald k.o. im Öffentlich-Rechtlichen?© David Ebener/DPA

Ist Zorn angemessen? Oder hilft nur noch resignatives Abwinken? Erneut provozieren ARD und ZDF alle Wohlmeinenden, die an deren gesellschaftlichen Auftrag glauben. Die so naiv sind, an Begriffen wie "Grundversorgung" oder "Journalismus" festzuhalten. Es geht um den Sport. Natürlich dürfen auch öffentlich-rechtliche Sender attraktiven Sport senden. Erst recht wenn sie ihn auch noch gut journalistisch aufbereiten. Was die ARD aber im Moment treibt, ist das glatte Gegenteil.

Offiziell will sie in drei Jahren 54 Millionen Euro für Profiboxen ausgeben. Tatsächlich schiebt die Arbeitsgemeinschaft unter Federführung des MDR einem einzigen Boxstall diese Summe zu: dem Veranstalter Sauerland. Das Profiboxen ist umstritten. Sogar unter Sportfreunden. Bei den privaten Sendern ist es angemessen und gut aufgehoben.

Bald k.o. in ARD und ZDF?

RTL hat es vermocht, aus einem sympathischen, aber recht langweiligen ehemaligen NVA-Offizier einen gesamtdeutschen "Gentleman-Boxer" (Henry Maske) zu machen und arbeitet heute mit den Klitschkos, starken und cleveren ukrainischen Brüdern, so zusammen, dass sie als deutsche Helden erscheinen. Der technisch eleganteste Faustkämpfer - eingedeutscht als "Felix Sturm" - kooperiert mit dem konkurrierenden Sender Sat.1. Der Rest ist sportlich weitgehend wertlos.

Zum Boxstall Sauerland gehören der zuletzt schwächelnde Artur Abraham, Nikolai Valuev und Marco Huck. Ansonsten Talente wie Edmund Gerber und Kubrat Pulev - schon mal gehört? Nein? Macht nichts! Auch wenn sie demnächst in der ARD am späten Samstagabend um schillernd benannte Titel kämpfen - es ist ohne Bedeutung. Erst recht wird es keinen Sportjournalismus geben, der dies angemessen würdigt. Was aber tatsächlich funktioniert: egal, wer da kämpft, zwei bis drei Millionen Zuschauer schauen immer zu. Wenn es richtig spät wird, macht das einen sehr guten Marktanteil aus. Indem die ARD 54 Millionen Euro der Gebührengelder einsetzt, um einen einzigen Boxstall zu subventionieren, kauft sie ganz einfach Quote. Mit einem öffentlich-rechtlichen Auftrag hat das nichts zu tun.

Das ZDF will die Champions-League

Jammern ist der offizielle Ton von ARD und ZDF: vorne und hinten reiche die Gebühr nicht mehr. Ein Sparprogramm nach dem anderen wird verkündet. Tatsächlich leiden freie Mitarbeiter, Autoren, manche Journalisten an der Basis darunter. Heimlich aber wird längst mit der satten Zulage kalkuliert, die es ab 2013 gibt. Dann muss jeder Haushalt zahlen. Mit einer jährlichen Gesamtsumme von mehr als acht Milliarden Euro ist zu rechnen - das am besten alimentierte öffentlich-rechtliche Rundfunksystem im weiten Erdenrund kann sich dann wieder etwas leisten.

Bessere Filme? Tolle Serien? Mehr Journalismus? Vielleicht auch. Aber zunächst einmal bietet das ZDF bei der UEFA mit, um dem privaten Konkurrenten Sat.1 die Übertragungsrechte an der Fußball Champions League abzuluchsen. Der UEFA ist es wurscht, wer am Ende zahlt. Das erste Zugriffsrecht auf die Spiele der europäischen Spitzenvereine hat bei uns der Bezahlsender Sky. Das frei empfangbare TV muss - so schätzen Insider - zusätzlich mindestens 50 Millionen Euro pro Jahr hinblättern. Das ZDF hat fristgerecht zum 22. März sein Gebot eingereicht. Es geht um die Rechte von 2012 bis 2015. Die Mainzer werden zur üblichen Preissteigerung noch einiges drauflegen, um sich von den ansonsten verpflichtenden Hinweisen auf die UEFA-Sponsoren frei zu kaufen.

Man darf getrost davon ausgehen, dass das ZDF bereit ist, eine Summe zwischen 180 und 200 Millionen Euro zu zahlen. Wie gesagt: es geht nur um die Rechtekosten. Alle Produktionskosten kommen noch hinzu. Auch hier gilt: Wenn der Ball rollt, stimmt die Quote! Und vor allem: Sat.1 soll in die Knie gezwungen werden! Was natürlich stets dann leichter ist, wenn man das Geld, das man ausgibt, nicht auch noch verdienen muss!

Gibt es wirklich keine Interessenvertreter in den Gremien, Kontrolleure im Rahmen der doch angeblich gut funktionierenden "Selbstverwaltung" des ZDF, die diesem unsinnigen Treiben und Geldverschwenden widersprechen?

Zur Person Bernd Gäbler, geboren 1953 in Velbert/Rheinland, ist Publizist und Dozent für Journalistik. Er studierte Soziologie, Politologie, Geschichte und Pädagogik in Marburg. Bis 1997 arbeitete er beim WDR (u.a. "ZAK"), beim Hessischen Rundfunk ("Dienstags - das starke Stück der Woche"), bei Vox ("Sports-TV"), bei Sat.1 ("Schreinemakers live", "No Sports"), beim ARD-Presseclub und in der Fernseh-Chefredaktion des Hessischen Rundfunks. Bis zur Einstellung des Magazins leitete er das Medienressort der "Woche". Von 2001 bis Ende 2004 fungierte er als Geschäftsführer des Adolf-Grimme-Instituts in Marl.

Von Bernd Gäbler
 
 
Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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