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Jan Böhmermann zeigt, wie rassistisch unsere Sprache ist

Menschen, die Flüchtlingsunterkünfte anzünden, nennen wir freundlich Asylkritiker. Rassisten heißen "vermutlich Rechte". Und Heimatvertriebene sind besser als Flüchtlinge. Jan Böhmermann hat die deutsche Sprache durchleuchtet.

Böhmermann Deutsch - German

Jan Böhmermann zeigt, dass Worte mächtiger sein können als Baseballschläger

Er kann es einfach nicht lassen: Bevor sich Jan Böhmermann am Donnerstagabend im "Neo Magazin Royale" mit dem rassistischen Gebrauch der deutschen Sprache befasst hat, setzt er einen Seitenhieb gegen Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Die hatten am Mittwoch mit einer beeindruckenden Videobotschaft Flagge gegen rechte Hetzer gezeigt. 

Böhmermann beginnt nun seinen Beitrag mit den Worten: "Wir müssen uns kein Statement aus den Rippen leiern, was wir von der Flüchtlingsdebatte halten. Das ist glaube ich allen klar." Dann jedoch widmet er sich dem eigentlichen Thema: der deutschen Sprache. Und knöpft sich gleich das furchtbare Wort "Asylkritiker" vor, das dieser Tage ständig verharmlosend für den rechten Mob verwendet wird. 

Was wirklich in diesem Begriff steckt, bringt Böhmermann folgendermaßen auf den Punkt: Asylkritiker sind in Wahrheit "besorgte Bürger, die kritisieren, dass Flüchtlinge in Häusern leben wollen, die nicht brennen". Zynisch, aber treffend.

IS-Terroristen sind auch bloß "Ungläubigenkritiker"

Böhmermann bleibt an dieser Stelle jedoch nicht stehen, sondern denkt die Implikationen weiter: Dieser Logik folgend ist ein IS-Terrorist einfach nur ein "Ungläubigenkritiker": "ein Mensch, der im Rahmen seines Rechts auf freie Meinungsäußerung die Tatsache kritisiert, dass Ungläubige ihren Kopf auf dem Hals tragen."


Dann aber knöpft er sich den Begriff vor, der im Kern der ganzen Debatte steht: "Flüchtling". Und definiert ihn folgendermaßen: "Flüchtlinge sind nichts anders als der Personenkreis, der in Folge des Krieges seine Heimat verloren hat und darum Teil der deutschen Gesellschaft werden will."

Wir absurd es ist, dass dieses Wort bei vielen Menschen zu Unrecht negativ konnotiert ist, belegt er, in dem er den Begriff "Heimatvertriebener" gegenüberstellt. In den Worten von Bernd Fabritius, dem Präsidenten des Bundes der Vertriebenen, sind Heimatvertriebene "der Personenkreis, der in Folge des Zweiten Weltkriegs die Heimat verloren hat, und heute Teil der deutschen Gesellschaft ist.“

Worin besteht denn nun der Unterschied zwischen Flüchtlingen (schlecht) und Heimatvertriebenen (gut)? Böhmermann macht die folgende Rechnung auf:

Für Flüchtlinge spricht, dass sie keinen Weltkrieg angefangen und keinen Völkermord begangen haben. Gegen sie: Sie sprechen nicht so gut Deutsch wie Bernd Fabritius. Da sich hier Plus und Minus aufhöben, so Böhmermann, gilt also die Gleichsetzung: Flüchtlinge = Heimatvertriebene. 

Die Folgerung daraus spricht er nicht aus, sie liegt aber auf der Hand: Wenn Deutschland nach dem Krieg Millionen Heimatvertriebener integrieren konnte, wird das wohl bei ein paar hunderttausend Flüchtlingen auch möglich sein. 

Kommentare (2)

  • stern-Moderation
    Wir verabschieden uns für heute und schließen die Kommentare unter diesem Artikel. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an sterncommunity@stern.de. /sdn
  • egelhof
    egelhof
    Auch wenn ich sonst kein Fan der überheblichen und arroganten Art von Jan Böhmermann bin, hat er in diesem Falle natürlich völlig Recht.

    Wer vor einem Asylheim pöbelt, Steine wirft oder Böller zündet, um die Menschen dort in Angst und Schrecken zu versetzen ist nicht "vermutlich rechts" sondern eindeutig rechts und eindeutig in menschenverachtender Mission unterwegs.

    Das hat auch nichts damit zu tun, dass man hinter das Gesamtkonzept der Politik in Sachen Flüchtlinge ein großes Fragezeichen machen kann und vielleicht auch sollte. Denn vor den Büros der Politiker demonstriert niemand.

    Es wird immer nur gegen Menschen gepöbelt, die sich nicht wehren können. Und wenn mal kein Hartz4-Empfänger in der Nähe ist, dann sind es eben die Flüchtlinge, oder die Homosexuellen, oder irgendeine andere Gruppe von Menschen, die man glaubt unterdrücken zu müssen.

    Ich bin ja Atheist und ich glaube selbst die Katholiken haben die Vorhölle mittlerweile abgeschafft, aber für solche Menschenverächter würde ich sie gerne noch einmal einführen, wenn ich könnte. Alternativ tuts vielleicht auch ein schönes Gefängnis, in dem die ganzen Krawallanten mal drüber nachdenken können, ob das noch was mit Menschlichkeit zu tun hat.
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