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9. Juli 2009, 06:24 Uhr

Das Programm zur Krise

Die Krise. Sie ist da. Auch RTL wird nicht verschont. In Hamburg präsentierte Senderchefin Anke Schäferkordt jetzt das Programm zur Flaute. Und das bedeutet: keine großen Experimente, keine neuen Aushängeschilder. Man weiß, was man hat. Und das muss reichen. In Zeiten wie diesen. Von Katharina Miklis

RTL, Anke Schäferkordt, Jauch, Geissen, Rach, Bause

Schönwetter trotz Krise: RTL setzt in der kommenden Saison auf Bewährtes wie "Bauer sucht Frau" mit Inka Bause© RTL

Bei RTL greift der Zwegatismus: Während der Schuldenberater Peter Zwegat in seiner Dokusoap erfolgreich den Filzstift ansetzt, muss nun auch der Sender besser haushalten. Und das will er machen, indem er verstärkt auf bewährte Programme wie eben Schuldenberater Zwegat setzt. "Wir müssen unsere Hausaufgaben machen", sagte Schäferkordt im Gespräch mit stern.de. Und das heißt für RTL sparen: an Produktionskosten, an großen Events. Dafür noch mehr Doku-Soaps, als es ohnehin schon gibt. "Man muss sich auf Formate konzentrieren, die dem Sender ein Gesicht geben", glaubt Schäferkordt. Im Fall RTL bedeutet dies vor allem "Deutschland sucht den Superstar", "Die Super-Nanny" oder "Bauer sucht Frau".

"Krise bedeutet Unruhe und Ängste. Da rufen die Zuschauer nach Bewährtem und etablierten Erfolgsformaten", meint die Senderchefin. Den ansehnlichen Marktanteil von 16,7 Prozent im ersten Halbjahr 2009 will man sich nicht durch risikoreiche Neuerungen kaputt machen. Auch bei den US-Serien setzt man daher auf Bewährtes wie "Dr. House" oder "Monk". Es muss gespart werden. Am besten da, wo es der Zuschauer nicht sieht, so Schäferkordt. Aus diesem Grund wird der Zuschauer künftig am frühen Morgen und späten Abend nicht mehr die gewohnte Dichte an Erstausstrahlungen vorfinden. Außerdem will man sich in Köln nun auf Langlauf-Formate konzentrieren und weniger auf große, einmalige und vor allem teure TV-Events und -Shows setzen, die laut Schäferkordt alleine im Auf- und Abbau sechsstellige Kosten verursachen.

Auch personell setzt RTL nicht auf große Neueinkäufe. "Neuzukäufe im großen Stil, wie Sat1 sie gerade tätigt, haben wir nicht nötig", betont Schäferkordt. Günther Jauch bleibt Hauptaushängeschild. "Wer wird Millionär?" feiert im Herbst zehnjähriges Jubiläum mit einer Sondersendung. Außerdem moderiert Jauch eine Eventshow mit dem Arbeitstitel "Das große Ost-West-Duell - Ist die Mauer wirklich weg?", in der Ost- und Westdeutsche getestet werden, was sie eigentlich voneinander wissen. Die zunächst einmalige, von Oliver Pocher moderierte Quizsendung "5 gegen Jauch" soll voraussichtlich bereits im September ausgestrahlt werden. Im Erfolgsfall, so Schäferkordt, sei eine Fortsetzung denkbar. Wie sich das jedoch mit Pochers im Oktober beginnendem Exklusiv-Vertrag bei Sat1 vereinen ließe, fragte sich manch einer am Rande des Hamburger Programm-Screenings.

Mehr Nannys, mehr Zwegats, mehr Rach

Auch Restauranttester Christian Rach bleibt ein wichtiger Name, gewinnt sogar an Bedeutung. Er bekommt eine neue Sendung: "Rachs Restaurant" wird eine Castingshow für arbeitslose Köche, mit deren Hilfe der Hamburger Sternekoch sein neues Restaurant eröffnen will.

Stillstand bei RTL. Kostengünstigere Real-Life- und Coachingformate behalten weiterhin einen hohen Stellenwert. Moderatorin Julia Leischik wird künftig in der Primetime bei "Vermisst" nach verschollenen Personen suchen, Vera Int-Veen soll in "Das große Abnehmen" eben dieses bei einer schwergewichtigen Truppe vorantreiben. Die Coachingformate "Endlich wieder Arbeit!" und "Nachbarschaftsstreit - Kolb greift ein", deren Konzepte sich nahezu von selbst erklären, sind zwar neu im RTL-Programm, jedoch hat man Sendungen wie diese so oder so ähnlich schon längst und zuhauf woanders gesehen.

Lesen Sie auf Seite 2 welchen furchtbaren Trend den Zuschauer im neuen RTL-Nachmittag erwartet und warum man auf das Dschungelcamp verzichtet

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KOMMENTARE (10 von 18)
 
Buchmueller (09.07.2009, 16:46 Uhr)
@dokuseife
Zitat: "Wahrscheinlich sind breite Teile der Bevölkerung gar nicht mehr in der Lage komplexen Erzählformen zu folgen."
Nicht die Bevölkerung sondern 99% der TV-Schaffenden sind zu doof.
marihuhna (09.07.2009, 16:32 Uhr)
Dokuseife
Deutschland ist wirklich ganz vorne dabei wenn es um das mieseste Fernsehprogramm geht. Man hat nicheinmal ein hochwertiges PayTV Angebot als Alternative. Aber jedes Volk kriegt das Programm, das es verdient. Und unser Bevölkerung schreit nach Unterschichten-TV und Sozialpornos a la Zwegert und Supernanny. Wahrscheinlich sind breite Teile der Bevölkerung gar nicht mehr in der Lage komplexen Erzählformen zu folgen. Danke Bertelsmann, gut gemacht! Schade um das Land der Dichter und Denker.
ailenrog (09.07.2009, 14:43 Uhr)
gähn...
wer schaut schon RTL?!?
Tom3 (09.07.2009, 13:01 Uhr)
...ich hätte da eine ganz radikale u. neue Lösung..
...man könnte doch die Sender in einem Wettstreit um die Lizenzen filmisch begleiten, sowas gabs noch nie!
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Mir schwebt da auch ein Jury vor, die dann die einzelnen Sender bewerten könnten.
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Die Jury müsste natürlich mit absoluten Experten besetzt sein, meine Vorschläge wären da: Elton, die Pooth u. evtl. Dirk Bach, den sieht man nämlich viel zu selten im Fernsehn...
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Das wäre doch mal was völlig neues oder? Stellt euch mal vor, ein Casting live im Fernsehen, wo gibts denn sowas sonst zu sehen...
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wow, so kreativ war ich glaub ich schon lange nicht mehr :-))
bob-der-meister (09.07.2009, 12:14 Uhr)
@Buchmüller
Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Ich denke auch, dass es nicht sein darf, dass ein TV-Sender mit dem Blick auf Quote unbegrenzt jegliche Qualitätsstandards unterschreiten und pervertieren kann.
Der viel beschworene "mündige Bürger" lässt sich durch immer seichtere Unterhaltung beliebig manipulieren und im Interesse einer kleinen Wirtschafts- und Politikerelite durchverarschen. Ich empfehle "Die verblödete Republik" von Thomas Wieczorek zur Lektüre.
Buchmueller (09.07.2009, 12:07 Uhr)
Ich kann es nicht mehr hören...
"keiner muss gucken" dieses Argument taucht in allen Threads zum Thema TV auf. Es ist einfach eine dummes Argument, denn RTL etc. senden auf Lizenzen die der Staat, also die Allgemeinheit vergeben. Mit diesen von uns vergebenen Lizenzen verdienen die Sender Millionen ohne irgendeine gegeleistung zu bringen von Wert. Die großen Sender haben die Lizenzen offenbar auf "Ewig" und verstellen damit TV-Veranstaltern den Zugang zum Markt, die möglicherweise weniger Rendite aber besseren Inhalt anstreben. Die diskussion müßte eigentlicgh dahin laufen, dass TV-Lizenzen an ein Unternehmen maximal 5 jahre vergeben werden um die Medien- Kunst- und Meinungsvielfalt zu erhöhen. Es gibt keinen gesellschaftlichen Grund warum Bertelsmann/RTL dauerhaft eine Lizenz haben sollten.
Buchmueller (09.07.2009, 11:59 Uhr)
Diese Dame ist ein Fluch
gestählt in der Buchdrückerzentrale von Bertelsmann in Gütersloh, ohne Seele, ohne Herz, ohne Ideen oder Visonen nicht mal mit Verstand. Wer, wie frau Schäferkordt zum Format - Eltern auf Zeit - tatsächlich sagt, man müsse als Marktführer seiner gesellschaftlichen Rolle gerecht werden , und der Jugend zeigen was es heißt ein Kind zu haben, der glaubt auch man müsse 1000 G&J Redakteure kündigen um bessere Zeitungen zu machen. Das Dilemma ist, dass Buchhalter heute die Inhalte bestimmen und nicht die Kreativen. Und dort wo die Inhalte entstehen, arbeiten keine Redaktuere mehr, oder Regisseure, oder simpel Autoren oder Journalisten sondern MEDIENGESTALTER. Die Branche hat sich verändert, die Branche ist tot.
tepes (09.07.2009, 11:52 Uhr)
die Volksverblödung muss weitergehen
jaja die Krise, ist es nicht schön was man jetzt alles der Krise in den Schuhe schieben kann...
Die Volksverblödung geht weiter und RTL schiebt sein niveauloses Programm auf die Krise.Herrlich, das sagt schon alles über den Sender.
Zum Glück ist dieser Sender bei meinem Fernseher auf einer der letzten Programme, so dass ich noch nichtmal bei zappen darauf stoße. Empfehle es allen, die genauso denken wie ich ;)
papaleo2000 (09.07.2009, 11:20 Uhr)
ARTE/ARTE HD 3SAT
ARTE bzw. ARTE HD, 3SAT. BR waren doch seit Langem der RTL/ProSieben-Gruppe weit überlegen,
Fernbedinung in die Hand nehmen und einfach die Knöpfe drücken.
mister-mister (09.07.2009, 11:13 Uhr)
RTL - und man kriegt die Krise !!
Auch wenn ich mich schon lange aus der RTL-Quote verabschiedet habe - außer sporadischen Ausrutschern ist da nichts für mich - gebe ich frank_aus_genf vorbehaltlos recht.
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Keiner wird gezwungen, sich den angebotenen Müll reinzuziehen. Habt Ihr etwas Wertvolleres als Eure Zeit? Und die dann DAFÜR verblasen?
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Aber nun ja. Solange die Quoten sich wunschgemäß entwickeln, ist die Senderchefin ja auf dem richtigen Weg und das geistige Prekariat bekommt sein Futter geliefert. Jedem das Seine halt.
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