Wie ARD und ZDF die Fußball-Millionen ausgeben sollten

11. Juli 2013, 20:04 Uhr

Rund 100 Millionen Euro soll RTL für die Rechte an 20 Qualifikationsspielen der Nationalelf bezahlt haben. Geld, das ARD und ZDF nun anderweitig investieren können. Wir hätten da ein paar Wünsche. Von Carsten Heidböhmer

ARD, ZDF, Fußball, Programm,

ARD und ZDF haben viel Geld - und könnten es noch viel sinnvoller investieren©

Die Überraschung war groß, als RTL-Programmgeschäftsführer Frank Hoffmann am Mittwoch verkündete, dass RTL künftig vier Jahre lang die Qualifikationsspiele der Fußball-Nationalmannschaft übertragen wird. Denn die liefen bisher immer bei ARD und ZDF. Entsprechend gereizt reagierten die öffentlich-rechtlichen Sender auf den Coup: "Wir haben die Entscheidung der Uefa zur Vergabe der Qualifikationsspiele der deutschen Nationalmannschaft für die EM 2016 und die WM 2018 zur Kenntnis genommen", heißt es schmallippig in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Bei näherer Betrachtung besteht jedoch keineswegs Grund zur Trauer. Denn RTL muss für die Übertragungsrechte tief in die Tasche greifen. Insiderschätzungen zufolge soll der Kölner Sender 100 Millionen Euro für das Paket von 20 Spielen berappt haben. Eine Stange Geld, das ARD und ZDF einsparen und anderweitig ausgeben können. Wir haben da einige Vorschläge.

Gute Dokumentationen produzieren

Kaum vernünftige Sendeplätze, geringe finanzielle Ausstattung: Bei ARD und ZDF werden Dokumentationen stiefmütterlich behandelt. Hiesige Dokfilmer und Reportagekünstler sitzen auf dem Hungerast. Wie man es richtig macht, zeigt seit vielen Jahren die BBC: Der Sender produziert Dokus, die in puncto Erzählweise, Technik und Visualisierung Standards setzen. Die thematische Bandbreite ist gewaltig und umfasst Natur ("Walking with Dinosaurs"), Geschichte ("Die Geschichte des Menschen"), Politik, Medizin und Gesellschaft. Dafür greifen die Briten tief in die Tasche. Eine einzige Folge kann schon mal eine oder zwei Million Euro kosten. Doch das Geld ist gut angelegt: Weil diese Filme spannender sind und besser aussehen als andere Dokus, verkaufen sie sich hervorragend auf dem Weltmarkt. Auf diese Weise holt die BBC einen Großteil der investierten Summe wieder rein. ARD und ZDF sollten von dem Vorbild lernen - und schnellstens vernünftige Budgets für Dokus lockermachen.

Hochwertige ausländische Serien einkaufen ...

Wer sich für gute Fernsehserien interessiert, guckt bei ARD und ZDF fast immer in die Röhre. Denn die spannenden und zeitgemäßen Stoffe werden in den USA oder in England produziert. Selbst Skandinavien hat uns schon überrundet. Mit Serien wie "Mad Men" oder "Downton Abbey" lassen sich vergnügliche Zeitreisen in die Vergangenheit unternehmen, "Game of Thrownes" entführt den Zuschauer in ein abenteuerliches Paralleluniversum, und Produktionen wie "Homeland" oder "The Wire" liefern Analysen der Gegenwart, die zugleich unterhaltsam und lehrreich sind. Einige dieser Serien wurden auch in Deutschland ausgestrahlt - ohne großen Erfolg. Denn entweder wurden sie auf schlechten Sendeplätzen gezeigt - oder gleich in den Spartenkanal gesteckt. Hier muss ein Umdenken stattfinden: Die Öffentlich-Rechtlichen sollten noch viel mehr gute Serien einkaufen und sie dann auch angemessen präsentieren. Zu vernünftigen Sendezeiten. Und: Warum nicht auch mal im Original mit Untertitel? Man kann den Zuschauern mehr zumuten, als die Redakteure in ihren Amtsstuben denken.

... und vernünftige eigene Serien produzieren

"Schwarzwaldklinik", "Der Landarzt", "Forsthaus Falkenau" - lange Zeit vermittelten öffentlich-rechtlichen Serien ein Bild von Deutschland, das idelogisch den Heimatfilmen der 50er Jahre näher Stand als dem Leben im 21. Jahrhundert. Diese Zeiten sind zwar gottseidank vorbei, dafür krankt das Serienprogramm von ARD und ZDF an einer Schwemme von Krimis, fast alle mit Heimatbezug. Also auch nicht wirklich besser. Dabei machen Amerikaner und Briten vor, wie man auch aus schwierigen Stoffen gutes Fernsehen machen kann. Warum also nicht mal eine fiktionale Serie über einen Kriegsheimkehrer aus Afghanistan? Oder die Schattenseiten des Berliner Politbetriebs. Dass das funktionieren kann, hat Dominik Graf mit seiner Serie "Im Angesicht des Verbrechens" über die Russenmafia in Berlin bewiesen. Hier sollten die Sender Geld in die Hand nehmen - denn gutes Fernsehen ist teuer. Und dann vor allem Mut zu ausgefallenen Stoffen zeigen. Und nicht verzagen, wenn die Quote nicht so berauschend ist - Qualität ist auch ein Wert!

Mehr gute Fernsehfilme bitte!

Auf diesem Gebiet weisen ARD und ZDF viel Positives auf. Filme von Matti Geschonnek, Roland Suso Richter oder Hermine Huntgeburth - um nur drei Beispiele zu nennen - sind gut gemachtes, anspruchsvolles Fernsehen. Leider ist das viel zu selten. Freitagabends veranstaltet die ARD nach wie vor Niveaulimbo mit unsäglichen Schmonzetten, in denen gefühlt fast immer Christine Neubauer die Hauptrolle spielt. Hier ist noch viel Luft nach oben. Wenig besser sieht es bei den öffentlich-rechtlichen Historienfilmen aus. Geschichte ist hier identisch mit den zwölf Hitlerjahren. Die einzig neue Tendenz: In der letzten Zeit sind erschreckend oft Deutsche unter den Opfern. Deswegen die ultimative Forderung an die Fernsehredaktionen: Zehn Jahre keinen Filme, die auch nur im Entferntesten mit den Jahren zwischen 1933 und 1945 zu tun haben. Stattdessen einfach mal ein Geschichtsbuch kaufen und schauen, was es noch für interessante Epochen, Vorgänge und Figuren in der deutschen Historie gibt.

Werbung abschaffen

Es war noch nie einzusehen, weshalb der öffentlich-rechtliche Rundfunk Werbung sendet, obwohl er mit rund acht Milliarden Euro im Jahr finanziell mehr als üppig ausgestattet ist. Mit dem bei den Qualifikationsspielen eingesparten Geld können sich ARD und ZDF endlich einen Ruck geben - und den Zuschauern ein werbefreies Programm gönnen. Davon würden auch die Privatsender profitieren, die mehr Einnahmen generieren könnten. Was auch deren Qualität zugute kommen dürfte.

Senkung der GEZ-Gebühren

17,98 Euro pro Monat, 215,76 Euro im Jahr - so viel muss jeder Haushalt dafür ausgeben, ARD und ZDF empfangen zu dürfen. Der Gegenwert ist oft mager. Deswegen sollte wie oben beschrieben in die Qualität investiert werden. Daneben könnte aber auch die Zwangsgebühr gesenkt werden. Unser Vorschlag: eine fünfprozentige Dividende auf die eingezahlten Gebühren.

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