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1. Februar 2010, 08:21 Uhr

Möchtegern-Mystery mit Moorleichen

Kommissarin Charlotte Lindholm knallt mit dem Auto gegen einen Baum, verliert ihr Gedächtnis, jagt Phantome in der Pampa und findet Drogen beim Biobauern. "Vergessene Erinnerung" ist der Titel dieses "Tatorts", den man tatsächlich nur auslöschen kann. Von Kathrin Buchner

Furtwängler, Charlotte Lindholm,

Die Folgen ihres Autounfalls lassen Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) nicht los© Christine Schröder/NDR

"Friesengrün" steht auf dem Wegweiser zum Biobauern. Die Karotte und die Tomate auf dem Schild sehen lustig aus, weil sie Augen haben und zum Lachen weit aufgerissene Münder. Wenn man zu viel gekifft hat, verzerren sich diese Grinsegesichter garantiert zu grausamen Grimassen. Wie eigentlich alles in diesem ammerländischen Dorf, Schauplatz des "Tatorts", zum Horrortrip wird: Die Dienstfahrt von Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) endet an einem Baum und mündet in eine kurzzeitige Amnesie. Eine holländische Kommissarin entpuppt sich als Hobby-Dealerin. Und der Biobauer ist ein Drogenhersteller, der in einem Bunker unter seinen ökologisch wertvollen Gemüsefeldern Cannabis-Pflanzen in solch Massen züchtet, dass damit ganz Niedersachsen in einen kollektiven Rausch versetzt werden könnte.

Ja, man ahnt es schon, die Handlung ist so krude wie der Aufbau, funktionieren doch Krimis eigentlich so: Erst wird eine Leiche gefunden, dann kommen die Ermittler. Bei der niedersächsischen Kommissarin Lindholm ist das anders: Die ist wie immer stur und dickköpfig und bleibt so lange an einem Ort, an dem sie Verbrechen wittert, bis es endlich einen oder gleich mehrere Tote gibt. Das macht die Geschichte langatmig und spannungsarm.

Billiger Abklatsch von "Twin Peaks"

In der Folge "Vergessene Erinnerung" beißt sich die eiskalte Analystin an ihren eigenen Flashbacks fest: Nach einem Unfall wacht sie in einem Krankenhaus irgendwo in der niedersächsischen Pampa auf, hat Einstichlöcher im Arm und erinnert sich vage an einen Jungen in einem roten Regenmantel, dem sie ausweichen wollte, und einen Mann, der auf der Straße lag. Sie findet einen Knopf, der zu einem Trenchcoat gehört. An den klammert sie sich wie an einen seidenen Faden, jagt Phantome und wird am Ende zwei Moorleichen und einen toten Bauern gefunden haben.

Regisseurin Christiane Balthasar kreiert einen billigen Abklatsch von "Twin Peaks": Die Schnitte gaukeln eine Möchtegern-Mystery-Atmosphäre vor, Lindholms Dämmerzustand wird in surreale Bilder und albtraumhafte Visionen gegossen. Im Dorf gibt es nur verschrobene Gestalten, unter anderen eine resolute Wildschweinjägerin, einen saufenden Erbschleicher, einen gutmütigen Autoschrauber, und alle hüten sie ein Geheimnis. Die Mitglieder der Dorfclans liegen im Clinch und jagen sich gegenseitig Grundstücke ab. Die Drehbuchautoren Dirk Salomon und Thomas Wesskamp ziehen immer noch weitere, verwirrende Handlungsschleifen ein. Da dealt der Sohn des Dorfpolizisten mit der holländischen Drogenmafia, dann wird im Moor nach Erdgas gesucht.

Allein die Bilder sind traumhaft schön. Getreidehalme neigen sich theatralisch im Wind. Idyllische Backsteinhäuschen stehen in sattgrüner Landschaft, durch die am Ende Lindholm mit dem Lastwagen des falschen Biobauers heizt, außen prangt das Logo mit dem grinsenden Gemüse, innen lagert tonnenweise Dope als Faustpfand für den entführten Sohn. Und die Moral von der Geschichte: Landluft macht ziemlich gaga, zu viel Gemüse verursacht Blähungen. Man fühlt sich wie auf einem schlechten Trip bei diesem "Tatort" und wünscht sich einen temporären Gedächtnisschwund für die vergangenen 90 Minuten.

Von Kathrin Buchner
 
 
KOMMENTARE (10 von 58)
 
felice4711 (02.02.2010, 17:09 Uhr)
Immer dieselben
Neidhammel, die vor lauter Sozialneid nicht in der Lage sind, eine gescheite Kritik abzugeben. Allein das von einigen hier gern so genutzte "Frau Burda" und der Hinweis "Milliardärsgattin", die anderen einen Schauspieljob wegnimmt, zeugt von Missgunst und Ungebildetheit. "Frau Burda" heißt nach wie vor Frau Furtwängler und hat es nicht nötig, sich einen "Milliardärsgatten" zu angeln. Ihre Vita und ihr Stammbaum sprechen eine andere Sprache, die der dumme Pöbel hier nun eben nicht versteht. Ob ein Tatort nun öd oder spannend ist, sollte man nicht von seiner eigenen fehlenden Lebensleistung abhängig machen. Es trifft sich hier eine Bagage (gerne für die Angesprochenen zum Mitsprechen: Bagaasche), die eigentlich besser im BILD-Forum aufgehoben wäre.
Arancia (02.02.2010, 14:57 Uhr)
@tabularasa - Emanzipation?????
Darüber redet unsere Generation nicht mehr, das sind wir!
Diese Rolle der Lindholm ist doch ein einziger Quatsch. Als ob man sich einen Freund einfach so ranziehen kann, um seinen Kurzen von ihm grossziehen zu lassen, während man selber Mörder jagt.
Das ist doch einfach irreal.
Passt aber ganz gut zur Furtwängler.
Heutzutage sieht der Alltag dagegen doch völlig anders aus. Da muss man Organisationsprofi sein, jeder Tag stellt einen da vor neue Überraschungen.
Nee danke, diesen etablierten Idealokitsch einer Gesellschaft brauchen wir echt nicht!
schlusi09 (02.02.2010, 10:56 Uhr)
@brokatjacke und alle die Eingeschlafen sind
@brokatjacke: kommt natürlich aus das jeweilige Gehirn an;-)...........
und an die Eingeschlafenen: wer schläft tut wengistens nichts und sollte sich jeglichen Kommentares enthalten!!!!
allesklar (02.02.2010, 04:05 Uhr)
@Kathrin Buchner
sie sind unglaublich talentiert zu schreiben.
tabularasa (01.02.2010, 21:36 Uhr)
@Elysia
Unwahr und uninformiert - kaum ein deutscher Promi engagiert sich so immens, wie Fr. Furtwängler... da würde schon eine Schnellrecherche auf ihrer Homepage oder etwas Kenntnis der Charity-Kultur hier in der BRD helfen...

Niemand zwingt zum Einschalten, niemand zwingt zum Kaufen/Lesen von Focus o. SuperIllu...

... also derartige Kritik hat nichts, hat null, hat niente, nada mit dem gestrigen Tatort zutun.

Nur weil man mehr oder weniger auf dem Konto hat, heißt das doch NICHT, dass man nicht trotzdem weiterhin arbeiten darf.

Würde man "Reichen" das Spielen verbieten (um ärmere sozusagen vorzulassen), dann wären Clooney, Gere, Cruise nicht mehr auf Mattscheibe und Leinwand zu sehen, Das würde auch nicht jedem passen.

Kann nur wiederholen - für mich in diesem noch jungen Jahr der BESTE TATORT, ich bin gespannt, wie lange er sich da halten kann.

PS: die Story WAR anspruchsvoll, hat man nicht wirklich aufgepasst, dann konnte man tatsächl. kluge Details überhören/sehen... (siehe das Auto-Bsp.).

Bravour für die lohnende Investition meiner GEZ
trillhelm (01.02.2010, 20:57 Uhr)
Nörgel
Mir passt dies nicht, mir das nicht.
Da stimmt was nicht und dort auch nicht.
Jaja, warum guckt ihr denn überhaupt einen Film???
immer das gleiche. Man, das ist eine erfundene Story, die in 90 Minuten erzählt wird. Da kann schon mal das ein oder andere Detail auf der Strecke bleiben. Und wen es nicht passt, der sollte lieber die Glotze ausschalten und besser Radio hören oder ein Buch zur Hand nehmen.
ach Übrigens, an die, die mal zwischenzeitlich auf dem Klo waren: das auto hat der Mitbewohner mitgebracht!
Elysia (01.02.2010, 20:48 Uhr)
Selbstverwirklichung
@tabularasa: Vollkommen Ihrer Meinung. Das ist ein Kernproblem unserer Gesellschaft, die Selbstverwirklichung von Milliardärsgattinnen zu ermöglichen. Die armen sollen ja nicht bloß sinnlos in Charityprojekte ihre Zeit investieren, sondern eine wirkliche Aufgabe bekommen, am besten hohe Gagen erzielt aus den Gebühren aller Normal- und Kleinverdiener. Wäre ja noch schöner, wenn man eine gleich- oder mehrbegabte "normale" Schauspielerin drankommen ließe. Es ist nur recht und billig, dass wir den Eliten auch ihre Kreativitätsprobleme finanzieren, nachdem wir sie schon schwerreich gemacht haben.
tabularasa (01.02.2010, 19:26 Uhr)
By the way...
...liest an hier quer, wird man das Gefühl nicht los, dass hier der/die ein oder andere ein bisschen NEIDISCH auf diese brilliante Schauspielerin ist. Nur weil man finanziell ausgesorgt hat, muss man doch nicht das brave Weibchen incl. Kinder, Küche, Kirche spielen, sondern darf sich wohl auch noch selbst verwirklichen....

Da merkt man immer, wie weit es doch mit der Emanzipation bei vielen her ist... *sfz*

Gerade bei dem Furtwängler'schen Talent wäre das doch Perlen vor die Säue, absolute Verschwendung... ist ja nicht so, dass wir Schauspielgrößen (neben Schweighöfer) en masse haben, die sich auch international klasse machen (könnten)...

Für mich verkörpert diese alleinerziehende, berufstätige Mutter a la Lindholm das Dilemma und Ideal zugleich der aktuellen Situation der Frauen.

Das ist so viel mehr realitätsnahe Gesellschaftskritik, als beim letzten Pseudo-Opfer-Tatort aus S'brücken... da sag ich laut und deutlich: BRAVO, mehr davon!
brokatjacke (01.02.2010, 19:10 Uhr)
BTM...
Es gibt reichlich Fernsehformate, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Da schläft nach fünf Minuten jedes Gehirn ein...
DaMa (01.02.2010, 17:54 Uhr)
Es war zum Einschlafen?
Ich BIN eingeschlafen!
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