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20. März 2011, 08:30 Uhr

Viel Bieber, kaum Fieber

Man hatte gehofft, dass er nun einen entspannten Abgang hinlegen würde. Jetzt, wo sein Abschied feststeht. Aber Thomas Gottschalk wirkte in seiner Augsburger Show eher lustlos und fahrig. Kein Wunder, dass mancher Gast schnell das Weite suchte. Da konnte auch Justin Bieber nichts retten. Von Katharina Miklis

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Justin Bieber und Thomas Gottschalk am Samstag bei "Wetten, dass ..?" in Augsburg© Karl-Josef Hildenbrand/DPA

Thomas Gottschalk wird versöhnlich auf seine alten Tage. Es ist schon ein paar Jahre her, da bezeichnete er die damalige MTV-Moderatorin Jasmin Gerat noch öffentlich als "Szene-Opfer". Die schrieb ihm einen gepfefferten Brief in der "Bild am Sonntag" zurück. Bei der 194. Ausgabe von "Wetten, dass ..?" aus Augsburg, der ersten Show nach der Verkündung von Gottschalks Rücktritt, gab es die große Versöhnung auf der Couch. Man spricht wieder miteinander. Zwangsläufig.

Über weite Strecken des Abends sah es auf dem Sofa von Gottschalk, der sich gerade auf Raten von "Wetten dass ..?" verabschiedet, nämlich recht leer aus. Und das, obwohl Gottschalk eine ordentliche Gästeliste vorzuweisen hatte. Teeniestar Justin Bieber war da, Show-Veteran Udo Jürgens - eigentlich ein gutes Programm, um gegen Dieter Bohlen, der bei RTL einen Bieber-Klon auf der Bühne hatte, anzustinken. Jedoch: der eine ging zu früh, der andere kam viel zu spät. Die ursprünglich angekündigte Sängerin Adele sowie die Schauspieler Thomas Kretschmann und Nadja Uhl kamen gar nicht. Dazwischen gab's nur eine Menge heiße Luft und einen lustlosen Moderator, der nicht etwa noch einmal so richtig fiebrig aufdrehte, sondern in Gedanken schon bei seiner Abschieds-Sendung in Mallorca zu sein scheint. Vielleicht haben ihm die vielen Nachrufe nach seiner Abschiedsverkündung den Druck genommen, den er mehr brauchte als gedacht.

Gottschalk macht sich lustig über den Bubi

Immerhin: Die euphorischen Fans, für deren Betreuung das Jugendamt in Augsburg extra ein paar Sozialarbeiter abbestellt hatte, mussten nicht allzu lange warten. Nach etwas Geplänkel mit Til Schweiger und Jasmin Gerat über deren Kinoerfolg "Kokowääh" und dem Auftritt von Herbert Grönemeyer, der seinen neuen Song "Schiffsverkehr" allerdings nur als Playback performte, kam US-Teenpop-Phänomen Justin Bieber schon vor 21 Uhr auf die Bühne. Zwar machte sich Gastgeber Gottschalk anfangs noch lustig über den Bubi - "nicht dass der uns in die Sofaritze fällt" - zeigte sich dann aber ganz begeistert von dem 3D-Kinofilm über den 17-Jährigen, der gerade in den Kinos läuft. Vielleicht weil Gottschalk die Aussage von Biebers Song- und Filmtitel "Never say never" nicht ganz fremd ist.

Die Fans kreischten, Bieber zeigte ein paar Tanzbewegungen und knackte innerhalb von knapp drei Minuten einen Zauberwürfel. Nachdem er zwei Songs performt hatte, posierte der liebe Bieber auch noch eher unfreiwillig mit dem Moderatoren und Gottschalk-Perücke, und schien nicht ganz unglücklich darüber, dass er als Minderjähriger die besten Gründe hatte, schnell ins Bett zu kommen. Auch Herbert Grönemeyer hielt nichts mehr in der müden Sofarunde. Er verschwand dankbar mit Bieber. "Du kannst auch gern bleiben", versuchte Gottschalk noch seine Runde zu retten. "Nee, nee, schon ok", sagte Grönemeyer. Weg war er.

Der ganz normale Wahnsinn

ZDF-Kollege Markus Lanz, insgeheim auch als Gottschalk-Nachfolger gehandelt, versuchte die Lücken zu stopfen. Und schon verabschiedete sich der nächste Gast von der Couch: Til Schweiger musste dringend los. "Der große Bruder, Thomas, du musst verstehen, er wird 50." Weg war er.

Viel zu spät, am Ende der Sendung, bei deren Wetten Bowlingkugeln gestapelt und Züge von starken Männern gezogen wurden, kamen Catherine Deneuve und Udo Jürgens dazu, die der Show schon viel früher gut getan hätten. Die Grande Dame des französischen Films und der 76-jährige Entertainer hätten wenigstens etwas zu erzählen gehabt. Vor allem Jürgens, der voller Leidenschaft über die Musik und das Altern sprach, weckte die müde Runde und ihren Gastgeber wenigstens ein bisschen auf. "Der ganz normale Wahnsinn" heißt das neue Album von Jürgens. Das passt - auch zu "Wetten, dass ..?".

Zum Abschluss kam noch ein französischer Künstler auf die Bühne, der mit Leim und Goldstaub das Porträt des Moderators auf eine Leinwand zauberte. "Bin das etwa ich? Oder Jesus?", fragte Gottschalk ungläubig. Am Ende erkannte man ganz deutlich: Es ist der Goldjunge Gottschalk. Glänzend, strahlend. Ein Bild aus besseren Tagen. "Ja, so habe ich mal ausgesehen", sagt Gottschalk. Und das klang ganz schön traurig.

Von Katharina Miklis
 
 
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