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27. Dezember 2009, 15:00 Uhr

Fernsehen in der Wiederholungsfalle

Obwohl sie über jährlich sieben Milliarden Euro Einnahmen verfügen, laufen in den öffentlich-rechtlichen Programmen ständig Wiederholungen. Gerade in der Zeit von Weihnachten bis Neujahr wird wieder kräftig in die Mottenkiste gegriffen. Eine Bestandsaufnahme. Von Wolfgang Röhl

Zoom
Fernsehprogramm, Wiederholungen, TV-Programm

Alle Jahre wieder im deutschen TV zu sehen: Charles Bronson als KGB-Agent in Don Siegels "Telefon"© Cinetext

Des Waldes Dunkel zieht mich an/doch muss zu meinem Wort ich steh'n/und Meilen geh'n/bevor ich schlafen kann." Wenn diese düsterschöne Passage eines Gedichts des amerikanischen Lyrikers Robert Frost aus dem Fernsehgerät perlt, ist das ein untrügliches Zeichen, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender eingestellt ist. Darauf läuft die x-te Wiederholung von "Telefon", einem Thriller mit Charles Bronson von anno 1977. Darin werden die Schläfer mithilfe des oben zitierten Gedichtes aktiviert.

Manch ältere Couchkartoffel kann die Gedichtzeilen mittlerweile fehlerfrei rezitieren. Denn kaum ein Streifen - abgesehen vom "Tatort"-Klassiker "Reifezeugnis" mit Nastassja Kinski - ist im deutschen Fernsehen so oft abgenudelt worden wie der Krimi um sowjetische Schläfer-Agenten in Amerika. Seine Ausstrahlung kostet jetzt nur noch ganz kleines Geld. Und für tumbe Schlaflose, die im Spätprogramm hängen bleiben, so glauben die Programmmacher wohl, taugt er allemal.

Gerade zu Weihnachten und zum Jahreswechsel ist das Programm der öffentlich-rechtlichen Sender vollgestopft mit Wiederholungen: Von dem Weihnachtsklassiker "Ist das Leben nicht schön?" über die Travestiekomödie "Tootsie" bis hin zu den notorischen "Tatort"-Folgen läuft jede Menge Altbekanntes und Vertrautes.

Sieben Milliarden Euro pro Jahr

Wie kann das sein? Wie ist es möglich, dass die im randvollen Zwangsgebührenpool planschenden Sender seit Jahrzehnten große Teile ihrer TV-Programme mit dem Repetieren von ollen Kamellen bestreiten? Sieben Milliarden Euro streichen ARD und des ZDF jedes Jahr ein. Einnahmen für Werbespots und geldwerte Vorteile aus diversen Kooperationen mit privaten Partnern (wie bei der Produktion der ebenfalls unablässig wiederholten Serie "Das Traumschiff") gar nicht eingerechnet. Das müsste doch für ein spannendes, selbst gemachtes Unterhaltungsprogramm reichen? Oder wenigstens dafür, aus den vielen guten ausländischen Filmen, die es nie in deutsche Kinos schaffen, einige aufzuspüren, zu synchronisieren und zu senden?

Ja, denkste. Der Löwenanteil der Gebührenknete fließt gar nicht in Inhalte, sondern wird für alles Mögliche abgeschöpft. Vor allem für die Gehälter und die üppige Altersversorgung der aktuell 27.000 Köpfe starken Mitarbeiterschaft von ZDF und ARD. Oder werden in bis zu 30 Millionen Euro teure Kinkerlitzchen wie das neue Nachrichtenstudio des ZDF gesteckt.

Reichlich Geld wird auch für quietschbunte Schmonzetten aus dem Hause Degeto ausgegeben, an deren ozeanischer Einfalt selbst gutwillige Programm-Redakteure verzweifeln. Oder in diversen Spartenkanälen wie dem "Theaterkanal" verbraten, die kaum jemand gucken möchte. Beziehungsweise in teuren digitalen Experimenten wie ZDFneo versenkt. Ferner wird es Fußball-, Rad-, Box- und anderen Sportverbänden in den Rachen geworfen. Die letztere Übung nennt man übrigens Quotenkauf. Statt Ideen braucht man dafür nur das Geld anderer Leute.

Wie - da ist immer noch was übrig? Muss ja auch. Die Dienstwagen der Leistungsträger von ZDF und ARD vom Kaliber Audi A8 verschlingen sicher ein paar Euro.

Permanente Déjà-vu-Erlebnisse

Das zusammen bedeutet natürlich: Bei den Inhalten muss kreativ gespart werden. Betagte Spielfilme wiederholen, das ist - neben Talk-, Game- und Kochshows - immer noch die wohlfeilste Methode, eine Art von Programm vorzutäuschen. Über permanente Déjà-vu-Erlebnisse beklagte sich Zuschauerin Gudrun E. neulich bei der Service-Redaktion von Rundfunk Berlin Brandenburg: "Inzwischen habe ich wirklich die Nase voll! Wenn Sie gute Filme spielen, dann solche, die ich schon mehrfach in den anderen Programmen der ARD gesehen habe. Inzwischen ist es so weit, dass ich nach 22 bis 23 Uhr keinen einzigen guten Film mehr finde, den ich in den letzten zwei Jahren nicht schon mindestens zweimal gesehen habe."

Antwort der Service-Redaktion: "Wir können Ihnen garantieren, dass wir Ihre Kritik an unserer Filmauswahl an die zuständige Redaktion weiterleiten und sie dort ernst genommen wird."

Aber ganz bestimmt doch!

Lesen Sie auf der nächsten Seite, mit welchem TV-Filmen die Fernsehsender ihre Zuschauer besonders häufig bombardiert haben

Seite 1: Fernsehen in der Wiederholungsfalle
Seite 2: Die Hitliste des Grauens
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