Heuschrecken, Kakerlaken, Maden: Den Kandidaten im australischen Dschungelcamp blieb in den letzten Tagen nichts erspart. Die Ekel-Grenze scheint nicht nur überschritten, sondern sogar gefallen zu sein. Wie kommt man eigentlich an diese exotischen Essen? stern.de auf Spurensuche. Von Julia Windhövel

In 113 Ländern stehen Insekten auf dem Speiseplan. In Deutschland allerdings nicht. Ein Gast auf der Expo 2000 lässt sich die Heuschrecke trotzdem schmecken© Picture-Alliance
Heldenhaft schieben sich Peter Bond und Nico Schwanz Kakerlaken, Grillen, Krokodilsfuß und einen Rattenschwanz in den Mund. Tränen stehen den beiden vor Ekel in den Augen, während die Moderatoren Sonja und "Dicky" immer wieder neue Spezialitäten auftischen. Als Zuschauer weiß man nicht so recht, ob man angewidert wegschalten oder fasziniert hingucken will. Für den Großteil der asiatischen und afrikanischen Bevölkerung wäre der Fall klar: hingucken, Appetit bekommen und rein mit den Grillen in die heiße Pfanne. Kurz braten, rausnehmen - lecker.
Wer sich in Deutschland an der proteinreichen Nahrung versuchen will, bekommt Probleme: Wo kauft man eigentlich Heuschrecken, Kakerlaken oder Maden? Bei Aldi, Lidl und Co wohl kaum. Aber der asiatische Supermarkt ist einen Versuch wert.
Der Vinh Loi Aisa-Markt ist bis unter die Decke vollgestopft mit bunten Pappkartons, Reiskochern, Dämpfkörben und Teegeschirr. Den Weg zur Gefriertruhe säumen Gurken in Sirup, vegetarisches Würzpulver mit Rindgeschmack und Instant-Nudeln. Im Tiefkühlfach findet man tatsächlich Köstlichkeiten: abgetrennte Hühnerfüße, Rinderblättermägen, Schweinedarm, Tintenfischköpfe und Quallen in Aspik. Was fehlt: Heuschrecken, frittiert sind sie in China sein sehr beliebter Snack, und sonstige Krabbeltiere. Dafür landen die Hühnerfüße im Einkaufskorb.
Die nächste Hürde: frittieren oder braten, einlegen, pökeln oder kochen? Was macht man damit? Sogar bei der Internetsuche findet man erstaunlich wenig Einträge. "Hühnerfüße in kochendem Wasser fünf Minuten blanchieren", rät eine Liebhaberin der chinesischen Küche auf "Chefkoch.de". "Vorher die Füße noch abbürsten und die Krallen entfernen." Dann werden sie frittiert, nach Belieben mit Sojasoße begossen und anschließend gebraten.
Auf einer privaten österreichischen Website gibt es neben der Kategorie "Religiöses" und "Spaß&Fun" auch Tipps für eine proteinreiche Heuschrecken-Mahlzeit. Pro Person braucht man hundert Gramm Heuschrecken, die man lebendig kauft, einfriert und denen man im noch gefrorenen Zustand die Flügel ausreißt. "Sind die Tiere erst einmal aufgetaut", wird gewarnt, "geht sonst auch das bisschen Fleisch mit".
Wer sich das nicht zutraut, kann das Handwerk in einem Kochkurs erlernen. Angeboten werden diese regelmäßig in Köln und Berlin. Die Sache hat jedoch einen Haken: Der Anbieter des Kurses ist telefonisch nicht zu erreichen. Neugierigen gibt seine Website Auskunft über den Ablauf des Kurses: Nach einer Einweisung in die Welt der Insekten sollen die Tierchen fachgerecht zubereitet und anschließend verspeist werden. Krönender Abschluss des Menüs: gebackene Heuschrecken mit Schokoüberzug.