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16. März 2008, 10:48 Uhr

Dicke Hose in Düsseldorf

Verona Pooth

Verona am 28. Februar 2008 bei "Kerner"© Ulrich Perrey/DPA

Der Lebemann Humme war außerdem beinahe Meerbuscher Nachbar der Pooths. Der Pooths! Man muss wissen, dass Verona Pooth in Düsseldorf eine Frau ist, vor der sich die Menschenmengen auf der Kö teilen, sie ist hier eine 1-a-Prominente, sie ist der Hauch von Hollywood in dieser an Prominenten armen Stadt, von den Ohovens redet ja keiner mehr. Verona zu kennen ist wie eine Breitling rechts und eine Rolex links zu tragen. Und Humme kannte sie.

Man traf sich privat, der Franjo hatte diese eschäftsidee und schon einen Start-up-Kredit über 2,5 Millionen Euro. Die Dicken Hosen Humme und Pooth konnten sich gar nicht genug an der Idee berauschen, es denen von Apple mal richtig zu zeigen. Der erste Kredit wurde bald aufgestockt, wie das leicht so ist, wenn der eine Geld verleiht, das ihm nicht gehört, und der andere Geld ausgibt, das nicht sein eigenes ist. So waren sie es gewohnt.

Noch sind die Details der Poothschen Misswirtschaft nicht bekannt, aber als die Firma im Januar Insolvenz meldete, standen 27 Mitarbeiter auf der Straße. Allein 9,2 Millionen der 14 Millionen Euro Gesamtverbindlichkeiten waren von der Sparkasse geflossen. Humme und Bankenvorstand Karl-Heinz Stiegemann hatten sie in mehreren Raten genehmigt, und so mancher in der Bank hatte dabei schon früh Bauchschmerzen. Denn als Hauptsicherheit konnte Pooth nur ein Warenlager voller MP3-Spieler und Handys vorweisen - nach Branchennachrichten höchstens zwei Millionen Euro wert. Die anderen Sicherheiten waren eher Aussichten: "Der Humme hat zu tief in Veronas Dekolleté gestarrt", spottet man in Düsseldorf.

Verschleppte Insolvenz?

Als dann das Weihnachtsgeschäft 2006 für "Maxfield" nahezu floppte, versuchten in der Bank einige zu bremsen. Im Frühjahr stellte Franjo eine neue Kreditanfrage, doch man war nur noch bereit, 500.000 Euro nachzulegen. Wie dann aus der halben Million in wenigen Tagen doch 1,5 Millionen wurden, beschäftigt heute die Staatsanwaltschaft, die eine verschleppte Insolvenz zu schnuppern glaubt. Pooths Anwalt Christian Richter geht davon aus, dass dieses Verfahren "alsbald" erledigt ist, weil "Herr Pooth sich für die Fragen einer Insolvenzantragspflicht auf Auskünfte und Ratschläge der ihm in diesen Fragen weit überlegenen Vorstände und Mitarbeiter der Stadtsparkasse" verlassen habe.

Verona Pooth

Die Hochzeit war ein abschreibungswürdiges "Event", eine Geschäftsveranstaltung© Jens Kalaene/DPA

Wo die 1,5 Millionen verbrannt wurden, konnte jeder auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin sehen, wo "Maxfield" mit einem hallengroßen Stand, brüllend lauter Musik und Stretchlimousinen die Kundschaft entsetzte. "Lieber Mr. Jobs, das hätten Sie gemacht, wenn Sie Eier gehabt hätten!", verkündeten Plakate. Ei-Pooth - wollte die Geschichte der Unterhaltungselektronik etwa umgeschrieben werden?

Ob Franjo Pooth die üppigen Kredite auch noch mit Gefälligkeiten wie Flachbildschirmen, Einladungen zur Pooth-Hochzeit in Wien oder teuren Mietwagen schmierte, das zu klären ist Sache der Staatsanwaltschaft. Sie prüft eine Ermittlung wegen Korruption.

Dass zumindest einiges droht, konnte man vorige Woche zwischen den Sätzen Veronas heraushören, die gebetsmühlenartig betonte, sie habe mit der ganzen Sache nichts zu tun. Gar nichts?

Verona ist mit keinem Cent beteiligt

Noch 2005 hatte sie auf einem Empfang gesagt: "Ich danke meinem Freund Martin. Er und Karl-Heinz Stiegemann von der Sparkasse sind meine neuen Lebensgefährten. Seit ich in Düsseldorf lebe, hecken sie immer neue Termine für mich aus." Auf dem Papier ist Verona mit keinem Cent an "Maxfield" beteiligt. "Warum auch? Sie versteht von der Sache nichts", sagt ihr Manager Alain Midzic.

Bemüht cool versuchen er und seine Klientin die Marke "Verona" unbefleckt zu halten. Das Risiko in der hochsensiblen Image-Industrie ist groß, in den Strudel einer dilettantischen Pleiteaffäre zu geraten. Keine Gefahr, sagt Midzic, erst vor ein paar Wochen habe der Marmeladenkonzern Schwartau einen Werbevertrag mit Verona gemacht. Und die Hauptrolle in einem Film stehe auch in Aussicht, sagt Verona. Na ja, Schwartau wollte schon recht genau wissen, dass sie mit "Maxfield" nichts zu tun habe, und der Film wird von Alain Midzic produziert, wenn überhaupt. Also wieder mal viel Dampf bei den Pooths.

Fragt man beim Karstadt-Konzern nach, weshalb man nach gut einem Jahr die Dessous- Linie "Verona's Dreams" aus den Regalen genommen habe, kommt ein knappes "wir haben uns im Einvernehmen getrennt und planen keine weitere Zusammenarbeit". Fragt man Silberschmuck-Hersteller Frank Heringer, wie die Zusammenarbeit mit Verona war, kommt ein knappes "musste Insolvenz anmelden".

Der Verona- Schmuck verkaufte sich schlecht, die Namensgeberin bestand aber auf ihren Lizenzzahlungen, sodass die Firma "bhl" schließen musste. Und so geht das weiter. Meldungen, dass der Sender Pro Sieben mit Verona und Franjo eine Doku-Soap über den Bau ihres neuen Hauses in Düsseldorf plane, werden vom Sender mit "es gibt keine konkreten Pläne für eine Zusammenarbeit" kommentiert. Die Internetseite "Verona's Dreams" zeigt sich seit Wochen als Baustelle.

Überhaupt Baustelle. Noch vor vier Wochen versicherte Verona Pooth, dass sich auf ihrem neuen Grundstück an der Meerbuscher Hildegundis Allee, einer millionenschweren Wohnlage, bald die Bagger und Schaufeln bewegen werden. Das ist nun nicht mehr so sicher, denn seit die Staatsanwaltschaft Düsseldorf bemerkt hat, dass Franjo Pooth seinen Grundstücksanteil an seine Frau verkauft hat, ist der teure Flecken interessant. "Sollte die Übereignung von Verona Pooth nicht wertgerecht bezahlt worden sein, könnten Gläubiger verlangen, dass die Differenz zum wahren Preis ausgeglichen wird", schreibt die "Rheinische Post". Dann müsste Verona zahlen. Franjo Pooths Anwalt Christian Richter versichert: "Ein entsprechender Wertausgleich ist erfolgt."

System Pooth hat schwersten Schaden genommen

Wie auch immer die "Maxfield"-Pleite strafrechtlich ausgehen wird, in der Prominentenindustrie hat das System Pooth schwersten Schaden genommen. Diese Pleite ist nicht eine von "40.000", wie Verona es zu sehen versucht, diese Pleite ist der Crash des Selbstverständnisses, dass immer andere alles bezahlen. Sponsoren, Medien, Prominenz-besoffene Banker, die nun vor den Trümmern ihrer Karriere stehen. Nicht gezählt die Lieferanten, Angestellten und Partnerfirmen, die sich nur schwer oder gar nicht von der Dickhose Franjo Pooth erholen.

Fragt man Manager Alain Midzic, ob es sein könne, dass Franjo auch Kosten der Pooth-Hochzeit in Wien über "Maxfield" abgerechnet habe, sagt der erst mal Nein. Aber dann: Die Hochzeit sei doch ein "Event" gewesen, eine Geschäftsveranstaltung also. Das ganze Leben ein Event. Damit ist jetzt wohl Schluss.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 11/2008

Von Gerd Elendt und Jochen Siemens
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KOMMENTARE (10 von 30)
 
FelixMaximus (19.03.2008, 11:36 Uhr)
Journalismus der schlechten Art
Man kann zu Frau Pooth stehen wie man will, aber sie hat aus wirklich "Nichts" allerhand auf die Beine gestellt, oder? Bei allem was sie tut, steht ihr die Bild-Zeitung wohlwollend zur Seite. Sicher profitiert man/jemand dort von ihrer Vermarktung. Dass es fuer Herrn Pooth schwierig ist, bei dieser Art der Selbstinzinierung mitzuhalten liegt auf der Hand. Dass er gesetzwidrig gehandelt haben soll, muss und wird sicherlich aufgearbeitet werden. Es wird sehr schwer fuer ihn werden, in Deutschland wieder beruflich Fuss zu fassen. Aus Ihrem Artikel kann ich jedoch keine Aufklärung ueber Fakten erkennen, sondern lediglich billige Häme und unverhohlene Schadenfreude des Autors. Das stelle ich mir nicht unter gutem Journalismus vor und entspricht auch nicht dem sonstigen Anspruch Ihres Magazins.
faculdoc (17.03.2008, 18:32 Uhr)
Zum Täuscherpaar Pooth
ich danke dem STERN für seine couragierte Information. Als jetzt Senior und ehemalig langjähriger Geschäftsführer eines Familienunternehmens fordere ich unzweideutig von der Staatsanwaltschaft und dem Finanzamt, dieses Luftnummernpaar Pooth genauso abzuarbeiten, wie es viele viele Tausende Kleinunternehmen unverschuldet durch Forderungsausfälle ihrer Debitoren
am bitteren Ende durchleiden
mussten - nämlich: Staatsanwaltschaft und Zivilverfahren-Hausdurchsuchung-Bann vom Finanzamt - Strafe von der Bundesanstalt für Arbeit -
Vollzug der Durchgriffshaftung für die Feldbusch - eidesstattliche Versicherung Beider -Zwangsvollstreckung des eigenen Vermögens im Durchgriff und Urteil für beide Banausen, in den nächsten 10 Jahren kein Zugriff für Unternehmensbildung .
laketahoe (17.03.2008, 14:46 Uhr)
Zaghaft, aber immer schon kritisch...
Dass man das noch erleben darf, dass Familie Pooth und deren Selbstdarstellungsmaschinerie, die von der BILD, Kerner & Co. mit kostenlosen Promotions unterstützt wird, etwas kritisch hinterleuchtet erlebt.... Ich dachte schon, weiterhin die Zähne ganz fest zusammenbeissen zu müssen, während Alain Midzic, diverse "Werbefachleute" und bereits erwähnte Medien fleissig das völlig zu unrecht fliorierendee Geschäft von Verona besorgen, von dem Franjo offensichtlich auch profitierte, als der Ruf von Verona sozusagen die Sicherheiten für die Band ersetzt haben dürfte. Wie praktisch!
Alles in allem eine unglaublich peinliche Geschichte, wenn man beachtet, dass weder sie noch er auch nur irgendetwas draufhaben dürften, das große Summen, wofür auch immer, rechtfertigte.
tagora-sagittara (17.03.2008, 14:18 Uhr)
Hübsche Geschichte...
von einem Michgesicht, der mit Hilfe einer quitschenden, prominenten Oberweite einen Banker aufs Kreuz legt.... köstlich,... wenns nicht so traurig wär. Denn die Rechnung bezahlen die Bankkunden,... wie gehabt!!
osthang (17.03.2008, 13:49 Uhr)
Welch in Skandal!?
Worüber man sich hier aufregt ist wirklich erbärmlich!
Ich frage mich, warum es denn keinen solch ausführlichen Bericht über die Bankmanager der LBs und IKBs gibt, die Milliarden und aber Milliarden an Euros im amerikanischen Immobilienmarkt versenkt haben?
Wo werden die denn öffentlich ausgezogen und über deren Praktiken geurteilt? Nirgends oder hab ich das einfach überlesen?
Sicher ist das Verhalten von Herrn Pooth nicht löblich, aber die Verhältnismäßigkeit der Berichterstattung empfinde ich als äußerst fragwürdig, zumindest wenn man sieht, welche Unsummen an anderen Fronten vergeudet werden!!
mr_schlaumann (17.03.2008, 11:49 Uhr)
_
lächerlich.
botoxia (17.03.2008, 11:25 Uhr)
Häme
Und hämisch grinsen alle Neider.
SteveJobs (17.03.2008, 10:50 Uhr)
Think different!
An jeden Kommentator: Anders machen - besser machen - aber vor Allem selber machen!
singen (17.03.2008, 09:36 Uhr)
Werte
Vor kurzem habe ich den Film „Dieter“ gesehen, da sah man die Schöpfkraft von Verona mit plus Wertvorstellung. Ich bin gespannt welche Schöpfkraft jetzt vorhanden ist. Wir werden es bestimmt bei Kerner erfahren.
AchazIII. (17.03.2008, 07:53 Uhr)
Die Geister, die man rief, wird man eben doch los
Pleiten können ja auch so nützlich sein. Die in diesem Artikel beschriebene gehört dazu, weil sie dazu führen wird, dass in diesem Land sog. "Stars" wie jene Frau P. die Luft ausgehen wird. Was man vor kurzem erlebte, als Frau P. in Talkshows schon nicht mehr über ihre "Welt" ("Veronas Welt")parlieren konnte oder dufte, was immer das auch sein mag, sondern schon sich zur Pleite ihres Gatten äußerte, waren die Vorboten, dass es zu Ende geht mit dieser Luftblase. Die Erläuterungen zu einer Pleite sind nur einmal interessant, dann nie mehr.
Manchmal irren sich große Leuchten wie Schiller, Friedrich von, der davon sprach, man werde Geister nicht mehr los. In diesem Fall schon.
Allerdings ist aus Franjos Sicht zu befürchten, dass er für Verona als Pleitier uninteressant sein dürfte. Und dann werden sich schon ein paar TV-Anstalten finden lassen, die über diese Trennung berichten werden - allerdings dann schon etwas abgebremst......
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