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1. Januar 2008, 10:00 Uhr

Hart im Nehmen

Mit zwei Oscars ist sie eine der gefragtesten Hollywood-Stars: Im stern.de-Interview erzählt Hilary Swank, warum sie bei den Dreharbeiten zu ihrem neuen Film "geblutet hat wie ein Schwein", sie sich nicht vor Paparazzi versteckt und was "Killer-Fettucini" sind.

Hilary Swank und ihr Filmkollege Gerard Butler bei der Premierenfeier von "P.S. I Love You" am 21. Dezember in Hollywood© Mario Anzuoni/Reuters

Sie haben einen Boxfilm ohne Verletzung überlebt und bei den Dreharbeiten zu einer Komödie wurde Ihnen fast ein Auge ausgeschossen. Erklären Sie das doch bitte mal.

Ja, das stimmt. Es gibt eine Szene in meinem neuen Film "PS, I love You", in der Gerard Butler, der den Gerry spielt, einen Striptease für mich hinlegt - nur mit Boxershorts und Hosenträgern bekleidet. Sehr witzig. Da hat sich dann einer der Hosenträgerclips in einer Schublade verklemmt. Als Gerard daran zog ist er rausgesprungen und durch die Spannung auf dem Gurt knapp über meinem linken Auge eingeschlagen. Ich habe geblutet wie ein Schwein auf der Schlachtbank, und Gerard Butler hat die ganze Zeit geweint. Allein dieser Anblick war es schon wert.

Sie sind das, was man in Amerika einen "Tough Cookie" nennt, also hart im Nehmen?

Ja, ich kann 'ne ganze Menge einstecken. Es war ja auch nicht sein Fehler. Das kann halt mal passieren. Nachdem die Wunde genäht wurde, war die Sache erledigt.

Ihr neuer Film ist eine Liebesgeschichte. Was gefällt Ihnen am besten am verliebt sein? Ich mag den Aspekt, dass Liebe bedingungslos sein kann, keine Grenzen kennt. Echte Liebe kann dir helfen, dich selbst zu finden. Das kommt, wie ich finde, auch gut in diesem Film rüber. Sie haben sich 2006 von ihrem Ehemann Chad Lowe getrennt, mit dem sie vierzehn Jahre liiert waren. Sind Sie ein Mensch, der nach dem Ende einer Beziehung eher in sich zusammenfällt oder sind Sie jemand, der dann erst recht Gas gibt? Ich bin ein typischer Löwe. Wir trauern, wir zeigen unsere Emotionen und dann krempeln wir die Ärmel hoch. Das Leben ist zu kurz, um ständig in der Vergangenheit zu leben. Wir müssen doch alle nach vorne schauen.

Swank beim Interview in der "Today"-Show© Richard Drew/AP

Sie drehen zurzeit einen Film nach dem anderen, 2007 alleine drei. Ist das eine Art Flucht? Ich arbeite einfach gerne. Es hängt nicht damit zusammen, dass ich vor etwas weglaufe. Mein Job ist noch immer die Erfüllung eines Traumes für mich. Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen. Und heute darf ich mit sehr talentierten Menschen arbeiten und bekomme dafür auch noch Geld. Jetzt untertreiben Sie aber ganz schön. Immerhin haben Sie schon zweimal den Oscar gewonnen. Sie sind ein Superstar. Mit dem Begriff Superstar habe ich ein Problem. Für mich sind Leute wie Clint Eastwood Superstars. Ich stehe wie ein kleines Mädchen neben diesem Mann und schaue ihm bei der Arbeit zu. Er ist eine Legende. Ich bin eine arbeitende Schauspielerin. So sehe ich mich am liebsten. Was macht Hilary Swank, wenn sie von allem Stress mal abschalten möchte? Ich koche unheimlich gerne und habe einen sehr guten Freund, der als professioneller Koch arbeitet. Den lade ich gerne zusammen mit ein paar Freunden zu mir ein und dann kriegen wir unsere private italienische Kochstunde. Es ist fantastisch. Wir trinken Wein, wirbeln in der Küche herum und kochen. Es ist eine wunderbare Möglichkeit, sich endlich mal wieder mit Freunden auszutauschen. Und Sie zählen zu den Hollywoodstars, die trotz italienischer Küche kein Fett ansetzen. Bitte sagen Sie jetzt nicht, dass es nur die "guten Gene" sind, die Ihnen zu der Traumfigur verhelfen. Warum, ist das eine Standard-Antwort in Hollywood? Ja, ist es. Ich könnte an dieser Stelle Kolleginnen von Ihnen nennen, die das ständig runterbeten. Oh, ja, bitte. Ich will Namen hören!

Später vielleicht. Aber erst müssen sie ihr Geheimnis verraten?

Ich treibe gerne Sport, gehe gerne zum Hiking in die Berge oder ich schwimme im Pool oder Ozean. Sport ist für mich so befreiend. Du schwitzt und lässt Sorgen, Sorgen sein, konzentrierst dich nur auf die Aufgabe, die vor dir liegt.

Selbst wenn um sie herum die Papparazzo mit ihren Fotoapparaten lauern?

Ich verstecke mich nicht vor der Welt. Das könnte ich nicht aushalten. Ich rechne aber heute immer damit, dass ich meine Einkäufe nicht in einer Stunde erledigen kann, weil mich oftmals Leute im Supermarkt ansprechen. Und ich bin keiner von diesen Schauspielern, die den Fans die kalte Schulter zeigt. So wurde ich nicht erzogen.

Plausch mit Hilary Swank vorm Gemüsestand?

Ja, sicher. Warum denn nicht? Seien wir doch mal ehrlich: Es ist doch auch eine echte Streicheleinheit für einen Schauspieler, wenn er auf seine Leistung in einem Film angesprochen wird. Welcher Arzt oder welcher Ingenieur wird schon auf seine Arbeit angesprochen. Ich bin mir sehr wohl darüber im Klaren, was für ein privilegiertes Leben wir führen.

Was ist dran an dem Gerücht, dass Sie als nächstes Emilia Erhardt spielen, die erste Frau, die den Atlantik überflog und auf mysteriöse Weise verschwand? Das ist wahr. Wir fangen Anfang Februar mit den Dreharbeiten an. Ich freue mich schon auf die neue Aufgabe. Danach mache ich dann aber endlich mal ein bisschen Pause. Hey, dann gibt's also wieder eine Kochparty bei Hilary Swank? Yes, ich mache Killer-Fettucini. Sie sind herzlich eingeladen.

Interview: Frank Siering
 
 
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