Botox und Liften war gestern - Hollywood will keine glattgebügelten Schönheiten mehr. Schuld daran ist nicht nur die Erkenntnis, dass zu viel Glattspritzen die Mimik zerstört, sondern auch technische Innovation: Im Fernsehen der Zukunft sieht man Nähte einfach zu gut. Von Ulrike von Bülow

Schauspielerin Sharon Osbourne bei einem Auftritt im April in Kalifornien© Jason Merritt/Getty
Im amerikanischen Frühstücksfernsehen erschien kürzlich eine Dame mit himbeerroten Haaren, sie trug einen schwarzen Anzug und sprach mit quietschender Stimme. Sharon Osbourne, 57, verheiratet mit Zauselrocker Ozzy, erzählte, dass sie demnächst Großes vorhabe: "Ich lasse mir meine Brustimplantate entfernen", so Mrs. Osbourne, und diese wolle sie sodann ihrem Gatten schenken - "als Briefbeschwerer". Sie guckte kurz an sich herunter, dann sagte sie noch: "Ich glaube, dass die Implantate auf seinem Schreibtisch viel besser aussehen als in meiner Brust." Sharon Osbourne kicherte, aber sie meinte das durchaus ernst.
Vielleicht ist Mrs. Osbourne die Vorreiterin eines neuen Trends, den Amerikas Unterhaltungsindustrie gern ausrufen würde: Weg von den Künstlichkeiten! Hollywood ist seine vielen schönheitsoperierten Darstellerinnen leid, die sich mit Silikon auspolstern und mit Botox zuspritzen lassen und inzwischen alle gleich aussehen - unnatürlich und mimikfrei. Es gebe zu wenig abwechslungsreiche Gesichter, klagten jetzt Filmschaffende in der "New York Times", Produzenten, Regisseure und Casting-Direktoren, die genug haben von dem perfekten Frauenbild, das Hollywood sich über die Jahre zurechtgeschnippelt hat.
Bei Fox etwa, einem der großen US-Fernsehsender, heißt es, man buche immer mehr Schauspielerinnen und Schauspieler aus Australien oder England, die nichts von den typischen Figuren in Los Angeles haben, "die alle an eine Drag Queen erinnern", sagt Marcia Shulman, die bei Fox das Serien-Casting verantwortet, in der "New York Times". Ihre Kollegin Mindy Martin, die beim Film arbeitet und für die Besetzung des Kinofilms "Up In The Air" zuständig war, sagt, sie appelliere an Schauspielagenten, dass diese ihre Klienten vom Schönheitschirurgen fernhalten.
Besonders ältere Schauspielerinnen würden keine Aufträge mehr bekommen, wenn ihre Haut zu straff sei. "Was ich sehen will, sind echte Gesichter", so Mindy Martin. Und Sande Alessi, Casting-Frau der "Fluch-der-Karibik"-Filme, erzählt, dass sie die Damen, die sich um eine karibische Rolle beworben hätten, immer auch im Bikini fotografiert habe - um ausschließen zu können, dass unechte Brüste in den Filmen auftauchen würden. Schließlich gab es zur Zeiten der Piraten noch keine Silikon-Implantate.