Und nun hat er auch noch seine Memoiren geschrieben: Karl Dall über sein Leben als Dieb, Trinker, Familienmensch - und Feind von Götz George.

Allein unter Frauen: Dall bat stern-Redakteurin Christine Kruttschnitt (l.) ins Haus seiner Tochter Janina, 32, die seit zehn Jahren in Kanada lebt und als Stuntfrau arbeitet© Patrick Hemmingway
Nein, noch nicht. Ich wollte nur sagen, dass es nicht jedem Kollegen zusteht, ein Buch über sein Leben zu schreiben, vor allem, wenn es verlogene Kacke ist.
Ja. Ich hatte zwar den Ehrgeiz, nicht wie ein totaler Loser dazustehen, aber das Buch ist keinesfalls eine Abrechnung mit den Kollegen. Und auch keine Aufzählung, wie viele Frauen ich in die Kiste gezogen habe oder wie oft ich in den Puff gegangen bin - was heutzutage ja offensichtlich dazugehört.
Meine beiden Mädels: meine Frau und meine Tochter. Ob sie mich nur animiert haben, weil sie die Tantiemen noch über meinen Tod hinaus kassieren können, bleibt dahingestellt.
Nun, es kamen ein paar Erinnerungen hoch, von denen ich hoffte, ich hätte sie mir weggesoffen. Zum Beispiel Erlebnisse in der Schule: Heute liest sich das unterhaltsam, aber man muss überlegen, was man damals durchgemacht hat. Wie ich einmal den blauen Brief abfing, in dem meinen Eltern mitgeteilt wurde, dass ich sitzen blieb - solche Lügengeschichten, die unwiderruflich im Desaster endeten, führten dazu, dass ich permanent mit schlechtem Gewissen rumlief. Ich komme aus einer kleinen Stadt in Ostfriesland, wo die Nachbarn schon komisch guckten, wenn man nicht wie alle anderen am Samstag seine Ligusterhecke beschnitt. Das war eine kleine, enge Welt, die mich als Kind fast erstickte.
Aber nur als den letzten Sohn von Rektor Dall, der halt nicht so funktionierte wie die anderen drei Kinder. Meine ältere Schwester hat letztens in einem Fernsehinterview gesagt, ich sei nicht erziehbar gewesen. Ja, was ist erziehen? Menschen verbiegen. Und es stimmt: Ich halte mich ans Grundgesetz - die Würde des Menschen ist unfassbar oder wie das heißt -, aber ich bin nicht erziehbar.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 38/2006