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1. Oktober 2009, 14:17 Uhr
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Gegen den Regisseur formiert sich Widerstand

Die Regierungen von Frankreich und Polen setzen sich auf offizieller Ebene zwar für die Freilassung des in der Schweiz festgenommenen Roman Polanski ein - in den Ländern formiert sich gegen diese Haltung jedoch Widerstand. Immer mehr Menschen fordern, dem Regisseur keine privilegierte Behandlung zukommen zu lassen. Von Carsten Heidböhmer

Roman Polanski, Sex, Prozess

"Die Vergangenheit holt Sie heute ein": Ein Schweizer Demonstrant bringt seine Meinung zur Verhaftung von Roman Polanski wortreich zum Ausdruck© AFP

Nach der überraschenden Festnahme von Roman Polanski am vergangenen Wochenende in der Schweiz reagierten die Regierungen von Polen und Frankreich blitzschnell. Schon am Montag wurde bekannt, dass sich die beiden Länder gemeinsam für die Freilassung des Regisseurs einsetzen wollen. In einem Schreiben an ihre US-Kollegin Hillary Clinton forderten die Außenminister der beiden Länder, Radoslaw Sikorski und Bernard Kouchner, Gnade für Polanski. Auch zahlreiche Künstler solidarisierten sich spontan mit mit dem 76-Jährigen.

Doch inzwischen mehren sich kritische Stimmen. Die linksliberale polnische Tageszeitung "Gazeta Wyborcza" schert aus der nationalen Empörungs-Phalanx aus und schreibt am Mittwoch: "Zunächst muss sich aber Polanski vor dem Richter verantworten. Amerikaner haben Recht - ein Verbrechen muss verurteilt werden." Und auch der polnische Ministerpräsident Donald Tusk versucht die Gemüter seiner Landsleute zu beruhigen und äußert Verständnis für die US-Behörden. Niemandem geschehe Unrecht, sagte Tusk dem Fernsehsender TVN24. Polanski habe ein schweres Verbrechen begangen. Es sei bekannt gewesen, dass die Amerikaner in solchen Fällen hart blieben. Damit trifft Tusk offenbar die Stimmung in seiner Bevölkerung: Nur 25 Prozent der Polen wollen, dass Polanski von einem Prozess verschont wird, wie der polnische Reporter des US-Senders "ABC-News" berichtet.

"Das ist ein Justizproblem"

Noch schärfer der Ton in Frankreich: Der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit wandte sich gegen Kulturminister Frédéric Mitterrand, der eine Freilassung Polanskis gefordert hatte. "Wenn ein junges Mädchen von 13 Jahren vergewaltigt oder sexuell missbraucht wird und man davonkommt, nur weil man eine Kaution zahlen kann, dann weckt das bei mir ein ungutes Gefühl", sagte er. "Das ist ein Justizproblem, und ich meine, dass ein Kulturminister, auch wenn er Mitterrand heißt, sagen müsste: Ich sehe mir erst mal den Fall an."

Die Tageszeitung "Le Figaro" publizierte eine Umfrage, derzufolge 70 Prozent der Bevölkerung ein Verfahren gegen Polanski befürworten. Auch im Internet sieht man die Haltung der französischen Regierung überwiegend kritisch: Polanski müsse sich der Justiz stellen wie jeder andere auch. Wie das französische Online-Magazin "lepoint.fr" berichtet, begrüßen 97 Prozent der rund 500 Blogger, die sich zu dem Fall geäußert haben, die Festnahme Polanskis. Sex mit einer 13-Jährigen, die zuvor mit Champagner und Medikamenten gefügig gemacht wurde, sei "ein schreckliches, verabscheuungswürdiges Verbrechen", heißt es in einem Blog. Sehr kritisch sieht die Blogosphäre auch die Unterstützung, die der Regisseur seitens französischer Künstler erhält: "Haben die denn jeden Sinn für Werte verloren?", fragt ein Blogger.

Auch in anderen Ländern zeigt die Öffentlichkeit keine uneingeschränkte Solidarität mit dem 76-Jährigen: "Nein, die ganze Welt steht nicht hinter Polanski", schreibt die italienischen Zeitung "Corriere della Sera". Die katalanische Schriftstellerin Najat El Hachmi stellte in der spanischen Zeitung "Periodico" die Sonderbehandlung des Künstlers infrage: "Sollen wir sie moralisch anders beurteilen als den anonymen armen Schlucker?" Der Londoner Philosophie-Professor A. C. Grayling bringt in der "Times" das Rechtsempfinden vieler seiner Landsleute auf den Punkt: "Weder Ruhm noch Reichtum, weder Zeit noch Entfernung sollten irgend jemanden immun gegen Gesetze machen, die vor schweren Verbrechen gegen andere Menschen schützen."

Von Carsten Heidböhmer
KOMMENTARE (10 von 38)
 
freiemeinung2009 (02.10.2009, 10:49 Uhr)
unglaubliche stellungnahmen
einige beiträge, welche hier getätigt werden, machen mich sprachlos. wie kann man der meinung sein, dass herr polanski über dem gesetz steht. es handelt sich hierbei um eine eindeutig nachgewiesene straftat, welche vor einem gericht verhandelt werden muss. wie kann sex zwischen einem 13jährigen mädchen, welches unter drogen und alkohol stand, und einem mann mit - ich glaube 37 jahren - nicht strafbar sein. bestimmt würden einige von euch anders reden, wenn es die eigene schwester treffen würde. und die ochsenknecht kinder wären wieder die ersten...
Sanjoaquin (02.10.2009, 07:45 Uhr)
Man nehme auch
den selbstgerechten Artikel von der Frau Kruttschnitt, den man nicht einmal mehr kommentieren darf, um zu sehen, was rauskommt, wenn sich bigotte Stockkonservative mit verbohrten Gutmenschen zusammentun. Logik, Verstand und vor allem auch Recht bleiben aussen vor. Und dass diejenigen, die am vehementesten fordern den Polanski zu "hängen" auch diejenigen waren, die am lautesten gekräht haben, dass es eine niederträchtige und hinterhältige englische Schlampe war, die den armen Marco in die Bredouille gebracht hat, sei nur noch am Rande erwähnt.
lummy (02.10.2009, 06:38 Uhr)
Diese...
kranke und exorbitat dämliche Gesellschaft.
Nach 32 Jahren fällt diesen verlogenen Heuchlern ein was Polanski damals angeblich getan hat.Wir können uns alle herzlichst bei unseren vertrottelten Sensationsmedien bedanken die weiter im Sumpf der Gesellschaft herumwühlt und Dinge zu Tage bringt die NIEMANDEN etwas angehen.Und die jenigen die hier mit:"Und wenn das Ihre Tochter wäre" herumlabern.Wäre es meine Tochter dann hätt der Herr auf gut bayrisch gsagt:a sauberne Schelln bekommen.ABER NICHT NACH 32 JAHREN !!!
Java-San (02.10.2009, 04:10 Uhr)
Polanski und Nicholson...
sind meine Hollywood-Lieblinge, oh jeeehhh, die stehen da ganz vorne! Aber, was soll´s, Ruhm kommt und vergeht. Da hatte also in mittelalterlichen Tagen der Adlatus des Vampirjägers Prof. Ambronsius im Schloß des Hexenmeisters von Eastwick eine Jungfrau geschändet. Und nun, tausend Jahre später, macht die eidgenössische Inquisition folgerichtig ihren Job. Meine Meinung: Die öffentliche Verbrennung vergessen wir mal, aber um Ablaß von seinen Sünden muß der Delinquent schon bitten. Da macht er ein paar Millionen locker, und das Ding ist geritzt. Die Maid, die evtl. sogar selbst eine Hexe ist, wird es ihm danken.
JoaG (01.10.2009, 22:28 Uhr)
und wenn es meine eigene Tochter wäre?
Dann wäre ich heute im Alter von Polanski und mit welchem Recht würde ich den Wunsch meiner Tochter, das Verfahren einzustellen, nicht respektieren? Welchen Sinn soll die Strafe noch haben? Komisch finde ich, dass bei den Jugendlichen, die in der Münchener S-Bahn einen Mann totgeschlagen haben, schnell abgewunken wurde, dass höhere Strafen nichts bringen. Zum Teil die gleichen Leute fordern aber plötzlich hohe Strafen bei Polanski. Welche Logik steckt dahinter? Junge sind immer Opfer und Alte immer Täter und wenn es mal umgekehrt ist, dann kann es trotzdem nicht sein, was nicht sein darf? Vielleicht sollte man Anfangen, die Dinge unabhängiger vom Alter der Beteiligten zu sehen, und zwar in die eine wie die andere Richtung.
JoaG (01.10.2009, 22:13 Uhr)
Widerliche Extremisten
Ich habe keine Sympathie für die Geiferer, die meinen, sich in das Thema mit Wünschen nach Verurteilungen und Strafe plötzlich nach 32 Jahren einschalten zu müssen. Was geht die das überhaupt an? Die einzige Person, die es etwas angeht, ist das Opfer selber, und die hat lang genug gewünscht, dass das Verfahren eingestellt wird. Wer dennoch darauf besteht, vergewaltigt das Opfer noch Mal, aber auf andere, vielleicht sogar weit unangenehmere Weise, wenn wir unter Vergewaltigung im weitesten Sinne verstehen, den Willen eines anderen nicht zu respektieren. Und der wäre heute, einfach mit der Sache in Ruhe gelassen zu werden. In meinen Augen hat sich in den letzten Jahren eine Art Kinderschutz-Lobby formiert, die irgendwie Vorteile für sich daraus zieht, wenn sie mit Strafforderungen im Mittelpunkt steht, ganz unbeachtet dessen, was die tatsächlichen Beteiligten selber wollen. Das macht mir mehr Angst als ein frei herum laufender Polanski, dass da Leute sich ereifern, massiv in Grundrechte und die Selbstbestimmung anderer Eingreifen zu wollen. In meinen Augen geht die ganze Sache die Gesellschaft und die ganzen Unbeteiligten nichts an.
martineden (01.10.2009, 22:07 Uhr)
Hintergrund
Verschiedenen Quellen zufolge hat die Mutter des 13jährigen Mädchens diese öfters und mit voller Absicht sowie der Direktive, wohlwollend zu sein, in leichter Bekleidung zu Produzenten und Regisseuren geschickt. "Mother dear" wollte ihre Tochter unbedingt zum Starlet pushen. Dass man eine solche Voraussetzung freilich nicht auszunutzen hat, steht auf einem anderen Blatt.
rheinfalke (01.10.2009, 17:53 Uhr)
ausliefern..
an alle die ihn in freiheit sehen wollen..würden sie ihm das auch verzeihen wenn er das ihrer eigenen tochter angetan hätte???
zonfeld (01.10.2009, 17:29 Uhr)
Aufregung um Polanski
Viele regen sich darüber auf, das es Leute gibt, die Polanski verteidigen. Ich gehöre auch dazu. Dabei will ich gar nicht die Tat verteidigen, sondern den Menschen. Polanski ist nicht irgendjemand, sondern einer der bedeutendsten Filmregisseure der Filmgeschichte.
Wenn er nicht so eine bekannte und bedeutende Persönlichkeit wäre, hätte die amerikanische Justiz bestimmt nicht so einen Aufwand betrieben.
Also geht es nicht darum, Polanski Sonderrechte einzuräumen, sondern ihn vor der Spezialbehandlung der amerikanischen Justiz zu schützen.
Über 30 Jahre haben Sie diesen Mann verfolgt, obwohl selbst das Opfer ihm inzwischen längst verziehen hat und auch schon immer befürchtete, dass er keinen fairen Prozess bekommt.
Mich regt es schon sehr auf, dass gerade die Amerikaner sich so als Moralapostel aufspielen, nach dem sie immer wieder der Menschheit allergrößten Schaden zugefügt haben. Ob Hirsohima, Kennedy, Martin-Luther-King, Sharon Tate, die aktuelle Wirtschaftskrise... sie haben so einige auf dem Gewissen und zeigen damit ihre immense Skrupellosigkeit. Und immer wieder haben sie sich Künstler vorgenommen. Charlie Chaplin, Michael Jackson und jetzt Roman Polanski. Das ist doch alles ziemlich scheinheilig.
Auch die Art und Weise, wie Polanki eine Falle gestellt wurde, finde ich ziemlich heftig. Das alles hat mit normaler Strafverfolgung nichts zu tun.
Da Polanski die Geschichte auch sehr bereut hat und immer wieder versucht hat, zuletzt 2008, eine faire Verhandlung zu bekommen, was aber aussichtslos ist, zeigt auch, wie sehr in das bis heute beschäftigt hat.
Wäre Polanski nicht so bekannt, würde sich niemand darüber aufregen, dass sich Leute für ihn einsetzen. Seine Bekanntheit ist aber nicht nur von Vorteil für ihn.

Giottos (01.10.2009, 15:37 Uhr)
Grosser CUT bei allen Kindesschändern
Kinderschänder ist Kinderschänder:
ob Anstetten in Österreich oder Polanski´s sexuellem Vergehen an einem Kind.
Moralisch und Rechtlich muss hier gleich gestraft werden.
Aber wieviel menschliches Versagen und Dummheit muss bei einigen Vorherrschen, um den Kindesschänder Polanski noch mit Freiheit zu belohnen.
*Viele Sehn wohl den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr*
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