Wie war das damals, als sie eine Affäre mit Boris Becker hatte? Eine Frage, auf die Deutschlands erfolgreichste Rapperin Sabrina Setlur nun ein paar Antworten gibt. Auch auf ihrem neuen Album.

"Ich bereue nichts": Sabrina Setlur, 29, trägt das Motto ihrer neuen Platte auf der Brust© Gaby Gerster
Sie sitzt auf einem Hocker und nippt am Becher mit grünem Tee. Sie hat lange braune Haare und große braune Augen, um ihren Hals baumelt ein silbernes Amulett, in das die Worte "Please Return to Tiffany & Co" eingraviert sind. Sie guckt ziemlich ernst, schiebt die Unterlippe ein bisschen vor, und dann sagt sie plötzlich "O nein!" und hält sich die Ohren zu.
Im CD-Player liegt ihr neues Album, und sie weiß, was jetzt kommt. "Lalelu, nur der Mann im Mond hört zu, wenn die kleinen Englein singen", es ist ihre Stimme, die da kippt - Heinz Rühmann brachte das Gute-Nacht-Liedlein irgendwie besser rüber. Wieso kommt so etwas auf ihr Album, wenn es ihr peinlich ist?
Eine halbe Stunde später, im Schminkraum eines Frankfurter Fotostudios, stochert die Rapperin Sabrina Setlur in ihrem Salat mit gehackten Walnüssen herum und erzählt, sie habe das Lied mal während der Aufnahmen gesungen, einfach nur so, "aber Moses fand das so charakterisierend: Das ist die Sabrina, die singt irgendeinen Scheiß, den singt sie auch noch falsch - aber sie macht, was sie will".
Macht sie das? Die 29-Jährige redet viel vom Moses, wenn sie über ihre Musik spricht. Moses Pelham ist der Chef des Frankfurter Labels "3p", er produziert sie, seit sie musiziert, er hat sie zu Deutschlands erfolgreichster Rapperin gemacht. Dem Moses vertraut Sabrina blind, sagen die Leute von 3p.

Liegen lernen: Setlur in entspannter Pose. Beim Yoga hat sie geübt, zur Ruhe zu kommen© Gaby Gerster
Das neue Album ist ihr viertes und das erste nach Boris Becker, mit dem Setlur vor fast drei Jahren das hatte, was er hinterher "ein schnelles Abenteuer" nannte. Becker hatte sich von seiner Frau Barbara getrennt, und es machte den Eindruck, als wollte er eine hübsche Ablenkung und Schlagzeilen, die ihn wieder zum Jäger und Sammler erklärten. Er guckte ziemlich befriedigt in die Kameras, wenn er erzählen sollte, was er an Sabrina Setlur schätzte. "Das ist nun wirklich nicht jugendfrei", sagte er dann.
"Bild" recherchierte "Ihre Geheimnisse, ihr Privatleben", "Die Woche" nannte sie "Die lachende Dritte", und bei ihr zu Hause, sagt Setlur jetzt, "standen 60, 70 Leute im Vorgarten und haben darauf gewartet, dass ich aus dem Fenster gucke". Sie war angekommen im Boulevard, aber der sei nicht ihre "cup of coffee", sagt sie, "da sind auch nicht meine Plattenkäufer". Sie pult ein Stück Nuss aus dem Salat und steckt es sich in den Mund.
Sabrina Setlur sagt, sie sei Künstlerin, aber sie steht jetzt vor dem Problem, dass sie vor allem die "Ex vom Boris" ist. Glaubt sie, die Affäre habe ihr eher genutzt oder geschadet? "Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Ich habe doch deswegen nicht meine Stimmbänder verloren. Es wird sich zeigen, ob die Fans das Album mögen." Das Problem ist, dass man das eine natürlich nicht vom anderen trennen kann, jedenfalls nicht bei einer Künstlerin, die ihre öffentliche Affäre hinterher auch noch zum Thema ihrer Arbeit macht. Oder zu machen scheint, so ganz klar wird das nicht.
Zuerst war es Glamour und ganz große Welt, aber sehr schnell war es Folter. Ihr war die Macht über das eigene Leben entglitten. "Es hat sich niemand dafür interessiert, dass ich seit zehn Jahren im Musikbusiness bin, dass ich zwei Millionen Tonträger verkauft habe." Ihre Begleiterin nickt. Ocky Cho, eine junge Koreanerin, geboren in Deutschland, ist "Director Marketing & Promotion" bei 3p; vielleicht will sie aufpassen, dass man nicht so viele Fragen zu Becker stellt.