Im vergangenen Jahr wurde Marcel Ostertag mit dem "Karstadt New Generation Award" ausgezeichnet, nun zeigte er seine Mode bei der Berliner Fashion Week. Warum er dennoch lieber in München lebt und wie junge deutsche Designer gefördert werden sollten, verrät er im Interview mit stern.de. Von Julia Mäurer, Berlin

Ein mit Lederelementen versehenes Kleid aus der Herbst-Winter-Kollektion 2009/2010 von Marcel Ostertag© Axel Schmidt/DDP
Ja, ich bin super zufrieden. Es hat alles reibungslos geklappt und ich denke, ich habe bewiesen, dass ich mit der Show erwachsen geworden bin.
Nein, bisher noch nicht. Aber in den kommenden Tagen will ich so viel sehen wie möglich.
Es ist viel voller und viel internationaler als in den vergangenen Jahren. Das Publikum ist auch ein ganz anderes. Früher saßen Studenten auf den Rängen, heute sind es Promis und Journalisten aus aller Welt.
Bei mir hat sich eine Menge getan. Der Presserummel nach der Show im vergangenen Sommer war enorm. Aber es hat sich auch geschäftlich einiges verändert. Vor kurzem habe ich in Mailand einen Vertrag mit einem Showroom unterschrieben, der meine Kollektion jetzt auch international vertreibt. Es ist für mich natürlich sehr wichtig, mit meiner Marke nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland vertreten zu sein. Zusätzlich hat sich in meiner Kollektion viel verändert. Ich habe Sachen besticken lassen, es ist eine Lederkollektion dazu gekommen, es sind Kaschmirprodukte mit dabei. Im Zuge dessen habe ich mit neuen Firmen zusammen gearbeitet, was für mich sehr interessant war. Dazu kam noch die Kollektion, die ich für Karstadt entworfen habe.
Ab April, aber nur in ausgewählten Karstadt Filialen.
Ja.
Ja, das habe ich schon gehört und das ist natürlich sehr schade. Ich bin gewissermaßen das Abschlusslicht, der Letzte, der den Preis gewonnen hat.
Natürlich. Ich würde woanders sparen. Es wird so oft bemängelt, dass Deutschland in Sachen Modenachwuchs nicht ganz vorn mitmischt. Junge deutsche Designer werden im Vergleich zu ihren Kollegen in England oder Frankreich auch kaum unterstützt. Dort gibt es Wettbewerbe, die junge Modemacher fördern und finanzieren. Davon gibt es in Deutschland viel zu wenig.
Zum Beispiel der New Generation Award, der seit 1993 im Rahmen der Londoner Fashion Week vergeben wird. Der Preis geht nicht nur an einen Nachwuchsdesigner, sondern gleich an mehrere Labels pro Saison. Die Gewinner erhalten für drei Saisonen die Möglichkeit, ihre Kollektionen auf der London Fashion Week zu präsentieren. Models, Location und Pressearbeit wird voll bezahlt.
Zu den bekanntesten zählen sicher Alexander McQueen, Matthew Williamson und Gareth Pugh.

Die Show von Marcel Ostertag wurde bei der vierten Berliner Fashion Week mit Applaus gefeiert© Andreas Rentz/Getty Images
Das beste Beispiel ist für mich immer Christopher Kane, der 2006 mit mir die Ausbildung am St. Martins College abgeschlossen hat und in der Modebranche jetzt weltweit Erfolge feiert. Ganz egal, ob Sie die "Vogue" in Japan, in Amerika oder in Frankreich nehmen, Christopher Kane ist mit seinen Kreationen überall vertreten. Er hat sofort Sponsoren gefunden und wird nun überall gepusht.
In Deutschland hapert's an der Organisation und daran, dass der Staat keine jungen Talente fördert - zumindest nicht in der Modebranche. Und wenn doch jemand gesponsert wird, dann sind es meistens Berliner Labels. In München, wo ich lebe und arbeite, finden Sie so etwas überhaupt nicht.
Meine Familie kommt ursprünglich aus München, daher war es für mich eine persönliche Entscheidung dort zu leben. Zudem gibt es in München eine kaufkräftigere Klientel als in Berlin. Ich habe in München einen eigenen Laden eröffnet und da erlebe ich täglich, dass die Münchner offen für Neues sind und dafür auch Geld ausgeben.
Schon, aber für Berlin sind meine Kollektionen oft zu teuer. Meine Sachen hängen in einigen Berliner Läden und ich spüre schon, dass der Verkauf dort im Vergleich zu München schwieriger ist. Meine Kollektion ist eben nicht ganz günstig, weil ich alles in Deutschland produzieren lasse.
Es geht gerade so los. Es dauert schließlich eine gewisse Zeit, bis sich ein Label etabliert hat. Aber wenn Sie bedenken, dass ich erst seit gut zwei Jahren als selbständiger Modedesigner arbeite, dann bin ich mit den bisherigen Ergebnissen schon sehr zufrieden.