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30. Juli 2008, 11:51 Uhr

Die grüne Olympia-Oase

Was kaum einer weiß: In der ehemaligen britischen Kolonie finden während der Sommerspiele die Reitwettbewerbe statt. Und Hongkong ist auch ein Paradies für Naturliebhaber - oft genügt nur eine kurze Fährfahrt. Von Jan-Philipp Sendker

Nur 30 Minuten vom quirligen Downtown Hongkong entfernt: Lamma Island© Dirk Claus

Hu ist ein ruhiger Mann, der stille Orte liebt. Er sitzt am Lo So Shing Beach im Schatten einer Pinie. Vor ihm liegt ein fast türkisblaues Meer, auf dem sich ein paar weiße Schaumkronen kräuseln. Es ist feucht und warm, aber dank des Windes nicht zu heiß. In der einsamen Bucht dümpelt ein Ponton für Schwimmer, der Strand ist sauber und menschenleer, drei Bademeister hocken an einem Tisch und spielen Karten. "Wenn ich hier sitze, vergesse ich manchmal, wo ich bin", sagt Hu und seine leise Stimme übertönt nur mit Mühe, das sanfte Rauschen der Brandung. Er ist in Hongkong, genauer, auf Lamma Island, der drittgrößten Insel der ehemaligen britischen Kronkolonie und wer sie einmal besucht hat, versteht, was Hu meint.

Lamma ist nur eine knapp dreißigminütige Fährfahrt vom Zentrum Hongkongs entfernt. Doch liegen Welten zwischen den beiden Gesichtern der Großstadt. Auf der Hauptinsel bestimmen Wolkenkratzer und Straßenschluchten das Bild. Über dem Hafen liegt oft eine braune Glocke aus Smog und Dunst. Gegenüber in Kowloon leben 43.000 Menschen auf einem Quadratkilometer, so viele wie kaum irgendwo sonst in der Welt. Auf Lamma hingegen darf kein Haus mehr als drei Stockwerke haben. Es gibt keine Autos. Durch die schmalen Gassen der Dörfer rennen spielende Kinder. Morgens wecken krähende Hähne die Bewohner. Die Entdeckung der Langsamkeit, mit der Weltstadt in Sichtweite.

Hu kam vor zehn Jahren aus Peking in das Insel-Idyll. Der 48-jährige Poet und Literaturwissenschaftler musste aus China fliehen, weil er politisch in Ungnade gefallen war und seine Verhaftung drohte. Er wollte in Hongkong nicht länger bleiben als unbedingt nötig. Bis sich die Wogen geglättet hatten, ein paar Monate vielleicht. Höchstens. Daraus wurde mehr als ein Jahrzehnt und ein Ende seines Exils ist nicht in Sicht. Wann immer er sich in China an einer Universität bewirbt, legt die Staatssicherheit ihr Veto ein. "Ich gewöhne mich an den Gedanken, für immer hier zu leben," sagt er, steht auf und macht sich auf den Heimweg.

Der Wanderpfad führt durch eine dichte subtropische Vegetation, am Rand des Weges wachsen Bananenstauden, meterhohe Farne und Bambushaine. Von den Bäumen hängen Luftwurzeln, die manche Ecken in einen Dschungel verwandeln. Wo die leichte Meeresbrise fehlt, ist es heiß und feucht, der Schweiß rinnt in kleinen Bächen den Körper hinunter. An einer Biegung hat ein geschäftstüchtiger Chinese einen kleinen Stand mit gekühlten Erfrischungsgetränken aufgebaut. Wir erklimmen einen lang gestreckten Berg und marschieren auf dem Kamm weiter. Der Blick ist überwältigend. Richtung Norden ragen die Hochhäuser von Aberdeen und Pok Fu Lam in den blauen, wolkenlosen Himmel. Im Westen sind die fast tausend Meter hohen Berge Lantaus zu sehen. Davor liegen mehrere Containerschiffe auf Reede. Unter uns das südchinesische Meer und eine raue, zerklüftete Küstenlandschaft mit kleinen Buchten und Felsen, an denen sich die Wellen brechen. "Ich hätte es schlechter treffen können", sagt Hu. Über sein Gesicht fliegt ein kurzes, fast schüchternes Lächeln, dann marschiert er weiter.

Kleine Fluchten per Fähre

Sein Unterschlupf ist eine von vielen, wenig bekannten Oasen, die Hongkong seinen Bewohnern - und Besuchern - bietet. Die knapp über sieben Millionen Einwohner zählende Stadt steht in dem Ruf, nur ein Betonmoloch zu sein. Ein internationales Finanzzentrum, eine riesige Shopping Mall. Falsch. Ganz falsch. Hongkong ist auch ein Paradies für Wanderer und Naturfreunde - oft genügt eine kurze Fährfahrt und von der Großstadt mit ihrem Krach, dem Schmutz und der Enge bleibt nur noch die Erinnerung. Kaum ein Besucher weiß, wie grün die Metropole eigentlich ist. Von den gut tausend Quadratkilometern sind nur 25 Prozent bebaut, bald die Hälfte der Fläche ist Parks und Naturschutzgebieten von eindrucksvoller Schönheit vorbehalten. Hongkong ist sogar Olympia-Stadt, hier finden während der Sommerspiele die Reitwettbewerbe statt.

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KOMMENTARE (1 von 1)
 
Smithwicks (30.07.2008, 11:20 Uhr)
7000 Menschen pro Quadratmeter?
koennte ich mir interessant vorstellen... In Wirklichkeit sind es offiziell 6400 Einwohner pro QadratKILOmeter
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