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Er knipste ein Selfie mit Merkel – jetzt wird er als Brüssel-Terrorist verleumdet

2015 knipst Anas Modamani ein Selfie mit Angela Merkel, das um die Welt geht. Nun verbreiten rechte Spinner dieses Bild und behaupten, der junge Syrer sei einer der Brüssel-Bomber. Jetzt wird sogar seine deutsche Gastfamilie bedroht.

Angela Merkel und Anas Modamani: Dieses Selfie bewegte Deutschland

Angela Merkel und Anas Modamani: Dieses Selfie bewegte Deutschland

Am 10. September 2015 besucht Angela Merkel ein Flüchtlingsheim in Berlin-Spandau. Dabei entsteht eines der Bilder, das ihre Kanzlerschaft prägen wird: Der 18-jährige Syrer Anas Modamani zückt sein iPhone, lehnt sich zur Kanzlerin, und drückt auf den Auslöser. Das Bild verbreitet sich rasend schnell in den Medien und sozialen Netzwerken und wird zum Symbol für Merkels Flüchtlingspolitik.

Hetze wegen Brüssel-Attentaten

Nun, ein halbes Jahr später, der Wirbel hat sich längst gelegt, wird Modamani dieses Bild im Internet zum Verhängnis. Denn nach den Terrorattacken in Brüssel schießen sich rechte Propagandaseiten schnell auf den jungen Flüchtling aus Berlin als Täter ein. Dafür montierten sie sein Merkel-Selfie direkt neben ein Bild des echten Terroristen Najim Laachraoui, der sich am Brüsseler Flughafen in die Luft gesprengt hatte, betitelt mit der Frage "Hat Merkel ein Selfie mit Brüsseler Terrorist gemacht?". Immer wieder weisen vor allem russische Blogs auf die "frappierende Ähnlichkeit" hin, die bei genauerem Hinsehen allerdings gar nicht erkennbar ist.


Modamani: "Ich bin wirklich traurig"

Die "Berliner Zeitung" (B.Z.) hat mit Modamani über die jüngsten Ereignisse am Samstag gesprochen. "Ich bin völlig geschockt", sagt der 18-jährige Syrer. Der Abiturient lebt seit zwei Monaten bei einer Familie in Marzahn-Hellersdorf und absolviert derzeit einen Sprachkurs, um schnellstmöglich ein technisches Studium aufzunehmen.

Modamani zur "B.Z.": "Ich bin wirklich traurig über das Verhalten der Menschen, die so etwas behaupten. Ich möchte in Berlin einfach nur in Frieden leben." Auch seine Gastfamilie wird nun von rechten Spinnern bedroht und als "Terroristenfreunde" auf Facebook beschimpft. Anas Gastmutter will jetzt Anzeige gegen die Hetzer erstatten - doch ob das was bringen wird? Der Ursprung des Postings geht vermutlich auf ungarische Kanäle zurück.

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